Im Zeittakt der Fledermäuse

Der von Nieten zusammengehaltene Stahl der alten Levensauer Hochbrücke hat das Ende seiner Lebensdauer erreicht. Voraussetzung für einen Neubau ist der Erhalt des gemauerten Widerlagers, in dem Fledermäuse überwintern. Fotos: kst

Sperrungen zur Vorbereitung des Neubaus der alten Levensauer Hochbrücke

Kiel. Es wird zwar noch bis etwa 2024 dauern, bis der Verkehr über die dann neu gebaute Levensauer Hochbrücke fließen kann, aber schon im kommenden April macht sich der bevorstehende Abriss und Neubau mit ersten Sperrungen bemerkbar. Vom 15. April bis 1. September wird die 1893 gebaute Stahlbrücke für Autos komplett gesperrt. Nördlich und südlich der Brücke hat die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) bereits Anschlussstellen bauen lassen, über die Pkw, Lkw und Busse über die benachbarte Brücke im Zug der B76 umgeleitet werden. Auch Fahrzeuge unter 60 km/h dürfen die Umleitung nutzen.

Für Radfahrer und Fußgänger wird die Brücke zwei Wochen lang gesperrt sein: vom 22. April bis zum 5. Mai. In dieser Zeit und in den beiden folgenden Wochen fährt bis zum 15. Mai ein kostenloser Shuttle-Bus mit Fahrradanhänger zwischen Rungholtplatz auf der Kanal-Südseite und Neuwittenbek auf der Nordseite. Zwischen 6 und 18 Uhr fährt der Bus im 30-Minuten-Takt, zwischen 18 und 24 Uhr alle 60 Minuten. Eigentlich läuft der Shuttle-Service also zwei Wochen länger als benötigt. Damit will die WSV Erfahrungen für die Haupt-Bauphase in 2023 sammeln, wenn die alte Brücke tatsächlich abgerissen und durch den Neubau ersetzt wird.

Züge werden zwischen dem 1. Juli und dem 10. August nicht über die Brücke fahren können. Dafür wird ein Schienenersatzverkehr zwischen Eckernförde und Kiel angeboten.

Der untere Wirtschaftsweg am Kanal entlang wird unter der Brücke hindurch während dieser Arbeiten weiter geöffnet bleiben.

Die Alte Levensauer Hochbrücke ist die letzte noch erhaltene Hochbrücke, die den Nord-Ostsee-Kanal schon seit dessen Einweihung überspannt. Sie muss ersetzt werden, da Stahlbauwerke nach etwa 130 Jahren das Ende ihrer technischen Lebenserwartung erreichen. Außerdem ist die Brücke für den modernen Schiffsverkehr im Kanal schlicht zu kurz geworden. Weil der tragende Bogen in der Konstruktion die Durchfahrtbreite zusätzlich einschränkt, müssen große Schiffe aktuell auf einer Breite von 45 Metern mitten unter der Brücke durchfahren, Gegenverkehr ist nicht möglich. Der Neubau wird ebenfalls einen roten Stahlbogen bekommen und damit an die alte Brücke erinnern, doch unter der neuen Brücke wird gut doppelt so viel Platz sein.

Voraussetzung für die Baugenehmigung war der Erhalt des Gewölbes im südlichen Widerlager der alten Brücke. Dort überwintern regelmäßig Tausende von Fledermäusen verschiedener Arten. Deswegen sind die Haupt-Arbeitszeiten für den Brückenneubau auf den Zeitraum zwischen 15. April und 1. September beschränkt: In dieser Zeit sind die Fledermäuse nicht da. In der jetzt beginnenden „Bausaison“ werden Schienen und Wege auf dem Widerlager zunächst entfernt, damit das Bauwerk auf der Oberseite um vier Meter flacher gemacht und neu abgedichtet werden kann. Anschließend wird der Bereich mit Kies wieder aufgefüllt, damit Wege und Schienen provisorisch wieder verlegt werden können. Während der Haupt-Bauphase von April bis September 2023 wird alles wieder entfernt. Die neue Brücke kann dann komplett frei über das alte Widerlager hinweg gebaut werden. kst

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