Geschichte hautnah erleben

Denkmal: Das monumentale Flandern-Denkmal in der Kieler Wik wurde errichtet, um den Mythos vom deutschen Soldaten-Helden zu pflegen. Mit dem Bau des Flandernbunkers wurden Name und Mythos von den Nazis übernommen.

Ausstellungen und Führungen durch die Kieler Kriegsjahre

Kiel. „Mythos und Mord: Vom Kieler Flanderndenkmal zum Marineuntersuchungsgefängnis“ ist der Titel der Führung, die Dr. Jens Rönnau vom Verein Mahnmal Kilian noch einmal am heutigen Mittwoch, 24. Juli, ab 18 Uhr anbietet und dann letztmalig am Sonntag, 18. August, ab 11.30 Uhr. An Originalschauplätzen berichtet Jens Rönnau, wie „der“ deutsche Soldat nach dem Ersten Weltkrieg so sehr mythisiert wurde, dass zu Ehren des Marinecorps „Flandern“ knapp neben der Stelle, wo später der „Flandernbunker“ gebaut wurde, 1927 ein riesiges Denkmal errichtet wurde. Auf den Mythos des deutschen Soldaten-Helden bauten die Nationalsozialisten auf ihrem Weg an die Macht auf. Später ließen die Nazis ganz in der Nähe des Flandernbunkers, im damaligen Marine-Untersuchungsgefängnis, Soldaten, die nicht linientreu genug waren, einsperren. Ein Beispiel ist der U-Bootfahrer Oskar Kusch, der als Soldat erfolgreich den Feind bekämpfte, aber keinen Hehl daraus machte, dass er nichts von Adolf Hitler und der Judenverfolgung hielt. 1943 wurde Oskar Kusch denunziert, verhaftet, im Marine-Untersuchungsgefängnis eingesperrt, zum Tode verurteilt und etwas später in Altenholz hingerichtet. „So wie ihm ging es Hunderten, die nicht voll auf Linie waren“, sagt Jens Rönnau. Treffpunkt für die Führungen ist der Flandernbunker an der Kiellinie 249 in Kiel. Der Eintritt ist frei, Spenden sind trotzdem willkommen.

Außerdem laufen im Flandernbunker aktuell auch vier Ausstellungen: „Urkatastrophe – Der Erste Weltkrieg und Kiel“ wurde bis zum 18. August verlängert. Sie zeigt zahlreiche historische Bilder, Fakten, Feldpost von verschiedenen Zeitzeugen, die Kieler Stadtentwicklung durch den Militarismus in der Kaiserzeit, die Rolle der Medien und Kunst aus 100 Jahren sowie Positionen der Gegenwartskunst zum Ersten Weltkrieg. Am Sonntag, 4. August, startet um 11.30 Uhr eine kostenlose Führung durch die Ausstellung.

„Junge Eingriffe in alte und neue Geschichte“ ist das Thema, das Objekte von Schülern der Hebbelschule zu Krieg und NS-Geschichte sowie einen Film, der symbolisch positive Haltungen junger Menschen zu den „Bad News“ aus Geschichte und Gegenwart, im Flandernbunker zeigt.

Die Ausstellung „Bunker – Bomben – Menschen“ zeigt anhand von Zeitzeugenberichten die Entwicklung des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs in Kiel.

„Erinnerungen an Kilian“ schließlich zeigt Bilder, Dokumente und Konzepte zur Ruine des U-Boot-Bunkers Kilian, der heute als Denkmal nicht mehr vorhanden ist – um seine Existenz war im vergangenen Jahrhundert 16 Jahre lang diskutiert worden.