Für einen besseren Schuleinstieg in Gaarden

Gemeinsam stellten Ulf Kämpfer (v.li.), Gerd Kleine-Bley, Astrid Fock, Renate Treutel, Nesimi Temel, Katharina Bruhn, Marion Muerköster und Linda Enez, das Pilotprojekt vor. Foto: kstGemeinsam stellten Ulf Kämpfer (v.li.), Gerd Kleine-Bley, Astrid Fock, Renate Treutel, Nesimi Temel, Katharina Bruhn, Marion Muerköster und Linda Enez, das Pilotprojekt vor.

Zusätzliche Betreuer unterstützen Eltern, Erstklässler und Lehrer

Kiel. Mit pädagogischen Zusatzkräften an zwei Schulen im Stadtteil Gaarden will die Stadt Kiel in den kommenden vier Jahren den dortigen Schulanfängern den Einstieg ins Schulleben erleichtern.


Ab dem Schuljahr 2019/20 erhält jede erste Klasse der Hans-Christian-Andersen-Stadtteilschule und der Fröbelschule zusätzlich zum Klassenlehrer eine weitere pädagogische Kraft, die die Kinder täglich begleitet. Gerd Kleine-Bley, Leiter der Fröbelschule, beschreibt die Funktion mit den Begriffen „Klassenmama beziehungsweise Klassenpapa“. Sie sollen für die Kinder verlässliche Ansprechpersonen sein, die zwischen Eltern, Kindern und Schule vermitteln, bei persönlichen Problemen der Kinder helfen, bei Konflikten auf dem Schulhof deeskalieren und auch einen Blick darauf haben, ob die Kinder wettergemäß gekleidet, mit vollständigen Schulsachen und Frühstück in die Schule kommen. Die zusätzlichen Kräfte sollen während der gesamten Unterrichtszeit am Vormittag für die Kinder da sein und auch schon morgens, wenn die Kinder in der Schule ankommen. Mit dem Modellprojekt, das die Stadt Kiel mit 600.000 Euro finanziert, sollen Freiräume für die Lehrer und eine verlässliche vertraute Atmosphäre für Kinder und Eltern geschaffen werden, damit sich alle besser auf das konzentrieren können, worum es eigentlich in der Schule geht: ums Lernen. Nach Auskunft der Stadt Kiel haben vor allem die Kinder in Gaarden-Ost ungleich schwierigere Startbedingungen als andere Kinder, die von der Kita auf die Schule wechseln. Zwei von drei Kindern leben dort an der Armutsgrenze, das könne die Lernbereitschaft und die Aufnahmefähigkeit der Kinder beeinträchtigen und sich sogar auf die Gesundheit auswirken. In vielen Fällen erschwerten außerdem mangelnde Sprachkenntnisse den Start der Erstklässler.

Soweit möglich, sollen für die zusätzliche Betreuung vor allem Personen eingesetzt werden, die den Kindern zum Beispiel aus der Schulsozialarbeit, Schulassistenz, Schulbegleitung oder der offenen Ganztagsbetreuung bekannt sind. In vielen Fällen wird das durch eine Stundenaufstockung für diese Personen erreicht.

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer stellte das Pilotprojekt gemeinsam mit Bildungsdezernentin Renate Treutel, Jugendamtsleiterin Marion Muerköster, Schulrätin Astrid Fock, Katharina Bruhn, Leiterin der Hans-Christian-Andersen-Stadtteilschule, Gerd Kleine-Bley, Leiter der Fröbelschule, dem Gaardener Ratsherrn Nesimi Temel und Fröbel-Schulassistentin Linda Enez in der Fröbelschule vor. Ulf Kämpfer warb für Verständnis dafür, dass die beiden Schulen im Rahmen des Modellprojekts scheinbar gegenüber anderen Schulen bevorzugt werden: „Manchmal ist eine ungleiche Behandlung nötig, um gleiche Bildungschancen zu gewährleisten“, sagte er.

Wie es nach vier Jahren Pilotprojekt weiter geht, hängt laut Renate Treutel stark davon ab, ob und in welchem Maß das Land in die Finanzierung der zusätzlichen Kräfte einsteigt. „Allein kann die Stadt Kiel das auf Dauer nicht finanzieren“, betont die Bildungsstadträtin Renate Treutel. kst