Einfach mal mitnehmen lassen

Einfach mal mitfahren: Antje Fentroß (v.li.), Hilde Hartz und Gisela Böhm sitzen am Bebelplatz schon mal Probe. Foto: Martin Geist

Mitfahrbänke in Kiel sollen Mobilität zu Zeiten dünner Fahrpläne verbessern

Kiel-Elmschenhagen/Kroog/Wellsee. Manchmal guckt sich die Stadt halt auch was vom Land ab. Nachdem vor ein paar Monaten in Hamdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde die erste Mitfahrbank innerhalb der Kiel-Region aufgestellt wurde, hat jetzt auch die Landeshauptstadt nachgezogen. In Elmschenhagen, Kroog und Wellsee stehen seit wenigen Tagen sechs spezielle Bänke für Leute, die eine Mitfahrgelegenheit suchen. Konkurrenz zur Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) soll das nicht sein, wohl aber eine Ergänzung zu deren Angebot.

Mal eben vom Andreas-Hofer-Platz zum Rönner Weg oder auch nur zum Bebelplatz, das ist besonders abends und an Wochenenden schneller gesagt als getan. Darüber tauschten sich jüngst auch einige Ältere beim Kaffeenachmittag im Sängerheim aus – und kamen auf die Idee, mit einem einfachen Mitfahrsystem die Mobilität für den nicht autofahrenden Teil der Bevölkerung zu verbessern. Weiter befördert innerhalb der Anlaufstellen Nachbarschaft am Bebelplatz in Elmschenhagen und im Goerdelerring in Wellsee, ist daraus in erstaunlich kurzer Zeit das jetzt gestartete Pilotprojekt geworden. Eine Seltenheit heutzutage: Die Sache funktioniert ganz ohne Telefon und braucht erst recht keine Smartphone-App. Es genügt, sich auf eine der speziell gekennzeichneten Mitfahrbänke zu setzen und mit der zugehörigen Klapptafel das angestrebte Ziel anzuzeigen. Für den Anfang rüstet die Kiel Region GmbH die Nutzer noch mit grünen Stofftaschen aus, die zusätzlich signalisieren: „Ich will mitgenommen werden.“

Nach Einschätzung von Marc Outzen, dem Vorsitzenden des Ortsbeirats Welssee/Kronsburg/Rönne, ist das neue Angebot besonders in Nicht-ÖPNV-Zeiten interessant. „An Wochenenden sind wir eigentlich ländlich“, bestätigt prompt ein Bewohner von Kroog. Flexibel und bei vertretbaren Wartezeiten innerhalb eines Stadtteils oder auch zwischen zwei Stadtteilen unterwegs sein, das sollen die neuen Mitfahrbänke ermöglichen. Auf diese Weise Autos zu teilen, sei gut fürs Klima und haftungsrechtlich unbedenklich, betont Peter Bender, Chef des städtischen Tiefbauamtes in Kiel: „Die gelegentliche Mitnahme von fremden Personen ist im Rahmen der privaten Kfz-Haftpflichtversicherung mitversichert.“

Die Verantwortlichen der Kiel-Region, in der sich neben der Stadt Kiel die Kreise Plön und Rendsburg-Eckernförde zusammengeschlossen haben, wollen in nächster Zeit noch weitere Mitfahrbänke einrichten. Wobei Kiel erstmal ein klein wenig auf der Bremse steht, weil zunächst die Erfahrungen in Elmschenhagen und Wellsee abgewartet werden sollen. Die Ortsbeiratsvorsitzenden Marco Outzen und Detlef Langfeldt aus Elmschenhagen/Kroog sind zuversichtlich, dass etwas Positives herauskommt. Sollte sich die Möglichkeit des Mitfahrens herumsprechen, hat die Initiative absolut das Zeug zum Renner, glauben die beiden Kommunalpolitiker. Und hoffen auf möglichst viele Mitnahme- und Mitfahrwillige, die diesen Optimismus bestätigen.

Ausgewiesen werden sollen die Mitfahrbänke überwiegend in der Nähe von Bushaltestellen. Damit finden die Wartenden zugleich mit einiger Wahrscheinlichkeit bei Regen ein Dach überm Kopf. Außerdem entstehen so automatisch Mobilitätsstationen, von denen immer dann die Rede ist, wenn sich zwei Verkehrssysteme an einem Punkt treffen. Idealerweise würden drumherum andere Angebote wie zum Beispiel Fahrradverleih oder Carsharing gruppieren. mag