Die Menschen-Entdeckerin Bundesverdienstkreuz für die Kieler Schauspielerin Kati Luzie Stüdemann

Je nach Anlass kann Katie Luzie Stüdemann wählen, ob sie das eigentliche Verdienstkreuz tragen möchte oder lieber die kleinere Schleife oder das ganz dezente Ansteck-Abzeichen. Foto: Jan Köster

Kiel. „Ich starrte auf dieses Schreiben und war total perplex“, erinnert sich Kati Luzie Stüdemann. Wer sie für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hat, weiß die Kieler Schauspielerin bis heute nicht, aber das Schreiben, das sie aus Berlin erhalten hatte, war echt – mit Bundesadler und allem Drum und Dran. Kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit war Kati Luzie Stüdemann in Berlin, um für ihre Arbeit mit dem Verein „Kiel CREARtiv“ aus der Hand von Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz entgegenzunehmen.

Verdient hat sich Kati Luzie Stüdemann den Orden für den Einsatz ihrer künstlerischen Arbeit, um echte Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Generationen zu schaffen und um jungen Menschen aus eher benachteiligten Verhältnissen neue Perspektiven und neues Selbstvertrauen zu vermitteln. Das macht sie mit Kunst und Theater. Wenn sie in Kieler Stadtteilen wie Mettenhof, Gaarden oder Wellingdorf mit Jugendlichen zu Themen wie Komasaufen, Gewalt und Zivilcourage oder Migration arbeitet, dann steht am Anfang kein fertiges Theaterstück, das die Jugendlichen „nur noch“ auswendig lernen und darstellen, sondern eher ein Konzept zu einer Idee, vielleicht ein kleines Theaterstück, über das die Teilnehmer dann arbeiten. Solche Projekte sind Wundertüten: Niemand weiß, was genau am Ende entsteht. Auch die Darsteller nicht unbedingt. Denn Kati Luzie Stüdemann gelingt es, fast verborgene Facetten ihrer Darsteller zu entdecken und freizulegen, sodass sie plötzlich eine Rolle im Stück spielen. Menschen auf diese Weise sehen zu können, sei eine Gabe von ihr, sagt Kati Luzie Stüdemann. „Darum will ich normalerweise auch vorher überhaupt nichts über die Teilnehmer wissen. Und manchmal ist es ganz erstaunlich, welche Seiten die Jugendlichen plötzlich von sich zeigen.“ Während die Schauspielerin in den Anfangsjahren von „Kiel CREARtiv“ vor allem offene Projekte mit Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren angeboten hat, arbeitet sie aktuell eher mit Grundschulklassen. Mit dabei ist die bildende Künstlerin Deborah Di Meglio, die mit den Kindern bildnerisch zum Projektthema arbeitet. Die Ergebnisse fließen dann in die Aufführung am Ende der Projektwoche ein. Vorbild für die Arbeit von „Kiel CREARtiv“ ist die argentinische Stiftung „Crear Vale La Pena“, die Jugendlichen aus den Slums von Buenos Aires durch künstlerisches Arbeiten neue Perspektiven schafft. Die Stiftung lernte Kati Luzie Stüdemann während ihrer Zeit beim Kieler Werftparktheater kennen, wo sie von 2000 bis 2006 spielte.

Lebendig wirkt sie, voller Energie und neugierig. Schon mit neun Jahren wusste Kati Luzie Stüdemann, dass sie Schauspielerin werden wollte. Doch damals in der DDR musste sie davor zunächst eine Lehre machen. Als die fertig war, kam die Wiedervereinigung. Dann waren erst einmal andere Sachen wichtiger. In dieser Zeit des Ausprobierens und Entdeckens war sie auch Hausbesetzerin in Berlin und gründete dort in einem alten Wachturm das „Museum für verbotene Kunst“. In Hamburg war sie kurz auch Fitnesstrainerin. Doch von 1994 bis 1997 folgte dann doch noch die Schauspielausbildung. Danach fand sie im Kieler Werftparktheater eine künstlerische Basis.

Dass die Bundesverdienstkreuze im Schloss Bellevue vom Bundespräsidenten persönlich überreicht werden, ist nicht selbstverständlich. Oft übernehmen das die Ministerpräsidenten der Länder. Aber am 2. Oktober war eine dieser besonderen Ordensverleihungen. Insgesamt erhielten an diesem Tag 25 Menschen unter dem Motto „Mut zur Zukunft: Grenzen überwinden“ einen Orden in Berlin. Darunter viele, die vor 30 Jahren Anteil am Fall der deutsch-deutschen Grenze hatten, zum Beispiel Rainer Eppelmann. Auch Udo Lindenberg bekam an diesem Tag ein Bundesverdienstkreuz, ebenso der Liedermacher Stephan Krawczyk und „Astro Alex“: der Astronaut Dr. Alexander Gerster. „Der sprach mich an und sagte, dass er toll findet, was ich mache. Und ich sagte: Ja, aber Sie! Sie sind Astronaut!“, erzählt Kati Luzie Stüdemann. Die Häppchen beim Empfang auf Schloss Bellevue waren übrigens sensationell.

Für Kati Luzie Stüdemann ist das Bundesverdienstkreuz eine Bestätigung und eine Ermutigung weiterzumachen. Sie sagt: „Ich möchte mit meiner Arbeit etwas anstoßen und die Gesellschaft verändern. Ich möchte Zukunft schaffen.“kst

Informationen zum Verein „Kiel CREARtiv“: Tel. 0431/5603719, www.kielcreartiv.de