Die Identität in der Fremde

Literaturhaus: Auch im laufenden Jahr wird das Literaturhaus am Schwanenweg in Kiel wieder ein Ort sein, an dem Literaturfreunde neue Bücher direkt von den Autoren vorgestellt bekommen. Foto: kstLiteraturhaus: Auch im laufenden Jahr wird das Literaturhaus am Schwanenweg in Kiel wieder ein Ort sein, an dem Literaturfreunde neue Bücher direkt von den Autoren vorgestellt bekommen. Foto: kst

Literaturhaus S-H stellt das Programm für die erste Jahreshälfte

Kiel. Mit Feridun Zaimoglus Identität, Heimat und Integration ausleuchtenden Texten in „Ich gehe durch das Deutschland meiner Tage“ schloss das Lesungsjahr 2018 im Literaturhaus Schleswig-Holstein. Um „Fremdheit“ und das Eigene geht es zu Beginn des neuen Lesungsjahres. Am morgigen Donnerstag, 17. Januar, stellt der Kulturbeauftragte der EKD, Johann Hinrich Claussen, seinen Beitrag für das neue Kursbuch „Religion, zum Teufel“ vor und spricht mit dem Zuwanderungsbeauftragen des Landes, Stefan Schmidt, über seine Thesen.

Ein mehr philosophischer Blick auf die Gegenwart und für den Umgang mit dem Fremden eröffnet sich bei Wilhelm Schmid am kommenden Montag, 21. Januar, der mit seinen Gedanken zur „Selbstfreundschaft“ anregen will, zu einer besseren Wahrnehmung von sich selbst zu kommen, ohne in den heute gängigen Selbstkult abzudriften. Und der Philosoph Peter Neumann präsentiert einen Tag später mit „Jena 1800 – Die Republik der freien Geister“ am historischen Modell ein Verständnis von Freiheit und Wirklichkeit, wie es bis heute prägend ist, aber in den hitzigen Debatten verloren geht.

Migration und Integration laufen in den Essays als Schlagworte im Hintergrund immer mit. Im Lebensweg und literarischen Werk des Liliencron-Dozenten 2019 José F.A. Oliver ist beides reales Erfahren und Ausgangspunkt der Arbeit an der Sprache. Als Sohn andalusischer Einwanderer lebt und arbeitet er in Hausach im Schwarzwald. Vom 28. bis 30. Januar ist er im Literaturhaus zu Gast.

Nino Haratischwili, selbst aus Georgien nach Deutschland gekommen, erzählt in ihrem neuen Roman „Die Katze und der General“ – und am 8. Februar im Literaturhaus – vom russischen Oligarchen Alexander Orlow, der sich nach dem Tschetschenienkrieg in Berlin ein neues Leben aufgebaut hat und nun die Zeit für eine Abrechnung gekommen sieht. Żanna Słoniowska, nach Polen übergesiedelte Ukrainerin, geht für ihren ersten Roman „Das Licht der Frauen“ in die Heimat zurück und erzählt anhand von vier Frauen von unterschiedlichen Lebensmodellen – am 28. Februar auch in Kiel. Und Ursula Krechel nimmt sich in ihrem neuen Roman „Geisterbahn“, der die Geschichte einer Sinti-Familie im Deutschland des 20. Jahrhunderts erzählt, einer aus Sicht der Mitbürger fast archetypisch zum Misslingen verurteilten Integration „Fremder“ an – zu hören am 18. Februar.

Als vierte das Februarprogramm prägende Schriftstellerin kommt am 12. Februar noch Carmen Korn hinzu. Auch sie erzählt mit der Geschichte vierer Freundinnen ein ganzes Jahrhundert, hat als Ort jedoch Hamburg gewählt.

Am Vorabend des weltweiten Frauentags sind Aminata Touré und Karla Paul am 7. März zu Gast im Literaturhaus. Aminata Touré ist Landtagsabgeordnete für Schleswig-Holstein, in der Landtagsfraktion ist sie Sprecherin für Flucht und Migration, Frauenpolitik und Gleichstellung.

Karla Paul ist ehemalige Redaktionsleiterin für das größte deutschsprachige Literaturnetzwerk Lovelybooks, im Jahr 2014 war sie unter den „25 Frauen für die digitale Zukunft der Edition F“.

Mit Susanne Fritz‘ „Wie kommt der Krieg ins Kind“ geht der Blick am 8. April in eine deutsch-polnische Familiengeschichte. Die Autorin erzählt von der Suche nach den Spuren der Mutter in Polen vor deren Übersiedelung nach Deutschland und gerät auf die Spur des Schicksals der ganzen Familie über Generationen und der komplizierten deutsch-polnischen Geschichte über zwei Weltkriege hinweg.

Die Prager Schriftstellerin Radka Denemarkova stellt am 11. April ihren Roman „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“ vor, der sich mit dem Fund eines Archivs mit Akten und Augenzeugenberichten, die vom Zweiten Weltkrieg bis heute Tausende von Fällen von gegen Frauen verübte Gewalt dokumentieren, zu einer Geschichte der Gewalt gegen Frauen auswächst.

Literaturhausbesucher müssen im Frühjahr aber nicht ganz auf männliche Protagonisten verzichten. Neben den fünf im Januar gastierenden Autoren ist am 19. März der französische Autor Jérôme Leroy mit seinem neuen Roman „Die Verdunkelten“ im Programm.

Im Juli ist bei der traditionellen italienischen Lesung „Leggiio 9“ Matteo Cellini zu Gast, der am 3. Juli seinen neuen Roman „I segreti delle nuvole“ gemeinsam mit der Kieler Romanistin Dr. Franchesca Bravi im Literaturhaus vorstellen wird. International wird es dann vom 2. bis 5. Mai beim 17. „Europäischen Festivals des Debütromans“ mit einem ganzen Strauß europäischer Sprachen und Literaturen. Und Norwegen – als diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse – wird auch beim Literatursommer eine Rolle spielen.

Literaturhaus SH, Schwanenweg 13, Kiel. Weitere Informationen und das ausführliche Programm im Internet unter www.literaturhaus-sh.de