„Deine Anne“ in St. Nikolai

Auf Augenhöhe begleiten die 15-jährige Vela und der 18-jährige Niklas als "Peer Guides" jugendliche Besuchergruppen durch die Ausstellung "Deine Anne" in der Kieler Nikolaikirche. „Was können wir aus der Vergangenheit lernen?“ fragt die Ausstellung, die noch bis 25. September in der Nikolaikirche in Kiel zu sehen ist. Foto: kst

Junge Peer-Guides begleiten Jugendgruppen durch Anne-Frank-Ausstellung

Kiel. Noch bis zum 25. September ist in der Kieler St.-Nikolai-Kirche am Alten Markt die Wanderausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ zu sehen, die auf Initiative des Landesbeauftragten für politische Bildung und der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein nach Kiel kommt. Zentrales Element der Ausstellung ist das Peer-Guide-Konzept, in dem Jugendliche Schulklassen und Jugendgruppen durch die Ausstellung begleiten. Zu diesen Guides gehören die 15-jährige Vela und der 18-jährige Niklas. Beide wurden von Lehrern ihrer Schulen auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, als Peer-Guides andere Jugendliche auf Augenhöhe durch die Ausstellung zu begleiten. Beide hatten sich schon vorher für die Zeit der Naziherrschaft in Deutschland interessiert, und beiden ist es wichtig, dass die Geschehnisse von damals nicht in Vergessenheit geraten. Im Rahmen einer zweitägigen Schulung in Kiel durch das Berliner Anne-Frank-Zentrum haben sie und die anderen 14 Peer-Guides noch mehr zur Nazi-Zeit und zu Anne Frank erfahren und auch ein paar Möglichkeiten gelernt, das Eis zu brechen, um mit den jugendlichen Teilnehmern der Besuchergruppen ins Gespräch zu kommen. „Wir machen keine Führung, sondern eine Begleitung. Es geht uns darum, eben nicht nur vorne zu stehen und stumpf etwas zu erzählen“, sagt Vela.

Die Ausstellung erzählt von Anne Franks Leben und ihrer Zeit. Fragen nach Identität, Gruppenzugehörigkeit und Diskriminierung werden aufgegriffen und lassen Bezüge zu den Erfahrungswelten heutiger Jugendlicher herstellen. Damit ist die Ausstellung nicht nur in die Vergangenheit gerichtet, sondern fragt auch nach aktuellen Entwicklungen und regt an, darüber nachzudenken, was das für die Zukunft bedeuten sollte.

Das Tagebuch der Anne Frank, einem jüdischen Mädchen, das sich in Amsterdam mit ihrer Familie vor den Nazis versteckte und nach ihrer Entdeckung im Konzentrationslager Bergen-Belsen umkam, steht symbolisch für den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden. Das Tagebuch der Anne Frank erschien 1947 unter dem Titel „Het Achterhuis“, niederländisch für „das Hinterhaus“, in den Niederlanden, nachdem ihre Helferin Miep Gies dieses gefunden und Annes Vater Otto, der als einziger aus der Familie den Holocaust überlebt hat, gegeben hatte. 1950 wurde die deutsche Übersetzung veröffentlicht. Bis heute wurde das Tagebuch des Teenagers in 70 Sprachen übersetzt.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm unter anderem mit einem Gottesdienst zu Mut und Menschlichkeit am morgigen Sonntag, 1. September, ab 10 Uhr in der Nikolaikirche, einem Konzert mit Kantor Joni Rose, ebenfalls morgen um 15 Uhr in der jüdischen Gemeinde, Wikingerstraße 6, und dem Klavierabend „Zwischen Schwermut und Sehnsucht“ mit Werken jüdischer Komponisten am Dienstag, 3. September, ab 19.30 Uhr in der Landesbibliothek, Wall 47-51 in Kiel. Am Mittwoch, 11. September, ab 18 Uhr, liest Norbert Aust in der jüdischen Gemeinde aus dem Prager Tagebuch von Petr Ginz.

Weitere Infos und alle weiteren Termine des Begleitprogramms sind im Internet unter www.politische-bildung.de/annefrank zu finden. Schulklassen können sich für Führungen mit den Peer-Guides per E-Mail an info@akjs-sh.de anmelden. kst