Davon sollte es mehr geben Das Frauen-Hilfe-Angebot Luna ist landesweit einzigartig

Von Frauen für Frauen: Christine Karrasch, Kirsten König und Andrea Bettin (v.li.) helfen in der Luna Wohngruppe und bei Luna Ambulant Frauen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen dabei, ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Foto: Kae

Kiel. Seit stolzen 25 Jahren gibt es in Kiel ein Angebot von Frauen für Frauen, das in ganz Schleswig-Holstein einzigartig ist: „Luna“ – die sozialtherapeutische Wohngruppe für Frauen mit Ess- und Persönlichkeitsstörungen. Hier finden Frauen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen Hilfe und werden auf ein selbständiges Leben vorbereitet.

„Luna bedeutet für mich eine unersetzbare Unterstützung in Richtung gesundes, selbstbestimmtes Leben“, beschreibt eine Klientin den Stellenwert, den „Luna“ in ihrem Leben einnimmt. So wie ihr geht es vielen Frauen, denen in den vergangenen 25 Jahren in der Luna-Wohngruppe und seit 2004 von Luna Ambulant in der Kirchhofallee 29 geholfen wurde. „Die Frauen, die zu uns kommen, haben oft schon einen langen Leidensweg mit vielen verschiedenen Behandlungen und Klinikaufenthalten hinter sich und fühlen sich gesellschaftlich isoliert. Wir versuchen, sie im Alltag zu entlasten, zu begleiten und sie darin zu stärken, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und durchzusetzen“, erklärt Psychologin Andrea Bettin, die in der Wohngruppe arbeitet.

Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Christine Karrasch und Katharina Palkowski betreut sie in der teilstationären Luna-Wohngruppe in Hassee sieben Frauen ab 18 Jahren. Von Montag bis Freitag sind die Luna-Mitarbeiterinnen acht Stunden pro Tag in der WG vor Ort. Dort kochen, essen oder putzen sie gemeinsam mit den Bewohnerinnen, helfen bei Behördengängen, begleiten die Klientinnen zum Sport und unterstützen sie bei der Bewältigung des Alltags, wo immer es nötig ist. Daneben gibt es feste Angebote, die für die Frauen verpflichtend sind wie die Ernährungsgruppe, die Wochenendbesprechung aber auch das Frühstück und das Mittagessen. Abends und an den Wochenenden sind die Bewohnerinnen auf sich allein gestellt, müssen lernen, selbständig ihren Alltag auf die Reihe zu bekommen.

Als Luna 1994 von Elsabea Zoch gegründet wurde, gab es solch ein Angebot weder in Kiel noch anderswo in Schleswig-Holstein. „Frauen mit Essstörungen wurden damals in Kliniken behandelt und danach wieder nach Hause geschickt. Dort begannen die Probleme bald wieder von vorne“, erzählt Kirsten König, die für Luna Ambulant arbeitet und erklärt weiter: „Die Essstörung ist meist nur ein Symptom für tieferliegende Krankheitsbilder wie Traumata, Persönlichkeitsstörungen oder Depressionen. Sie führt oft erst zur Hilfe hin. Was vorher gelaufen ist, sieht erstmal keiner.“

Mit der ersten Luna-Wohngruppe in der Kloppstockstraße konnte Elsabea Zoch damals diese Versorgungslücke schließen. Geholfen hat ihr dabei der Verein zur Förderung des Gesundheitswesens (VFG), der Luna seit 25 Jahren als Träger unter seinem Dach beherbergt. Finanziert wird das Angebot von der Stadt Kiel im Rahmen der Eingliederungshilfe.

Auch nach 25 Jahren ist die teilstationäre Luna-Wohngruppe immer noch das einzige Angebot seiner Art in Schleswig-Holstein. Und für die sieben Plätze gibt es pro Jahr rund 100 Bewerbungen. Deshalb würde Luna gerne weiter wachsen. Doch dazu müssen Kirsten König, Andrea Bettin, Christine Karrasch und ihre Kolleginnen erst noch einige große Hürden wie die Finanzierung, die Suche nach einem größeren Haus und die Umsetzung der Anforderungen, die das neue Bundesteilhabegesetz ab 2020 an soziale Einrichtungen stellt, meistern. Kae

Informationen zur teilstationären Luna-Wohngruppe gibt es unter Tel. 0431/683131 oder im Internet unter www.luna-wg.de und zu Luna Ambulant unter Tel. 0431/6004930 oder unter www.luna-ambulant.de