Das grüne Herz der Uni Kiel

Die Strelitzie (links), auch als Pradiesvogelblume bekannt, stammt ursprünglich aus Südafrika. Foto: Marie-Kristin Kielhorn

Botanischer Garten feiert 350-jähriges Jubiläum mit buntem Festprogramm

Kiel. Der Botanische Garten an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel feiert Jubiläum – und was für eins! Vor 350 Jahren von Johann Daniel Major, Professor für theoretische Medizin und Botanik, im damaligen Schlossgarten als Lehrgarten angelegt, hat er seitdem viel von der Landeshauptstadt gesehen. Nach fünf Umzügen innerhalb des Stadtgebiets hat der Hortus Botanicus in der Leibnizstraße schließlich seine Heimat gefunden und präsentiert dort seit 1985 auf rund acht Hektar Fläche 14.000 verschiedene Pflanzenarten.

Ein Jubiläumsjahr ist eine gute Möglichkeit, sich einmal vor Augen zu halten, was der Botanische Garten alles kann. Mit sieben Schau- und Anzuchtgewächshäusern, die Pflanzenarten aus aller Welt beherbergen, trägt er dazu bei, die Artenvielfalt zu erhalten und dem Aussterben entgegenzuwirken. Gemeinsam mit anderen Botanischen Gärten in aller Welt konnte so bereits ein Drittel der bedrohten Arten kultiviert werden. Der Garten liefert als Ort der Lehre nicht nur Pflanzenmaterial für die Studierenden der Biologie und Agrar- und Ernährungswissenschaften, sondern ist auch ein Ausbildungsbetrieb. Eine Ausbildung zum Gärtner im Zierpflanzenbau oder Praktika in verschiedenen Bereichen – das alles ist dort möglich. Er ist aber auch ein wichtiger Baustein der Wissenschaft: Messungen und Seminare finden direkt vor Ort statt, und das Herbarium enthält beispielsweise 100.000 Belege aus 250 Jahren, die wichtige Dokumente der modernen biologischen Forschung sind und Rückschlüsse zu Lebensräumen und Klimaveränderungen geben.

Der Garten selbst ist geographisch nach Regionen angelegt und beherbergt Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen. Von Haus zu Haus ändert sich das Klima: Im Tropenhaus ist es feucht und warm – hier wachsen Bambus, Lianen und Bananen. Noch etwas feuchter ist die Luft im Victoriahaus. Hier lebt die namensgebende und größte Seerose der Welt. Im Wüstenhaus Amerikas ist die 600 Arten umfassende Kakteen-Sammlung zu Hause, und im Wüstenhaus Afrikas steht beispielsweise die Welwitschie: Sie kann 3000 Jahre alt werden und besitzt nur ein einziges Blattpaar.

Um das große Jubiläum gebührend zu feiern, wurde ein umfangreiches Festprogramm mit rund 50 Terminen zusammengestellt, der den Besuchern einen spannenden Einblick in die Vielfalt des Gartens geben soll. Neben Lesungen und Vorträgen wird es das ganze Jahr hindurch auch Lehrwanderungen, Abendführungen und Gartenseminare geben, bei denen die Besucher selbst mit anpacken und sich von den Profis Tipps und Tricks mit auf den Weg geben lassen können.

Beim Gartenseminar am kommenden Sonnabend, 26. Januar, geht es beispielsweise um die praktische Vermehrung von Stauden. Reviergärtnerin Sylvie Boosen zeigt von 14 bis 16 Uhr verschiedene Methoden zum Anfertigen oder Teilen von Stecklingen und Risslingen. Eine Anmeldung ist unter Tel. 0431/880-4276 oder -6789 möglich. Zwei Tage später, am 28. Januar, geht es mit einem Vortrag weiter: „Von heiklen Brüdern und zickigen Schwestern“. Gartenbautechniker Christian Kreß aus Österreich nimmt die Besucher im Hörsaal E 60 im Biologiezentrum mit auf einen Streifzug durch das Staudensortiment, beleuchtet ungebräuchliche und seltene Pflanzen und erklärt, wie diese auch im heimischen Garten wachsen und gedeihen können.

Am 20. März kommt Dr. Hartwig Schepker vom Rhododendronpark Bremen für einen Vortrag nach Kiel und zeigt, wie Rhododendren mit anderen Pflanzen kombiniert werden können, ohne die wichtigsten Boden- und klimatischen Bedingungen aus den Augen zu verlieren.

Im Herbst macht sich Dr. Michael Schwerdtfeger vom Botanischen Garten Göttingen auf den Weg in den hohen Norden und hat neben seiner Leidenschaft für den tropischen Regenwald auch ein spannendes Thema mit im Gepäck: die Jagua-Tinte. Seit Urzeiten von vielen Völkern von Costa Rica bis Brasilien und Bolivien genutzt, kann der Saft der Jagua-Frucht auf der Haut ein blauschwarzes „Tattoo“ erzeugen, das mit nichts abzubekommen ist, bis es nach 14 Tagen von selbst wieder verschwindet.

Das Festprogramm, Möglichkeiten zur Anmeldung und viele weitere spannende Details zum Hortus Botanicus gibt es auch im Internet unter www.botanischer-garten.uni-kiel.de