30 Jahre für starke Mädchen

Seit 30 Jahren setzt sich Michaela Peschel im Autonomen Mädchenhaus für das Wohlergehen junger Mädchen ein. Foto: Katja Schweckendiek

Das Autonome Mädchenhaus Kiel wurde 1989 gegründet

Kiel. Die Eltern stressen, in der Schule gibt es Ärger, und dann ist da noch der Freund, der manchmal einfach zuschlägt: Mädchen zwischen etwa 13 und 21 Jahren, die bei Problemen nicht mehr weiterwissen, bekommen seit 30 Jahren im Autonomen Mädchenhaus Hilfe – persönlich, vertraulich und auf Wunsch auch anonym. Seit 1989 sind Michaela Peschel und ihr Team für die jungen Frauen da, beraten, vermitteln, setzen sich ein. Vielen Mädchen konnten sie helfen, schwere Zeiten zu überstehen und sogar manchmal ein ganz neues Leben zu beginnen. Ein Grund, am 25. Oktober das 30-jährige Bestehen des Mädchenhauses zu feiern, ein Grund aber auch um weiterzumachen.

Einfach waren die vergangenen Jahre nicht immer. „Wir hatten häufig große Sorgen wegen der Finanzierung des Mädchenhauses, und es gab viele Aufs und Abs bei politischen Entscheidungen“, erinnert sich Michaela Peschel. Sie ist eine der Frauen der ersten Stunde. Gemeinsam mit mehreren Mitstreiterinnen gründete sie zunächst 1988 eine Initiativgruppe und eröffnete 1989 dann das Autonome Mädchenhaus mit seiner ersten Anlauf- und Beratungsstelle in Gaarden. Als Träger ihrer Einrichtung konnten Peschel und ihr Team „Lotta“ gewinnen, einen Verein, der sich seit 35 Jahren für die Förderung feministischer Mädchen- und Frauenarbeit einsetzt.

Zur Beratungsstelle kamen 1992 die Zufluchtsstätte, die an einem anonymen Ort in Kiel Mädchen und jungen Frauen Schutz- und Krisenunterbringung rund um die Uhr anbietet, und 2005 die Wohngruppe sowie die Flexiblen Hilfen dazu. 1997 zog die Anlauf- und Beratungsstelle von Gaarden in die Holtenauer Straße 127, wo die Räume mit dem großen Schaufenster zur Straße hin auch heute noch zu finden sind. Hierher können die Mädchen mit ihren Problemen kommen, seien es „kleinere Sachen“, wie Streitigkeiten mit den Eltern, Ärger in der Schule, Liebeskummer oder aber auch, wenn sie sich in einer schlimmen Notlage befinden, von psychischer, körperlicher oder sexualisierter Gewalt bedroht oder sogar betroffen sind, Schutz suchen oder ihre bisherige Wohnsituation verlassen wollen oder müssen. „Wir wollen für die Mädchen da sein und wollen sie stärken“, so Michaela Peschel.

Seit 2007 ist für das Autonome Mädchenhaus eine ruhigere Zeit angebrochen. „Die Gelder sind immer noch knapp, aber die Finanzierung seitens der Stadt Kiel und des Landes Schleswig-Holstein steht auf stabilen Füßen“, erklärt die Sozialpädagogin. Alles andere als ruhig geht es jedoch immer noch im Leben vieler Mädchen zu: „Gewalt gegen junge Frauen gibt es weiterhin, und es ist vielen immer noch peinlich, darüber zu sprechen.“ Verändert haben sich in all den Jahren allerdings die Mädchen selbst. „Sie sind gewaltbereiter geworden, explodieren häufiger, es gibt mehr Konflikte rund um die sozialen Medien“, erzählt Michaela Peschel.

Sie selbst hat 1989 nicht geglaubt, dass ihr Projekt 30 Jahre lang Bestand haben würde. „Wir sind stolz, dass es uns immer noch gibt“, sagt sie und freut sich auf die große Feier zum Geburtstag, die am Freitag, 25. Oktober, zunächst im Musiculum und danach in den Räumen des Mädchenhauses steigen wird.

Geburtstag mit viel Programm

Am Freitag, 25. Oktober, beginnt um 10 Uhr die Feier zum 30-jährigen Geburtstag des Autonomen Mädchenhauses im Musiculum, Stephan-Heinzel-Straße 9 in Kiel. Dort gibt es neben Grußworten und Reden Musik von der Band „Rosalie mag Hip Hop“ sowie Poetry von Anneke Schwarck. Gezeigt wird dort auch die Ausstellung „Unentbehrlich – 30 Alltagsdinge aus dem Mädchenhaus erzählen ihre Geschichte“. Nachdem dieser Teil der Veranstaltung um 13 Uhr endet, wird ab 16.30 Uhr in der Anlauf- und Beratungsstelle des Autonomen Mädchenhauses, Holtenauer Straße 127 in Kiel bis zum Abend weitergefeiert. Bei Musik, Tanz, Jonglage und Feuershow, Mitmachaktionen und Buffet kann jeder vorbeikommen.

Die Anlauf- und Beratungsstelle des Autonomen Mädchenhauses ist montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr unter Tel. 0431/8058881 zu erreichen. In der Zufluchtsstätte erhalten Mädchen und junge Frauen jederzeit unter Tel. 0431/642069 Hilfe, wenn es zu Hause nicht mehr geht. www.maedchenhaus-kiel.de kae