Kiel trauert um Günther Bantzer

Vor vier Jahren konnte Günther Bantzer noch bei guter Gesundheit das 50-jährige Jubiläum seines Amtsantritts feiern. Foto: Volker Rebehn

Kiels ehemaliger Oberbürgermeister starb mit 98 Jahren

Kiel. Die Landeshauptstadt Kiel trauert um ihren ehemaligen Oberbürgermeister Günther Bantzer. Er starb am Mittwoch, 16. Oktober, im Alter von 98 Jahren. Der am 1. September 1921 in Dresden geborene SPD-Politiker stand von 1965 bis 1980 an der Spitze der Kieler Stadtverwaltung.

„Günther Bantzer war 15 Jahre lang Oberbürgermeister und hatte als solcher die längste zusammenhängende Amtszeit des vergangenen Jahrhunderts. Er hat sehr viel für Kiel bewegt“, erklärten Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. „Ob die Gestaltung der olympischen Segelwettbewerbe 1972 in Kiel, die Weiterentwicklung der Kieler Woche durch die Spiellinie oder sein Wirken als Präsident des Deutschen Städtetages – Günther Bantzer hat die Stadt nachhaltig vorangebracht. Noch immer profitieren die Kielerinnen und Kieler von seinen Innovationen, seinen Taten und seiner Überzeugungskraft. Wir verlieren mit ihm einen bürgernahen Politiker, einen unermüdlichen Kämpfer für Frieden und freundschaftliche Zusammenarbeit und einen kreativen Menschen, dem Kiel sehr viel zu verdanken hat.“

Günther Bantzer bemühte sich bereits zu einer Zeit um eine konstruktive Entspannungspolitik und freundschaftliche Beziehungen zu den skandinavischen Ländern und den osteuropäischen Ostseeanrainerstaaten, als man in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn noch weit davon entfernt war. Er legte die Grundlagen für die später geschlossene Städtepartnerschaft mit Gdynia in Polen und der estnischen Hauptstadt Tallinn. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zur Friedensarbeit im Ostseeraum.

Die olympischen Segelwettbewerbe während der Olympischen Spiele 1972 in München hatte Banzer nach Kiel geholt und damit in Kiel auch rege Bautätigkeit ausgelöst. Unter anderem entstanden das Olympiazentrum in Schilksee, die neue „Olympia-Brücke“ über den Nord-Ostsee-Kanal und die Kiellinie, im Kieler Opernhaus wurden die letzten kriegsbedingten Einschränkungen beseitigt und der Alte Markt an der Nikolaikirche zur Fußgängerzone umgestaltet. Außerdem erhielt Kiel eine Autobahnanbindung.

Die Kieler Woche prägte er entscheidend mit. Er regte an, die Bevölkerung durch Volks- und Stadtteilfeste einzubinden, gründete den Kieler-Woche-Kongress und entwickelte die Spiellinie.

Ein menschliches Kiel zu gestalten – das war Günther Bantzer stets ein ganz besonderes Anliegen. Er hatte eine enge Verbindung zum Kieler Ostufer, setzte sich für lokale Projekte in benachteiligten Stadtteilen ein und eröffnete 1978 das Kultur- und Stadtteilzentrum „Räucherei Gaarden“.

Ein großes Anliegen war ihm die rechtliche Verselbständigung der Stadtwerke und die Gründung der Versorgung und Verkehr Kiel (VVK). Daraus erwuchsen der Stadt erhebliche finanzielle Vorteile.

Von 1968 bis 1980 war Bantzer Mitglied im Präsidium des Deutschen Städtetages und ab Juni 1979 dessen Präsident.

Unter seinen Mitarbeitern galt Günther Bantzer als jederzeit informiert, zuverlässig, fleißig – ein Macher, auch den unterhaltsameren Seiten seines Amtes nicht abgeneigt, die ihn aber nie die Übersicht und das Ziel aus dem Blick verlieren ließen. 1974 hatte er sein Debüt als Sänger: Er nahm eine Schallplatte mit den Liedern „Asmus Bremer aus Ellerbek“ und „Die Kieler Bucht“ auf.