Kirche im Schäferwagen

Noch steht sie im Kalten, aber im kommenden Jahr wird die Schäferwagenkirche am Eckernförder Strand stehen. Foto: Helge ButtkereitNoch steht sie im Kalten, aber die Schäferwagenkirche wird im kommenden Jahr am Eckernförder Strand stehen.

Am Eckernförder Strand wird es im kommenden Sommer ein neues Projekt geben

Eckernförde. Zwei große Holzräder an einer Deichsel, Treppe, Holzfenster und ein Kreuz auf dem Dach: Noch ist die Schäferwagenkirche nicht fertig, aber ein fünf mal zwei Meter großer Wagen auf dem Eckernförder Weihnachtsmarkt gab schon mal eine Ahnung davon, wie das Sommerprojekt aussehen wird. Zehn Tage lang stand der Schäferwagen dort und warb für die mobile Kirche im Eckernförder Sand.

„Die Schäferwagenkirche soll in der Saison auf dem Strand stehen und Veranstaltungsort sein, aber auch Schutzraum“, sagt Tourismuspastorin Brigitte Gottuk. Ihr Blick fällt durch die Klönschnack-Tür nach draußen. Der obere Teil steht offen, dahinter zeigt sich die Stadt an diesem Tag in bestem Schmuddelwetter. Das Programm auf dem Weihnachtsmarkt hat gezeigt, wie vielfältig sich ein solcher Ort nutzen lässt. Und nebenbei wurde auch für die Schäferwagenkirche geworben, um Menschen zu finden, die das Projekt mit ihrer Zeit oder ihrer Spende unterstützen. Begleitet wird das Projekt auch von Gabriele Lüttmer, Fundraiserin im Kirchenkreis. „Wenn so viele Leute schon begeistert sind, bevor der Wagen überhaupt steht, wird meine Aufgabe fast zum Friendraising.“

Auch Eckernfördes Propst Sönke Funck war von Anfang an begeistert: „Die Idee der Tourismuskirche ist ja, dass Menschen gerade im Urlaub freier sind vom Alltäglichen, dass sie auf andere Gedanken kommen, was sie bewegt und wie sie leben wollen. Das trifft den Kern pastoraler Arbeit. Also müssen wir als Kirche dorthin kommen, wo die Urlauber sind: an den Strand – und das auch gerne weithin sichtbar mit einem solchen Wagen.“ Gottuk ergänzt: „Natürlich ist das Angebot zugleich auch für uns Einheimische. Auch Taufen und Hochzeiten sollen hier stattfinden. Wir haben sogar schon die erste Anfrage: Die Eltern wollten ihre Zwillinge eigentlich dieses Jahr taufen lassen, aber als sie von der Schäferwagenkirche gehört haben, waren sie so begeistert, dass sie die Taufe auf 2019 verschoben haben.“

Für Stefan Borgmann spielen hier Stadt, Strand und Kirche, Einheimische und Urlauber perfekt zusammen. „Als wir von dem Vorhaben hörten, haben wir sofort gesagt: Das unterstützen wir, wo wir können.“ So wird die Stadt unter anderem für den Transport und das Einlagern des Wagens im Winter sorgen. Und statt eines Trampolins will der Leiter der Eckernförder Touristik „mehr Qualität am Strand. Das Angebot der Tourismuskirche bietet genau dies.“

Dass eine solche Schäferwagenkirche nicht von der Stange kommt, ist allen Beteiligten klar. Die Tischler von Anton Kraack werden etwa vier Wochen für den Bau benötigen. Der Inhaber der Schäferwagen Manufaktur in Oersberg bei Kappeln hat die Bauweise norwegischer Holzhäuser zum Vorbild genommen, In den vergangenen Jahren hat er 80 solcher Wagen gefertigt – aber eine Schäferwagenkirche war noch nicht darunter. „Unseres Wissens ist das Projekt deutschlandweit einzigartig.“

Auf dem Eckernförder Weihnachtsmarkt haben Brigitte Gottuk und ihr Team den Leih-Schäferwagen also präsentiert. Immer zur vollen Stunde fanden ganz unterschiedliche Aktionen statt: vom Basteln bis zur Fotoaktion mit großen Krippenfiguren, von der Vorlesegeschichte bis zum gemeinsamen Nachsinnen über das kommende Jahr. Und am Ende hat vielleicht bereits der Eine oder die Andere darüber nachgedacht, selber im Sommer das Sonnensegel vor dem dann holzgewordenen Projekt aufzuspannen und Strandkindern etwas vorzulesen.

Mehr Infos zum Projekt auf der Internetseite des Kirchenkreises unter www.kkre.de/tourismuskirche.html