Der Blockbuster von der Förde

Im Vorführraum des Kinos in der Pumpe: Kinoleiter Eckhard Pabst kann sich schon längst über einen Zuschauerrekord freuen, auch wenn der Film noch wochenlang läuft. Foto: kst

„Ich habe Kiel zu erzählen“ läuft noch den ganzen Februar im Kino in der Pumpe

Kiel. „So etwas hat es in 40 Jahren Kino in der Pumpe noch nicht gegeben“, sagt Eckhard Pabst, Leiter des Kinos im Kieler Kultur- und Kommunikationszentrum Pumpe. Der Film „Ich habe Kiel zu erzählen“ von Gerald Grote und Oliver Boczek hat schon längst viel mehr Besucher in das Kino gezogen als irgendein anderer Film seit dessen Gründung. Im Januar lief der Film bereits, jetzt wird er den ganzen Februar über fast täglich gezeigt. Normalerweise hat das Kino in der Pumpe seine Filme nur wenige Tage im Programm, längstenfalls bisher drei Wochen.

Zentrale Elemente in „Ich habe Kiel zu erzählen“ sind Schmalfilmaufnahmen des Kieler Zahnarztes Rudolf Schultz. Als sein Sohn Dieter 1936 geboren wurde, kaufte er sich eine Doppel-8-Kamera, um Dieters Heranwachsen zu filmen. Bis 1949 reicht das Material, das dabei entstanden ist. Gerald Grote und Oliver Boczek kombinierten es mit historischen Filmausschnitten und aktuellen Bildern von Dieter Schulz, wie er als heute 82-Jähriger von seinen Erinnerungen erzählt. Entstanden ist eine 42 Minuten lange liebevolle Mischung aus ganz persönlichen Familien- und Kriegserinnerungen und Kieler Stadtgeschichte. Als Eckhard Pabst von dem Projekt erfuhr, plante er es sofort mit insgesamt elf Vorführungen ein – viel zu wenig, wie sich schnell zeigte: Die meisten Vorstellungen waren schon vor Kassenöffnung per telefonischer Reservierung ausgebucht. „Wir mussten jeden Tag Leute vertrösten und nach Hause schicken. Auch Zusatztermine reichten nicht.“

Und auch die Vorstellung zur Wiederaufnahme am 1. Februar war gleich wieder ausverkauft. Als die schwarzweißen Bilder vom Sommerbetrieb im Seebad an der Förde über die Laienwand liefen, ging das erste wiedererkennende Raunen durch das überwiegend grauhaarige Publikum, weitere Kommentare zu Kieler Straßenszenen aus den 1930er-Jahren, zum Betrieb auf dem Wasser, zu den olympischen Spielen, auch zu den Hakenkreuzen, die damals überall im Stadtbild zu sehen waren. Und entzückte Ausrufe zu den Szenen mit Klein-Dieter, zum Beispiel, wenn der darum kämpft, genau wie sein älterer Bruder endlich Fahrrad fahren zu dürfen.

Am Ende Applaus. Gerald Grote und Oliver Boczek dankten dem Publikum „Wir wollten mal gucken, wie das wieder los geht. Mit so vielen Leuten hatten wir gar nicht gerechnet“, freute sich Oliver Boczek. Und dann kam auch noch der Protagonist des Films nach vorn und zeigte die Kamera vor, mit der sein Vater seine Aufnahmen machte. Dieter Schultz hat den Film schon mindestens fünf Mal gesehen. „Ich bin begeistert, dass er so gut ankommt und hoffe, dass es auch noch den Februar über so bleibt. Mir läuft es immer noch jedes Mal kalt den Rücken runter“, sagte Dieter Schultz.

Noch lange nach dem Ende des Films waren die Filmemacher und Dieter Schultz von Besuchern umringt, die ihnen gratulierten und Fragen stellten. Unter anderem, ob es den Film auch auf DVD geben wird. „Ja, voraussichtlich Ende Februar. In der Kieler Buchhandlung Erichsen und Nierenheim gibt es schon eine Vorbestell-Liste“, sagte Gerald Grote. Doch bis dahin ist „Ich habe Kiel zu erzählen“ noch bis Ende Februar im Kino in der Pumpe zu sehen. Mit Ausnahme der Sonnabende täglich um 17 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro. kst

Kino in der Pumpe, Haßstraße 22, Kiel. Anfragen per E-Mail an kino@diepumpe.de oder Tel. 0431/2007650.