Warum in den USA sogar Pferde in die Flugzeugkabine dürfen

In den USA dürfen so genannte „Emotional Support Animals“ sogar in der Kabine von Passagiermaschinen mitfliegen. Foto: Pixabay

Eine Regelung in den USA erlaubt an Bord von Flugzeugen Tiere, auf die behinderte oder psychisch kranke Reisende angewiesen sind. Das kann für ungewohnte Anblicke sorgen – etwa dann, wenn plötzlich ein Schwein in der Kabine ist. Airlines wittern massiven Missbrauch.

Das US-Verkehrsministerium veröffentlichte vor wenigen Tagen Richtlinien, die bekräftigen, dass Hunde, Katzen und auch Miniaturpferde auf inneramerikanischen Flügen unter bestimmten Bedingungen von Airlines in der Kabine mitgenommen werden müssen – und zwar kostenlos.

Die Regelung hat einen ernsten Hintergrund, wird aber nach Überzeugung von Fluggesellschaften zunehmend missbraucht. Zugelassen sind sogenannte „Service Animals“, auf die Menschen mit körperlichen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen angewiesen sind – zum Beispiel Blindenhunde. Auch speziell trainierte Miniaturpferde zählen nach einer Definition des Justizministeriums dazu, wobei sie viel seltener Verwendung finden als Assistenzhunde.

Eine Regelung des Verkehrsministeriums aus dem Jahr 2003 stellt klar, dass zu den „Service Animals“ auch Tiere gehören, die nicht für eine besondere Aufgabe ausgebildet sind: sogenannte „Emotional Support Animals“. Sie sollen ihre Besitzer, die beispielsweise unter Angstattacken oder Depressionen leiden, durch ihre reine Anwesenheit emotional stützen. Voraussetzung ist die Bescheinigung eines Arztes oder Psychologen.

Emotional Support Animals

Bei diesen „Emotional Support Animals“ wittern die Fluggesellschaften erheblichen Missbrauch. Sie haben den Verdacht, dass manche Haustierhalter ihre Lieblinge schlicht umdeklarieren lassen. Der Dachverband Airlines for America (A4A) kritisiert, dass falsche Bescheinigungen im Internet erhältlich seien und dass Passagiere die Regelung ausnutzten, um die Transportbedingungen der Fluggesellschaften zu umgehen.

Während die Fluggesellschaften für „Service Animals“ nichts berechnen dürfen, sieht es bei der regulären Mitnahme von Tieren anders aus: So fallen etwa bei der Fluggesellschaft United für Katzen, Hunde, Hasen oder Vögel in der Kabine 125 Dollar (110 Euro) pro Tier und Strecke an. A4A schätzt nach US-Medienberichten, dass 2016 rund 481.000 Emotional Support Animals auf US-Flügen unterwegs waren. 2017 es demnach schon 751.000. Vor wenigen Tagen teilte der Verband mit, im vergangenen Jahr hätten mehr als eine Million Passagiere Tiere zur emotionalen Unterstützung mit in den Flieger genommen.

Welche Arten zu den „Emotional Support Animals“ zählen, wurde 2003 nicht definiert – das sollte sich rächen. Das Verkehrsministerium legte damals nur fest, dass „unübliche Service Animals“, die ein Sicherheits- oder Gesundheitsrisiko darstellten, nicht transportiert werden müssen. Es müsse im Einzelfall entschieden werden – auch unter Berücksichtigung von Gewicht und Größe des Tieres.

Am häufigsten Hunde oder Katzen

Am häufigsten werden nach Angaben des Verkehrsministeriums Hunde oder Katzen zur „emotionalen Unterstützung“ an Bord gebracht. Immer wieder machen aber skurrile Vorfälle mit Tieren Schlagzeilen, die man gemeinhin nicht mit auf Reisen nimmt: So brachte im vergangenen Oktober beispielsweise eine Reisende ein als „Emotional Support Animal“ deklariertes Eichhörnchen in einen Flieger der Frontier Airlines. Zuvor gab es bereits ein „Emotional-Support“-Schwein und eine Ente namens Daniel Turducken Stinkerbutt.

US-Fluggesellschaften begannen schließlich damit, die Bedingungen für die Mitnahme von „Emotional Support Animals“ zu verschärfen: Sie forderten, diese Tiere gar nicht mehr als „Service Animals“ anzuerkennen. Durchsetzen konnten sie sich damit nicht, wie die neuen Richtlinien zeigen: Die Tiere bleiben an Bord erlaubt. Und nicht nur werden Hunde, Katzen und Miniaturpferde nun ausdrücklich zugelassen – auch dürfen Airlines nicht alle anderen Tierarten kategorisch ablehnen.

Das geht gegen die US-Fluggesellschaft Delta: Sie hatte im vergangenen Jahr erklärt, Pitbulls nicht mehr als Service Animals zuzulassen. Nach Delta-Angaben waren zuvor Mitarbeiter gebissen worden. Die Airline handelte sich mit dem Schritt wütende Proteste ein: Mehr als 240.000 Menschen unterzeichneten eine Online-Petition, in der gefordert wurde, das Pitbull-Verbot wieder aufzuheben.