Das Bunkerbild ist ein Denkmal – Zum 100. Jahrestag des Matrosenaufstandes sollte die Fassade des Iltisbunkers in Kiel-Gaarden neu gestaltet sein. Doch das verläuft ganz und gar nicht wie geplant.

Nach seiner Fertigstellung war das Wandgemälde von Shahin Charmi umstritten. Inzwischen ist das Bild stark beschädigt, soll nach dem Willen einer Bürgerinitiative aus Gaarden aber unbedingt erhalten bleiben. Foto:kst

Kiel. Seit 1987 ziert das Wandgemälde „Revolution und Krieg“ von Shahin Charmi zwei Fassadenseiten des Iltisbunkers in Kiel-Gaarden. Jetzt steht es unter Denkmalschutz. Die von der Stadt Kiel geplante Neugestaltung der Bunkerfassade dürfte dadurch ein wenig komplizierter werden, als ursprünglich gedacht.

Im Auftrag der Stadt hatte Charmi 1989 das Monumentalbild mit einer Gruppe von ABM-Kräften auf den Bunker-Außenflächen an der Preetzer Straße und der Iltisstraße geschaffen. Seine Motive kreisen um die Themen Krieg und Matrosenaufstand in Kiel. Damals war das Bild in Kiel heftig umstritten. Im Laufe der Jahre verwitterte das Werk stark und ist heute an vielen Stellen bereits vom Bunkerbeton abgeblättert. In Gesprächen über eine Restaurierung des Bildes kamen die Stadt Kiel und Shahin Charmi nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Also sollte das gesamte Wandgemälde durch ein neues ersetzt werden, das ebenso wie Charmis Gemälde den Matrosenaufstand thematisiert und pünktlich am 9. November 2018, dem 100. Jahrestag des Aufstandes, feierlich enthüllt werden sollte. Ein Budget von 70.000 Euro hatte die Stadt Kiel dafür vorgesehen. In einem Wettbewerb machte Mitte Mai dieses Jahres der Entwurf „Und plötzlich hatte ich einen Schuss in der Milchkanne“ von Piotr Nathan, Professor an der Kieler Muthesius Kunsthochschule, das Rennen. Der wollte allerdings dann nicht mehr sein Bild wie vor ihm Charmi einfach direkt auf die Bunkerwand malen, sondern es im Rahmen eines künstlerischen Prozesses mit möglichst breiter Beteiligung umsetzen. Nathan teilte seinen Entwurf in 320 Einzelquadrate auf, die er aktuell von polnischen und deutschen Künstlern auf Leinwand malen lässt. Anschließend sollen diese Bilder auf Metallplatten übertragen und als 27 mal 9 Meter großes Puzzle über dem alten Gemälde auf der Bunkerfassade montiert werden. Am 6. November, drei Tage vor der ursprünglich geplanten Enthüllung des neuen Werks zum 100. Jahrestag, stellte Piotr Nathan den Zwischenstand in der Halle 400 aus: Gerade mal 117 der 320 Ölbilder waren bis dahin fertig. Während in der Halle das neue Bild als lückenhaftes Riesenpuzzle auf dem Boden lag, protestierte draußen vor der Halle eine kurz zuvor gegründete Gaardener Initiative, die nun doch Shain Charmis Bild erhalten will.

Auf Anregung eben dieser Initiative hat sich das Landesamt für Denkmalpflege mit dem Bild befasst und ist inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass es die gesetzlichen Kriterien für die Einstufung als Denkmal erfüllt. Eine Stellungnahme der Stadt Kiel war bis Redaktionsschluss in Vorbereitung, lag aber noch nicht vor.

Der aktuelle Zwischenstand ließ sich bis gestern Abend fast nur mit offenen Fragen beschreiben, auf die im Moment niemand eine Antwort hat: Wann wird das Wandbild von Piotr Nathan so weit fertig sein, dass es an die Wand montiert werden kann? Wer wird die Mehrkosten für die Entstehung von Nathans Werk tragen, das deutlich teurer als 70.000 Euro werden dürfte? Kann „Und plötzlich hatte ich einen Schuss in der Milchkanne“ überhaupt noch an die Fassade des Iltisbunkers montiert werden? Immerhin müssten dafür wahrscheinlich Löcher in das nun denkmalgeschützte alte Wandbild gebohrt werden.

Nach Einschätzung des Landesamtes wäre Letzteres trotzdem eine Variante, die unter bestimmten Bedingungen denkbar wäre. Dann bliebe also das alte Bild unter dem neuen erhalten, wäre aber nicht mehr zu sehen. Alternative zwei wäre laut Landesamt, das zu tun, worüber sich die Stadt und Shahin Charmi schon einmal nicht einigen konnten: den Bunkerbeton großflächig zu sanieren, zu grundieren und das Bild vom Originalkünstler originalgetreu neu malen zu lassen. Alternative drei wäre aus Sicht des Landesamtes für Denkmalpflege, nichts zu tun: das alte Bild unangetastet und sichtbar zu lassen, bis es endgültig von selbst ganz und gar abgeblättert ist. kst