Zum Lernen ist es nie zu spät

Für eine Grundbildung ist es nie zu spät, so Kiels Bürgermeisterin Renate Treutel (v.li.), die Leiterin der Förde-vhs Adriana Theessen, Bildungsministerin Karin Prien und Direktor des Landesverbandes der Volkshochschulen Karsten Schneider. Foto: Sabrina Böhm

Kiel. Die Förde-Volkshochschule Kiel ist das erste von drei landesgeförderten Grundbildungszentren in Schleswig-Holstein. Erwachsene können hier Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen neu lernen oder ihren Schulabschluss nachholen.

In Schleswig-Holstein gibt es circa 210.000 Menschen, die als funktionale Analphabeten bezeichnet werden. Das bedeutet, sie können nur sehr wenig lesen und schreiben. „Es kostet viel Kraft im Alltag, dieses Defizit zu verschleiern“, so Kiels Bürgermeisterin Renate Treutel. Umso mehr freut sie sich, dass Erwachsene bei der Volkshochschule eine zweite Chance zur Verbesserung ihrer Grundbildung bekommen.

Endlich ein Buch lesen, einen Brief schreiben oder eine Rechnung kontrollieren – all das sind Fähigkeiten, die den Menschen sonst fehlen und sie kulturell und sozial einschränken. „Es lohnt sich auch im Erwachsenenalter seine Ängste zu überwinden und diese Angebote wahrzunehmen“, sagt Bildungsministerin Karin Prien. Das Land Schleswig-Holstein fördere daher die Bildung von insgesamt drei Grundbildungszentren. Kiel ist das erste, Itzehoe und Lübeck folgen. Bis zum Jahr 2022 werden die drei Standorte der Volkshochschulen mit insgesamt 204.000 Euro gefördert, um ihre Angebote für die Grundbildung weiter auszubauen.

„Wir wollen neue niederschwellige Angebote entwickeln, mehr Multiplikatoren schulen und neue Zielgruppen gewinnen“, sagt Adriana Theessen, Leiterin der Förde-Vhs. Vorstellbar seien Formate wie Lerncafés oder Lerntreffs, Familienangebote oder Spaziergänge mit Lernaufgaben. Es sei sehr schwer, die Betroffenen zu erreichen, daher müssten vor allem Menschen aus dem Umfeld wie Sozialarbeiter, Jobcenter-Mitarbeiter oder auch Arbeitgeber über die kostenlosen Grundbildungsangebote der Volkshochschulen informiert werden. saa