Zu morsch für den Erhalt

Vor 175 Jahren traf sich in der Felsenhalle die Kieler Gesellschaft zu Kaffee, Kuchen und Bier. Nun wird das historische Gebäude vermutlich bald abgerissen. Foto: Katja Schweckendiek

Kiel. Jahrzehntelang lag die Kieler „Felsenhalle“ am Ende des Königswegs in einem Dornröschenschlaf. Die ehemalige Gartenwirtschaft rottete vor sich hin, der parkähnliche Garten verwilderte. Nun ist klar, dass das Ende des denkmalgeschützten Gebäudes bevorsteht: Im Ortsbeirat Mitte informierten Investoren und Architekten über den geplanten Abriss und den Neubau von drei Wohnhäusern mit 30 Eigentumswohnungen auf dem dortigen rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück.

„Das Gebäude ist am Ende seiner Lebensdauer angekommen. Die Wände des fachwerkähnlichen Hauses sind dünn und verfault. Deshalb ist das Denkmal nicht mehr in seiner Gänze erhaltbar“, erklärte Architekt Robert Stüer vom Büro Schnittger Architekten und Partner.

Erbaut wurde die Felsenhalle im Jahr 1846 von der Brauerei Willrodt als Gasthof mit Gartenwirtschaft und Brauereibetrieb. Bis circa 1876 traf sich hier die Kieler Gesellschaft zu Kaffee, Kuchen und Bier. Attraktion der Gaststätte war ein 15 Meter hoher achteckiger Aussichtsturm, von dem aus die Besucher auf die umliegende, damals noch ländliche Gegend und den Hafen blicken konnten. Unter dem Hang-Grundstück erstrecken sich weiträumige Bierkeller und Gänge.

Im Laufe der Zeit wechselten mehrfach die Besitzer der Brauereianlagen. 1876 übernahm die Kieler Actien-Brauerei Gebäude und Grundstück, und die Direktoren zogen in den Gastraum ein. 1917 wurde der Brauereibetrieb komplett stillgelegt. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Kellergewölbe den Kielern als inoffizieller Luftschutzbunker. Das Gebäude wurde im Krieg durch einen Bombentreffer teilweise zerstört und deshalb für den gewerblichen Betrieb endgültig geschlossen und nur noch als Wohnhaus genutzt.

2018 vererbte die letzte Besitzerin und Bewohnerin der Felsenhalle, Adda-Luise Feldmann, nach ihrem Tod Gebäude und Grundstück an den Förderverein des Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseums. Dieser wiederum verkaufte die gesamte Liegenschaft im Juni 2020 an Kieler Investoren. Vorher wurden noch schützenswerte und ausstellungswürdige Möbel und Einrichtungsgegenstände gesichert.

Für das eigentlich denkmalgeschützte Gebäude selbst liegt zwar noch keine Abrissgenehmigung der Denkmalschutzbehörde vor, doch es gibt Signale, dass das Amt grünes Licht geben wird. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Kelleranlagen geschützt und dauerhaft erhalten werden müssen. Das Gleiche gilt für den ehemaligen Aussichtsturm, der als Symbol für die Geschichte der Anlage stehen bleiben soll.

„Erhaltenswert sind ebenso einige Naturdenkmäler wie eine uralte, riesige Eibe im Garten und die Lindenallee, die entlang des Königswegs zu dem Grundstück führt“, erklärte Robert Stüer. Die alten Kellergewölbe und unterirdischen Gänge sind wichtiger Lebensraum für Fledermäuse. Die Katakomben sind mit den anderen alten Brauereikellern unter der Moorteichwiese verbunden und erstrecken sich über mehrere Kilometer. Sie dienen den Fledermäusen als Winterquartier. Darauf muss bei der Terminplanung der Bauarbeiten Rücksicht genommen werden.

Die Mitglieder des Ortsbeirats Mitte zeigten sich mit den Bauplänen an sich einverstanden, kritisierten aber die eher gehobene Käuferschicht, die mit den geplanten Wohnungen angesprochen werden soll: „Es schmerzt, dass wir stadthistorische Objekte, wie beispielsweise auch den Ravensberger Wasserturm, immer nur gehobener Klientel zuführen“, bemängelte Burghard Lorenz (Grüne). kae