Zeitvergessen und zerrissen

Andrea Damp und Karl Fulle setzen mit ihren Werken echte Farbakzente in den hellen Räumen der Kieler Galerie. Foto: Marie-Kristin Kielhorn

Malerei und Keramik noch bis 20. März in der Galerie Brennwald

Kiel. Wie durch einen verwunschenen Märchenwald wandeln die Besucher der Galerie Brennwald zurzeit durch die Ausstellungsräume in der Feldstraße in Kiel. In der aktuellen Ausstellung „Fainómenon“ zeigen Andrea Damp und Karl Fulle gemeinsam, wie perfekt sich Malerei und Keramik ergänzen können.

Andrea Damp liebt die Natur. Auf Rügen aufgewachsen, fühlte sie sich schon immer mit der Landschaft um sie herum verbunden. Nach einem kurzen Abstecher in die abstrakte Kunst während ihrer Studienzeit in Berlin kehrte sie dieser aber schnell wieder den Rücken und versucht seitdem, abstrakten Bildern mit gegenständlichen Motiven ein neues Leben einzuhauchen und dem Betrachter verschiedene Interpretationsansätze zu bieten. „Jedes Bild hat eigene technische Gegebenheiten, und ich weiß am Anfang nie, was es wird. Ich muss immer neu reagieren“, erklärt die Rüganerin den Entstehungsprozess ihrer Bilder. Im vergangenen Jahr zog es die Künstlerin für einen Monat für ein Stipendium nach Budapest. Was sie von dort mitgebracht hat, können die Besucher der Galerie an den etwas seltsam klingenden Titeln einiger Bilder erkennen. Denn Andrea Damp hat ungarische Sprichwörter ins Deutsche übersetzt und den in Ungarn gemalten Bildern so ganz besondere Namen gegeben.

Die Figuren auf ihren Leinwänden scheinen meist einsam und verloren, aber das sind sie gar nicht. „Sie sind einfach gern alleine und vergessen alles um sich herum. So wie ich in meinem Atelier“, so die Künstlerin.

Karl Fulle war in den vergangenen 40 Jahren schon an vielen Ausstellungen beteiligt, die ihn unter anderem nach Frankreich, Luxemburg und in die USA geführt haben. Vor seinem Studium der Keramik hat er eine Töpferlehre abgeschlossen, die für seine Studienzeit sehr wichtig war: „Die Technik war für mich daher nie ein Problem, die habe ich beherrscht. Ich musste sie nur noch spielerisch umsetzen.“ Um die reinen Formen zu verändern, nutzt Fulle die Torsion. Er zerreißt die Gefäße noch auf der Töperscheibe, um dann etwas Neues entstehen zu lassen. Manchmal auch mit einer Gegenbewegung, das mache es „noch spannender und lebendiger“. Danach folgt dann noch die Glasur. Karl Fulle legt viel Wert darauf, dass seine Objekte und Figuren am Ende noch Farbe bekommen – „ich will schöne, bunte Farben haben, die erzeugen eine gewisse Lebendigkeit“, erklärt der in Steinbach geborene Künstler.

Und wenn ihm ein Endergebnis dann doch einmal nicht gefällt? „Manchmal muss man ein bisschen Abstand gewinnen, und nach ein paar Jahren gefällt es einem dann doch“, sagt Karl Fulle und weiß, dass man vorher besser keine klaren Vorstellungen vom Ergebnis haben sollte, „man weiß eben nie, was aus dem Ofen kommt.“kie

„Fainómenon“ ist noch bis zum 20. März mittwochs bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr in der Galerie Brennwald, Feldstraße 133 in Kiel zu sehen. Abendrundgang: Donnerstag, 5. März, 18 bis 20 Uhr, Wochenendrundgang: 14. und 15. März, 11 bis 17 Uhr.