Wo Teddybären kicken, wirbeln und fliegen

Beim Einüben neuer Elemente, wie vorn bei Julia Petersen und Phillip Eisenack, assistiert Trainer Tim Eisenreich bei Bedarf. Hinten proben Janne Hoffmann und Ibo Folkers eine Hebefigur. Foto: Jan Köster

Kieler Rock’n’Roll-Club trotzt mit Engagement und Anspruch der Coronakrise

KIEL. Es läuft gerade ganz gut beim Kieler Rock’n’Roll-Verein Teddybär: Während viele Sportvereine in der Zeit, in der alle Sporthallen und -Plätze wegen Corona geschlossen waren, Mitglieder verloren haben, ist deren Zahl bei den Teddybären gestiegen. „Als wir 2017 hier angefangen haben, hatte der Verein 20 Mitglieder. Inzwischen sind es mehr als 100“ sagt Tim Eisenreich. Mit „wir“ meint der 32-Jährige seine Freundin Kristin Asmussen und sich selbst. Die beiden haben wesentlich zum Wachstum des Vereins beigetragen. Als Tanzpaar konnten sie schon fünf Deutsche Meistertitel und einen vierten WM-Platz für sich verbuchen. Nachdem sie aus beruflichen Gründen von Flensburg nach Kiel wechselten, wechselten sie auch den Verein: von den „Flying Saucers“ in Flensburg zum Rock’n‘Roll-Club Teddybär nach Kiel. Tim Eisenreich ist dort mittlerweile Erster Vorsitzender und Cheftrainer.

Mit Impfungen, Tests und viel Vorsicht läuft inzwischen wieder ein Präsenztraining in den Hallen der Ricarda-Huch-Schule am Kieler Westring: Rock’n‘Roll und Boogie-Woogie in verschiedenen Gruppen unterschiedlicher Alters- und Leistungsklassen. Neben Paaren gibt es auch eine Girl- und zwei Lady-Formationen, die ähnlich wie beim Hip-Hop als Gruppe zusammen tanzen. Während des Lockdowns lief das Training teilweise über Onlineangebote, viele Rock’n‘Roller nutzten die Zeit, um allein zu Hause Fitness, Beweglichkeit und Technik-Feinheiten zu trainieren – zum Wiederbeginn des richtigen Trainings machte sich das sofort positiv bemerkbar.

Die Turnierpaare arbeiten aktuell auf ihre Teilnahme bei den nächsten Deutschen Meisterschaften hin, die für den 25. September in Worms geplant ist. Wer ihnen zuschaut, versteht, was Tim Eisenreich meint, wenn er Rock’n’Roll definiert: „Tanzen, Turnen, Fitness, Akrobatik und Beweglichkeit – eine sehr coole Sportart“.

Während allerdings der Gelegenheits-Rock’n’Roller den „Kick“ im Grundschritt eher in Wadenhöhe absolviert, sind die Füße der Turnierpaare dabei in Hüfthöhe – und zwar mit einer Körperspannung, die sichtbar bis in die Fingerspitzen reicht. Ohne solche Körperspannung wären Figuren wie die verschiedenen Varianten der „Kugel“, bei dem der Mann seine wie ein Balken gestreckte Tanzpartnerin um den eigenen Körper wirbelt, gar nicht möglich. In der Leistungsklasse der Teddybär-Turnierpaare gehören auch Salti zum Standard und andere Figuren, bei denen die Partnerin um ihren Partner rotiert oder über ihn hinweg fliegt und irgendwo hinten oder kurz über dem Boden wieder aufgefangen wird – wohlgemerkt immer exakt im meistens ziemlich schnellen Rhythmus der Musik.

Das sieht nicht nur anspruchsvoll aus, das ist es auch. Aber genau das reizt auch die Sportlerinnen und Sportler: „Ich mag die Herausforderung, was Neues zu machen und sich zu pushen“, sagt zum Beispiel Phillip Eisenack, der gemeinsam mit Julia Petersen in dieser Gruppe trainiert. Der 26-Jährige ist quasi noch neu im Rock’n’Roll, nach Standard-Latein-Tanzen und Kampfsport kam er erst vor zweieinhalb Jahren dazu. „Aber er hat Talent“, lobt die 23-Jährige Julia, die selbst schon seit zwölf Jahren Rock’n’Roll tanzt.

Damit hat sie fast so früh mit diesem Sport angefangen wie Cheftrainer Tim Eisenreich, der schon 22 Jahre dabei ist. Für die kommenden Jahre hat er unter anderem das Ziel, mit Kindern von vier bis zwölf Jahren einen eigenen Vereinsnachwuchs aufzubauen mit Sportlerinnen und Sportlern, die von Anfang an so trainieren, dass sie später ohne erhöhtes Verletzungsrisiko auf das Erlernte immer weiter aufbauen können. kst

Wer den Verein kennenlernen möchte, kann über die Webseite rocknrollclubkiel.de Kontakt aufnehmen und ein Probetraining vereinbaren. Auch über Instagram und Co. ist der Verein zu finden.

Eine weitere gute Gelegenheit, den Rock’n’Roll-Club Teddybär kennen zu lernen, ist der „Tag des Sports“ am 5. September. Wegen der Coronakrise ist der Tag des Sports in diesem Jahr über viele einzelne Orte im ganzen Land verteilt. Die große Sporthalle der Kieler Ricarda-Huch-Schule, Hansastraße 69a, gehört dazu: Von 11 bis 14 Uhr zeigen die Tänzerinnen und Tänzer des Vereins dort Ausschnitte aus ihrem Trainings- und Wettkampfprogramm. Besucher können unter anderem an einem Athletik-Wettbewerb teilnehmen und natürlich auch selbst erste Versuche beim Tanzen machen.