Wie von Bits getroffen verknallt

Genau dieser Computer war wohl hauptverantwortlich für den Berufsweg, den der Informatiker und Museumsleiter Markus Schack eingeschlagen hat. Fotos: Markus Schack / Marko Herrmann

„Welches Stück in Ihrem Museum ist Ihr persönliches Lieblingsstück und warum?“ – Diese Frage beantworten die Leiterinnen und Leiter von Museen aus dem Verbreitungsgebiet des Kieler Express’ in einer kleinen Artikelserie. In Folge 2: Markus Schack, Leiter des Computermuseums der Fachhochschule Kiel.

Kiel. Auch im Computermuseum der Fachhochschule Kiel passiert im Moment nicht viel. Mit Renovierungsarbeiten bereitet das Team die Ausstellungsstücke und die Räume im ehemaligen Weltkriegsbunker für die Zeit nach dem Lockdown vor. Das Lieblingsstück von Museumsleiter Markus Schack steht in der dritten Etage des Museums, dort wo die einsetzende Miniaturisierung der Computer ein Thema ist – also in etwa die Zeit, ab der ein Computer schon in einen einzelnen Raum passte. Der „PET 2001“ von Commodore, der dort steht, ist nach diesem Maßstab schon ein Winzling: Ein kompaktes Tischgerät mit integrierter Tastatur, einfarbigem Monitor und Datenlaufwerk, das mit Musik-Kassetten als Datenträger funktionierte. Das Metallgehäuse kann zu Wartungszwecken aufgeklappt und mit einer Stange aufgestellt werden wie die Motorhaube beim Auto. Der Einkern-Prozessor arbeitete mit einer Geschwindigkeit von 1 MHz. Der „Personal Electronic Transactor“ (PET) 2001 war der erste Computer, der in Deutschland im Versandhandel zu bekommen war.

Genau der PET 2001, der nun im Museum in Kiel steht, hat für Markus Schack eine ganz besondere Bedeutung: „Denn es ist nicht irgendein PET, sondern wirklich der erste Computer, mit dem ich Kontakt hatte“, erzählt Schack. Genau dieser Computer gehörte Anfang der 1980er-Jahre einem Professor der Kieler Uni, der das Gerät unter anderem für Chemie-Anwendungen benutzte. Der Vater des damals 13-jährigen Markus Schack war mit diesem Professor befreundet. „Mein Vater nahm mich mit zu einer Weihnachtsfeier an seinem Institut, und ich durfte das Gerät in seinem Büro anschauen, ich war völlig fasziniert davon. Ich konnte das Gerät dann über die Weihnachtsferien ausleihen und hatte auch ein Basic-Handbuch dazu. Das waren sehr spannende Weihnachtsferien.“ Bis dahin hatte Markus Schack schon viel mit Fischertechnik experimentiert und auch Steuerungen gebaut, aber in der Programmiersprache Basic Programmzeilen einzutippen und das fertige Programm anschließend ablaufen zu lassen, war für den Teenager sensationell neu.

„Dieser Kontakt hat wahrscheinlich auch den Grundstein dafür gelegt, dass ich dann später Informatik studierte“, stellt Markus Schack fest.

Als der Professor dann einige Jahre später in den Ruhestand ging, spendete er den PET 2001 dem Vorläufer des heutigen Computermuseums. „Daher bin ich also jetzt in der glücklichen Lage, hier wirklich den ersten Computer im Museum zeigen zu können, der in mein Leben getreten war“, sagt Markus Schack. kst

Das Computermuseum der Fachhochschule Kiel

Schon die Location ist spannend: Das Museum ist in einem Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg untergebracht, der speziell für diesen Zweck aufwendig umgebaut wurde. Die Sammlung geht auf den damaligen Verein „Schleswig-holsteinisches Museum für Rechen- und Schreibtechnik“ zurück, der 1981 gegründet wurde, um Meilensteine der Rechentechnik vor der Verschrottung zu bewahren. Eine Auswahl der Sammlung, die der Verein zusammengetragen hat, ist seit Juni 2011 im damals neu eröffneten Computermuseum zu sehen. Auf vier Ebenen mit zusammen 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche können die Besucher nachvollziehen, wie sich Computer vom feinmechanischen Rechenwerk bis zu den PCs und Notebooks der späten 1990er-Jahre entwickelten. Ur-Computer wie der Zuse Z-11 von 1958, der seine aus heutiger Sicht sehr bescheidene Rechenleistung ratternd und klickend mit rund 2200 eletromechanischen Relais erledigte, zeigen beeindruckend, wie unfassbar weit sich heutige Computer seit damals entwickelt haben.

Infos unter www.computermuseum-kiel.de oder unter Tel. 0431/2101741.