Von aktuell zu damals

Jetzt sind die Details dran: Unter anderem installiert das Team eines Fachbetriebs für Objekteinrichtungen aus der Nähe von Bremen in diesen Tagen den großen Empfangs-, Info- und Verkaufstresen im Eingangsbereich. Foto: Jan Köster

Molfsee. Ein paar Monate wird es wohl noch dauern, bis wirklich alles perfekt ist im neuen Ausstellungs- und Eingangsgebäude des Molfseer Freilichtmuseums, aber was jetzt schon zu sehen ist, macht Lust auf mehr. „Die Besucher können sich wirklich schon freuen“, sind sich auch Dr. Babette Tewes und Guido Wendt einig. Guido Wendt vertritt als kaufmännischer Geschäftsführer die Bauherrin des neuen Gebäudes: die „Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf“, zu der das Freilichtmuseum Molfsee gehört. Babette Tewes ist Kuratorin und Projektleiterin für die Ausstellungen, die in den großen unterirdischen Ausstellungsräumen zu erleben sein werden.

Schon das Gebäude selbst wird einen Besuch wert sein: Architekt Klaus Petersen vom Lübecker Architekturbüro Petersen, Pörksen, Partner (ppp) hat es so entworfen, dass der größere Teil, nämlich die 900 Quadratmeter für die Dauerausstellung und die 400 Quadratmeter für Sonderausstellungen unsichtbar unter der Erdoberfläche liegen. Oberirdisch sind nur zwei relativ kleine Gebäudeteile zu sehen, die in Form und Größe an die alten Scheunengebäude im Freilichtmuseum erinnern. Topmodern ist dagegen, dass sie vollständig mit edel angerostetem rotbraunem Korundstahl verkleidet sind. Der Eingangsbereich im vorderen der beiden Gebäude beeindruckt schon jetzt durch den großen lichten Raum, der dank des rautenförmigen Holztragewerks des Daches stützenfrei und offen ist. Für viel Licht sorgt ein von außen unsichtbares Lichtband auf dem First des Gebäudes, einzelne bodentiefe Fenster lenken die Blicke der Besucher schon beim Kauf der Eintrittskarte auf die historischen Gebäude der Freilicht-Ausstellung. Es gibt einen Aufzug zu den unterirdischen Ausstellungen und einen taktilen Infoplan für Menschen mit Sehbehinderung. Der geplante Snack-Bereich und der angrenzende große Seminarraum sollen auch für Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden oder auch für private Feiern zur Verfügung stehen. „Das kann hier zu einem Treffpunkt für die Region werden“, sagt Guido Wendt.

Die Form der Gebäude, das Holztragewerk des Daches, der Lehm-Stroh-Putz an den Wänden, sogar das Rostrot des Stahls – alles erinnert mit modernen Mitteln an die historischen Bauten nebenan im Freilichtmuseum, das nach dem Corona-Lockdown inzwischen wieder geöffnet hat. Und auch in der künftigen Dauerausstellung will Babette Tewes Brücken schlagen zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Thema der Dauerausstellung wird das Alltagsleben in den vergangenen 100 Jahren in Schleswig-Holstein sein, allerdings nicht chronologisch „aufgezählt“, sondern in Themengebiete unterteilt, bei denen es immer darum geht, die Besucher im gewohnten gegenwärtigen Umfeld „abzuholen“ und dann zu fragen: „Wie war das eigentlich früher?“ Geplante Themen sind unter anderem Mobilität und Urlaub, Konsum, Arbeit und Freizeit, das Leben im Rhythmus von zum Beispiel Ebbe und Flut oder Tag und Nacht. Sogar ganz aktuelle Themen wie Corona und die Fridays-for-Future-Bewegung werde die Dauerausstellung aufgreifen, kündigt Babette Tewes an. Aber immer so, dass sich ganz normale Menschen wiedererkennen können. „Menschen wie du und ich“, sagt die Kuratorin, „es geht vor allem um kleine feine Begebenheiten des Alltags. Die großen politischen Entwicklungen werden dabei eher als Hintergrundrauschen wahrgenommen.“

Spannend verspricht auch die erste Sonderausstellung zu werden: „Relikte des Kalten Krieges in Schleswig-Holstein“ – Teil der Ausstellung wird unter anderem Ausstattung des ehemaligen Atombunkers im Parkhaus unter dem Kieler Schloss sein. kst

Aktuelle Infos unter www.freilichtmuseum-sh.de