Vom Dünger zum Brennstoff

Tiefbauamtsleiter Peter Bender (v.li.), Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Betriebsleiter Klaus Reichel stellten die Neuerungen vor. Foto: eis

Kiel. Schon seit Jahren investiert die Landeshauptstadt Kiel viel Geld, um das Klärwerk Bülk umweltfreundlicher zu machen. Aktuell will Kiel weitere rund 5,25 Millionen Euro ausgeben, um die Entsorgung des anfallenden Klärschlamms zu verbessern: Bis Ende dieses Jahres entstehen dafür auf dem Gelände des Klärwerks unter anderem eine neue Zentrifugen-Trocknungsanlage und eine große Lagerhalle, in der der getrocknete Schlamm bis zur Weiterbehandlung vor dem Wetter geschützt lagern kann.

Seit dem vergangenen Jahr wird der Klärschlamm aus dem Klärwerk Bülk nicht mehr in der Landwirtschaft als Dünger auf die Felder gestreut – wegen des gestiegenen Quecksilbergehalts im Klärschlamm hatte die Kieler Ratsversammlung den Ausstieg bereits 2018 beschlossen. Aktuell wird das, was beim Klären der Abwässer von rund 310.000 Menschen aus Kiel und Umgebung übrig bleibt, auf dem Gelände des Klärwerks in einer 45 Jahre alten Entwässerungsanlage behandelt und dann unter freiem Himmel gelagert, bis der Schlamm per Lkw zur Verbrennung in die Region des Dreiländerecks von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gefahren wird.

Die neue Anlage wird Trocknung und Lagerung deutlich verbessern. Und wenn die geplante Klärschlamm-Verbrennungsanlage im Müll-Heiz-Kraftwerk der Müllverbrennung Kiel (MVK), wie aktuell geplant, 2024 in Betrieb genommen wird, könnte der Bülker Schlamm nach kurzem Transport, quasi direkt um die Ecke verbrannt werden. Die MVK-Anlage am Theodor-Heuss-Ring in Kiel soll bei der Klärschlammverbrennung dann auch den darin enthaltenen Phospor zurückgewinnen. Allerdings muss die Vergabe des Auftrags der Klärschlammverbrennung laut Vergaberecht europaweit ausgeschrieben werden. Und die Kieler MVK-Anlage ist noch nicht einmal fertig. Ob der Kieler Klärschlamm künftig also tatsächlich nach umweltfreundlich kurzem Transportweg in einer modernen Verbrennungsanlage landen kann, ist jetzt noch völlig offen.

Immerhin: In Sachen umweltschonende Energienutzung kann sich das Klärwerk Bülk schon jetzt wirklich sehen lassen: An vielen Stellen, zum Beispiel bei der Beleuchtung, wurde bereits auf energiesparendere Technik umgerüstet. Das bei der Abwasserbehandlung anfallende Faulgas treibt im eigenen Blockheizkraftwerk drei erneuerte Gasmotoren an, die ihrerseits modernisierte Generatoren antreiben. So erzeugt das hauseigene Kraftwerk schon jetzt fast den gesamten Strom, den das Klärwerk benötigt, selbst. Die Abwärme des Kraftwerks dient zum Heizen der Gebäude und der Aquakultur-Becken der Firma Förde-Garnelen. Durch die Umrüstung weiterer Bereiche auf energiesparendere Technik und eine für 2022 geplante Photovoltaikanlage soll das Klärwerk Bülk in den kommenden Jahren komplett energieautark werden und sogar überschüssigen Strom in das Kieler Netz einspeisen können. kst