Vater des Vaterschaftstests

Professor Dr. Diethard Tautz aus Plön wurde mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Ministerpräsident Daniel Günther überreichte die Auszeichnung. Foto Frank Peter

Professor Dr. Diethard Tautz wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Plön. Professor Dr. Diethard Tautz ist einer der renommiertesten Evolutionsforscher Deutschlands. Nun wurde der Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der Kieler Express hat mit dem Wissenschaftler gesprochen.

Eine der Schlüsselentdeckungen des 63-Jährigen ist die Entwicklung der sogenannten STR-Technologie. Sie ist in forensischen Labors unverzichtbar, denn mit ihrer Hilfe werden DNA-Spuren und DNA-Profile analysiert. „STR bedeutet Short Tandem Repeat“, erläutert Dr. Tautz. „Diese Methode macht sich zunutze, dass es in der DNA kurze Sequenzen gibt, die sich wiederholen. Die Abfolge der Einheiten und die Zahl ihrer Wiederholungen sind individuell verschieden. Die Technik hat unter anderem den Vorteil, dass sie eine digitale Auskunft gibt, die einen Datenbank-Abgleich möglich macht.“ Dank der STR-Technologie kann DNA aus winzigen Proben analysiert werden – so können zum Beispiel Straftäter oder Straftäterinnen und Opfer selbst mit geringster DNA-Menge identifiziert werden. Auch bei Pflanzenzüchtungen oder Vaterschaftstests findet das Verfahren Anwendung. „Von meiner Doktorarbeit bis heute hat mich diese Technologie beschäftigt“, erzählt Dr. Tautz. „Bereits nach den ersten Experimenten war aber klar, dass die Technologie für die Identitätsbestimmung nutzbar ist.“

Schon in der Schulzeit interessierte sich Tautz für die Evolutionsbiologie. „Sie behandelt die spannendsten Fragen innerhalb der Biologie“, sagt er. „Deshalb habe ich dann Biologie studiert und mich in die molekulare Richtung orientiert.“ 2007 wurde Diethard Tautz Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön, wo er den Forschungsschwerpunkt „Evolutionsbiologie“ national und international ausgebaut hat. Auch auf den Gebieten der Entwicklungsbiologie, Systematik und Genomik hat er innovative wissenschaftliche Pionierleistungen vollbracht.

Nun wurde dem engagierten Wissenschaftler, der sich über seine Forschung hinaus als Initiator und Sprecher, Chefredakteur und Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften betätigte, am Dienstag von Ministerpräsident Daniel Günther das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Hat er damit nun alles erreicht? „Nein, Wissenschaftler haben immer Pläne. Und das Spannendste ist sowieso immer das, woran man gerade arbeitet.“svp