„thea.“ macht mal Pause

Christina Dobirr gründet Kiels erste queere Theatergruppe für junge Leute. Foto: svp

Trotzdem großes Interesse für Kiels erste queere Theatergruppe

Kiel. Im September startete Christina Dobirr Kiels erste queere Theatergruppe für junge Leute – nur wenige Wochen, bevor der Lockdown alle Pläne über den Haufen warf. Aktuell pausieren die jungen Schauspieler, doch sobald es möglich ist, wollen sie wieder durchstarten.

„Thea. Oder spiel mir doch etwas vor.“ – so heißt die Gruppe, die Christina Dobirr und ihre Kollegin Linda Stach am 15. September ins Leben riefen. „Das Projekt lief wunderbar an“, erzählt Christina Dobirr. „Durch den Artikel im Kieler Express gab es sehr viele Anmeldungen und ungemein viele positive Rückmeldungen.“ Teilnehmen können Jugendliche und junge Erwachsene, die sich zur queeren Szene zugehörig fühlen. „Queer“ ist ein Sammelbegriff für Personen, deren geschlechtliche Identität und/oder sexuelle Orientierung nicht der heteronormativen Norm entspricht. Gefördert wird das Projekt vom Fonds der Landeshauptstadt „Zusammenhalt stärken – Teilhabe sichern“.

„Der HAKI Verein hat uns einmal wöchentlich aufgenommen und uns sehr willkommen geheißen“, so die Schauspieltrainerin weiter. „Wir haben außerdem eine Mitgliedschaft bei der Pumpe erworben und konnten uns ein paar wenige Male dort im großen Saal treffen.“ Geprobt wurde unter Einhaltung der Abstandsregeln und mit Mund-Nasen-Schutz. „Das ist beim Schauspiel natürlich ein sehr großer Verlust der Intensität, den wir aber natürlich sehr bereit waren, hinzunehmen.“ Doch dann kamen die neuen Corona-Beschränkungen – die Schauspieler mussten eine Pause einlegen.

„Was ich persönlich sehr bedauere, ist, dass die noch so frische Gruppe nun auf Halde liegt. Wir haben eine so enorm gute Energie und Dynamik, und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dort anknüpfen, wo wir aufgehört haben“, so die Schauspielerin weiter. „Doch die Gruppe war für die/den eine/n auch ein sogenannter Save Space. Sprich, ein Raum, in dem man sich sicher fühlt und eine Gemeinsamkeit findet, welche vorher vielleicht nicht da war und nun stärkt.“

Denn Christina Dobirr geht es vor allem darum, für die zurzeit 16 Teilnehmer einen sicheren Raum, eine Entfaltungsmöglichkeit zu schaffen – eine Gruppe mit Gleichgesinnten. Ein Konzept, das ankommt. „Es gibt immer noch regelmäßig Anfragen über unsere Instagram-Seite. Sobald die Bestimmungen es zulassen und es wieder losgehen kann, gäbe es also noch weitere Interessierte.“

Pläne für die Zukunft gibt es jedenfalls reichlich. „Unsere Förderung geht bis Mai. Danach möchten wir mit einem Stück weitermachen“, sagt Christina Dobirr. Doch dazu werden weitere Fördermittel benötigt. Welches Stück geplant ist, das wird noch nicht verraten. „Dann freuen wir uns auch über Menschen, die vielleicht nicht unbedingt auf der Bühne stehen möchten, sondern auch am Drumherum, wie zum Beispiel Technik, Kostüm, Bühnenbild oder Marketing/Werbung, interessiert sind.“

Was dann noch fehlt, ist ein weiterer Raum. „Zwar können wir zukünftig in der Pumpe und bei HAKI proben, doch in einer möglichen Endprobenphase, in der wir uns mehr als einmal wöchentlich treffen, bräuchten wir einen Ort, an dem wir Bühnenbild und Requisiten über einen längeren Zeitraum lagern können.“ In anderen Städten gäbe es Proberäume mit richtiger Technikausstattung, die man über einen bestimmten Zeitraum zu humanen Preisen mieten kann – „doch davon ist Kiel leider noch meilenweit entfernt.“

Leerstand zum Beispiel wäre eine optimale Möglichkeit, denn eine Technikausstattung besitze die Gruppe selbst. „Die Suche geht also weiter.“ svp

Wer Interesse hat, bei „thea“ mitzuwirken, ob auf oder hinter der Bühne, kann sich über den Instagram-Account thea_theater oder per E-Mail an thea.theater@gmx.de wenden.