„Stolpersteine“ sind vollständig

Die letzen Kieler Stolpersteine verlegten Mitarbeiter des Kieler Tiefbauamts mit Unterstützung von Schülerinen und Schülern der Kieler Humboldtschule am 21. September im Kronshagener Weg 4 und in der Adelheidstraße 19 in Kiel. Foto: kst

Die letzten sechs der Kieler Gedenksteine für jüdische Nazi-Opfer sind verlegt

Kiel. Insgesamt 270 „Stolpersteine“ liegen inzwischen in Gehwegen im Kieler Stadtgebiet – jeweils einer für eines der jüdisches Opfer nationalsozialistischer Gewalt, für das es in Kieler Akten Informationen gibt. Die letzten sechs dieser Stolpersteine wurden vor wenigen Tagen im Rahmen einer Zeremonie an insgesamt drei Standorten verlegt.

Mit seinen Stolpersteinen erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig an die Opfer des Nazi-Regimes. Seit 1997 hat er in ganz Europa bereits mehr als 75.500 solcher Steine verlegt. Jeder davon besteht auf seiner Oberseite aus einer Messingplatte, in die der Name und die wichtigsten Informationen zu der Person eingraviert sind, an die der Stein erinnert. Verlegt werden die Steine jeweils im Fußweg vor dem Haus, an dem die Person ihre letzte frei gewählte Adresse hatte. In Kiel hat Gunter Demnig eine Reihe seiner Steine selbst verlegt, für die letzten sechs übernahmen diese Aufgabe aber in Vertretung Mitarbeiter des Kieler Tiefbauamts.

Vor dem Haus im Kronshagener Weg 4, ehemals EckernförderStraße 4, verlegten sie zunächst vier Steine für Rosa Buchen und ihre Söhne Isaak, Edmund und Manfred. Anschließend im Kronshagener Weg 12, früher Eckernförder Straße 12, einen Stein für Lotte Domowitz und schließlich den allerletzten Kieler Stolperstein in der Adelheidstraße 22 für Arthur Landesmann. Sein letzter freier Wohnsitz war eigentlich auf der anderen Straßemseite, aber dort steht heute kein Haus mehr.

Für die Erarbeitung der Geschichte der einzelnen Nazi-Opfer und die Verlegung der Stolpersteine hat Gunter Demnig in Kiel mit der Projektgruppe Stolperstein zusammengearbeitet. Ihr gehören unter anderem das Kieler Kulturamt und Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Schleswig-Holstein an. An der Recherche waren aber auch Schüler von Kieler Schulen beteiligt. Für die letzten sechs Stolpersteine hatten Schüler des Geschichtsprofils der Klasse 11d der Kieler Humboldtschule die Informationen recherchiert und Texte zu den Opfern verfasst, die sie bei der Verlegung der Steine vorlasen. Ebenso wie alle Texte zu den insgesamt 270 Kieler Stolpersteinen gibt es diese Texte jeweils in einem Flyer. Alle Texte sind auch unter www.kiel.de/stolpersteine und in der App „Stolpersteine Kiel“ zu finden.

„Wir kommen zu einem Ende, auch wenn es eigentlich kein Ende geben kann“, sagte Joachim Liß-Walther von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit nach dem Ende der Zeremonie. Humboldt-Schüler Finn Drewes, der die Geschichte zu Arthur Landesmann mit recherchiert hatte und der dessen Stein symbolisch mit festklopfen durfte, knüpfte da an und betonte: „Es ist wichtig, dass die Leute sich daran erinnern.“ kst