Sprechen für die, die sich nicht trauen

Eine überwiegend positive Bilanz kann Sila Akcay von der bisherigen Arbeit des dritten "Jungen Rates" der Stadt Kiel ziehen. Foto Jan Köster

Für Sila Akcay ist die Arbeit im Jungen Rat Kiel eine Chance, anderen zu helfen

KIEL. „Was man bei dieser Arbeit an Erfahrungen machen kann, ist unbezahlbar“, sagt Sila Akcay, Vorstandsmitglied im Jungen Rat der Stadt Kiel. Der Junge Rat ist der Kinder- und Jugendbeirat der Stadt. Pro 1000 Einwohner unter 18 Jahren hat der Rat ein Mitglied – zurzeit sind es 17, die aus allen Stadtteilen kommen, Schülerinnen und Schüler ebenso wie Studierende.

Ebenso wie die Beiräte für Senioren und Menschen mit Behinderungen soll auch der Junge Rat seine spezifische Sicht mit einbringen, wenn es um politische Entscheidungen geht. Dafür können die Jung-Räte in den Kieler Ausschüssen und in der Ratsversammlung eigene Anträge einbringen. Außerdem hat der Junge Rat ein jährliches Budget von 3000 Euro, mit dem seine Mitglieder eigene Aktionen beschließen und durchführen können.

Zum Ende dieses Jahres endet die zweijährige Amtszeit des aktuellen dritten Jungen Rates der Stadt Kiel. Geprägt war die Zeit seit Dezember 2019 natürlich auch von der Corona-Pandemie und verbunden damit mit einer viermonatigen Zwangs-Sitzungspause. Denn im ersten Lockdown gab es für die Kieler Beiräte zeitweise nicht die notwendige technische Ausstattung, um ordnungsgemäß digital tagen und Beschlüsse fassen zu können. „Die Beiräte hat man da wohl vergessen“, vermutet Sila Akcay, „so waren wir vier Monate lang nicht arbeitsfähig.“

Trotzdem: Gerade in der Coronakrise konnte der Junge Rat einen ganz wichtigen Impuls setzen: In Sachen Homeschooling brachten die jungen Beiratsmitglieder den Antrag in die Ratsversammlung ein, benachteiligte Schülerinnen und Schüler besser als bisher auch mit zur Verfügung gestellten internetfähigen Geräten zu unterstützen. Ganz wichtiger Punkt dabei: Betroffene Kinder und Jugendliche sollten sich nicht vor der ganzen Klasse melden müssen, sondern die Chance bekommen, unter vier Augen mit einer Vertrauensperson zu sprechen. Neulinge auf dem Gebiet des Online-Lernens, auch Lehrerinnen und Lehrer, sollten außerdem Unterstützung bei der Einarbeitung bekommen. Der Antrag wurde von der Kieler Ratsversammlung in leicht geänderter Form angenommen.

Erst vor kurzem war der Junge Rat wieder erfolgreich: Auf seine Anregung hin hat die Kieler Ratsversammlung die Anschaffung eines Spielmobils beschlossen, das zu den Treffpunkten der Kinder in die Stadtteile fährt, um dort verschiedenes Spielzeug auszuleihen.

Doch natürlich gab es auch schwierige Momente, unter anderem wenn es manchmal darum ging, sich in der Welt der erfahrenen erwachsenen Politiker einzubringen, hartnäckig zu bleiben und sich durchzusetzen. „Aber wir hatte auch Hilfe, vor allem Frau Treutel, die ja Bürgermeisterin und  Jugenddezernentin in Kiel ist, hat uns viel unterstützt. Und zwar so, dass man gar nicht gemerkt hat, welcher Partei sie angehört“, sagt Sila Akcay.

Die 17-Jährige selbst war schon als Kind politisch interessiert „da lief nicht Sponge Bob im Fernsehen, sondern man hat Frau Merkel beobachtet“, sagt sie. Nach ihrer Zeit im Jungen Rat ist erst mal das Abi dran und dann vielleicht ein Engagement in einer Partei, – „die ich aber noch finden muss“, fügt Sila Akcay hinzu. Fest steht auch, dass sie mit dem inzwischen mehrfach ausgezeichneten Verein „Schenke ein Lächeln“ weiter machen will, den sie gemeinsam mit einer Freundin gegründet hat. „Das Geld von den Auszeichnungen ist noch da. Damit wollen wir Schüler bei den Anschaffungen zu Schuljahresbeginn unterstützen.“ Die Vorbereitungen dafür laufen schon, „die Nachfrage ist enorm“, sagt Sila Akcay.

Sich für Menschen einzusetzen die schwächer oder einfach ängstlicher sind als andere, ist ihr wichtig. Die Arbeit in der Politik oder in einem neutralen Gremium wie dem Jungen Rat sind mögliche Wege dafür. Ihre bisherigen Erfahrungen im Jungen Rat bestätigen Sila Akcay jedenfalls in ihrem Engagement: „Es fühlt sich gut an, wenn man etwas bewirken kann“, sagt sie. kst