Sie lassen sich nicht bremsen

So viel Abstand müssten die Schüler auf der Bühne halten. Bei 80 Schauspielern wird das schwierig. Joshua Dietschmann und Merle Stender (beide vorn) hoffen trotzdem, dass sie „ihr“ Stück noch aufführen können. Foto: vmn

Schüler der Gemeinschaftsschule Kronshagen hoffen auf Aufführung im Herbst

Kronshagen. Leer ist es in der Aula der Gemeinschaftsschule Kronshagen (Gemskro). Auf der großen Bühne stehen die Kulissen für das Stück „Tausendundeins“. Hier könnte sofort losgespielt werden. Nur wird das aktuell nicht passieren. Nicht nur, weil gerade Ferien sind. Sondern wegen Corona. Die Pandemie hat das Schultheater ausgebremst – aber so richtig. Nicht aber die Schüler. Die sind nach wie vor Feuer und Flamme.

Acht von ihnen sind deswegen mitten in den Sommerferien in die Schule gekommen. Sie sind gemeinsam mit dem Hauptdarsteller Joshua Dietschmann um ihren großen Auftritt im Mai gebracht worden. 14 Monate hatten insgesamt 80 Schüler mit ihrem Theater-Lehrer Jan Martensen an dem Stück „Tausendundeins“ geschrieben, Kostüme, Kulissen und Requisiten entworfen, die Szenen geprobt. Hatten Bühnenkampf und Bauchtanz gelernt. Ein Chor mit 120 weiteren Schülern sollte die Abenteuer Nasreddins (Dietschmann), ein orientalischer Till Eulenspiegel, untermalen. Hinter den Kulissen unterstützte ein fast ebenso großes Team aus Mitschülern, Ehemaligen, vielen Eltern und Lehrkräften. Ein Riesending. 800 Tickets waren im Nu verkauft.

Dann kam Corona, und die Theaterwelt an der Gemskro stand still. Von 100 km/h auf Null. „Wir hatten uns so gefreut, so viel geprobt und sind immer noch Feuer und Flamme“, erzählt Joshua Dietschmann, der genauso wie seine Schauspielkollegen darauf hofft, dass die Aufführung vielleicht im Herbst stattfinden kann. Doch dann sind einige seiner Mitstreiter schon in ihrer Ausbildung oder gehen auf weiterführende Schulen. „Das ist allerdings unser kleinstes Problem“, erklärt Jan Martensen, der an der Schule Theater unterrichtet und schon viele große Stücke auf die Bühne der Aula gebracht hat. „Das bekommen wir organisiert, und die Schüler brennen darauf zu spielen. Aber die Hygieneauflagen und Abstandsregeln sind beim Bühnenspiel kaum umzusetzen.“ Dazu komme das Kohortenprinzip der Schule, das ein Zusammenspiel mit Schülern aus verschiedenen Klassenstufen nicht zulässt, und das Verbot des gemeinsamen Singens. Dabei war gerade in diesem Jahr die gesamte Musik von Musiklehrerin Ute Laackmann selbst komponiert worden. Probleme über Probleme, die die Schüler aber nicht verzagen lassen: „Ich glaube, wenn man etwas wirklich will, dann bekommt man das auch hin“, ist Merle Stender ganz zuversichtlich. Und auch wenn die 16-Jährige ab dem 1. August ihre Ausbildung beginnt, will sie unbedingt dabei sein.

„Da die Texte von den Jugendlichen selbst geschrieben worden sind, würde ich lieber nicht aufführen, als diese von anderen Schülern sprechen zu lassen, die sich damit gar nicht identifizieren“, sagt Jan Martensen, der alles möglich machen will, damit das Stück noch auf die Bühne kommt, denn „das hat es einfach verdient“, so der Pädagoge. Unterstützung bekommt er durch die Schulleitung der Gemskro, die laut Martensen „wild entschlossen ist, das Stück unter allen Vorgaben aus Bundes-, Landes-, Kreis-, Gemeinde- und Schulebene gesetzes- und verordnungskonform zur Aufführung zu bringen. Vielleicht muss es dafür umgeschrieben, neu arrangiert und gekürzt werden, aber das schaffen wir auch“, so der Theater-Mann der Schule, der immer ein Licht am Ende des Tunnels oder besser einen leuchtenden Scheinwerfer am Bühnenhimmel sieht. Wie und wann genau das Stück nun tatsächlich auf die Bühne gebracht werden kann, ist also noch ungewiss. „Wir hoffen sehr, dass unsere Zuschauer aber genauso gern das Stück schauen, wie wir es spielen wollen. Und dass sie noch ein wenig Geduld haben. Wenn es einen Plan und Daten gibt, dann können wir uns um den Ticket-Tausch oder im schlimmsten Fall um die Rückerstattung kümmern.“ Letzteres wäre sehr schlecht für das Schultheater. Denn natürlich ist schon einiges an Geld ausgegeben, das durch die Tickets kompensiert wurde. „Aber da geht es uns wie vielen anderen“, so Martensen und hofft, dass es irgendwie weitergeht, zur Not hat er in seinem Fundus viele kleine Wunderlampen und dazu einige „Dschinns“ in seinem Ensemble – die sollten doch Wünsche erfüllen können. vmn