Sein Ziel: Selbständigkeit für alle

Ab sofort setzt sich Carsten Berthold-Clausen kreisweit ehrenamtlich für Menschen mit Behinderung ein. Foto: Kirsten Böttcher

Plön. Der Kreis wünschte sich Unterstützung und Beratung, und so beschloss der Kreistag im Juni 2019, die Position eines ehrenamtlichen Kreisbeauftragten für Menschen mit Behinderung einzurichten. Drei Bewerbungen gingen ein, die Wahl im Kreistag erfolgte im Dezember, die Berufung von Carsten Berthold-Clausen für fünf Jahre durch Landrätin Stephanie Ladwig und Kreispräsident Stefan Leyk am vergangenen Mittwoch.

Berthold-Clausen bringt viel Erfahrung und Leidenschaft mit. Nach theologischer und sozialpädagogischer Ausbildung zum Diakon arbeitete er zunächst im kirchlichen Bereich, dann folgte er seinem Herz und ging zur Lebenshilfe. 30 Jahre war er hier im Kreis Plön als Bereichsleiter tätig. „Ich habe die Tagesförderstätte für sehr schwer behinderte Menschen aufgebaut, mich für den sonderpädagogischen Bereich und den Förderbereich eingesetzt“, berichtet der 64-Jährige, der seit Juli Rentner ist. Ein großes Anliegen war ihm auch der Werkstattrat. „Hier habe ich gelernt, dass die Menschen ihre Meinung sagen können, dass sie offene Augen und kluge Gedanken haben.“

So sei es auch zum Inklusionsprojekt „Bedarfsampel“ an der Wakendorfer Straße in Preetz gekommen. Dort war es für die Werkstattmitarbeiter schwierig, wenn nicht gar unmöglich gewesen, die viel und oft zu schnell befahrene Straße zu überqueren und selbstständig an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. „Außerhalb der Ortschaften sind Bedarfsampeln nicht vorgesehen“, erklärt Berthold-Clausen, „erst nach mehrfachen Begehungen, langen Verhandlungen und mit guten Argumenten der Werkstattmitarbeiter wurde die Bedarfsampel schließlich eingerichtet.“ Ganz Wakendorf habe davon profitiert. Für Inklusion und Teilhabe will er sich auch in Zukunft als Kreisbeauftragter für Menschen mit Behinderung einsetzen, „gut zuhören, Bedarfe formulieren, Lösungswege finden, verlässlich antworten.“

Kreispräsident Leyk betonte, wie wichtig es sei, jemanden zu haben, „der eine andere Brille aufsetzt. Carsten Berthold-Clausen soll Kreistag und Kreisverwaltung beraten, in den Ausschüssen der Selbstverwaltung auch intern wirken. Ich wünsche mir einen Kümmerer, der Partei für seine Klientel ergreift.“

Zunächst möchte Berthold-Clausen als langjähriger Netzwerker alle Behindertenbeauftragten der Städte und Gemeinden des Kreises Plön einladen, „mich informieren und sehen, wo die Baustellen sind.“ Oft sei nicht die Behinderung schwierig, sondern das Hindernis, weiß er. Ein Thema sieht er in der Durchsetzung der leichten Sprache: „Überall, vom Kindergarten über die Schule, in den Behörden, beim Arzt oder im Krankenhaus gibt es die Barriere Sprache – wir müssen für eine bessere Verständigung sorgen.“ Und auch zum neuen Bundesteilhabegesetz sieht er viele Fragen auf sich zukommen. „Ich möchte, dass alle Menschen so selbstständig wie möglich leben, wohnen, dabei sein können“, formuliert er ein Ziel und freut sich, dass er seine Leidenschaft jetzt ehrenamtlich einbringen kann, „denn diese Menschen sind mir die wichtigsten.“ kib

Immer montags und mittwochs wird Carsten Bethold-Clausen in seinem barrierefreien Büro in der Kreisverwaltung Plön sein, Termine nach Absprache. Zu erreichen ist er per Tel. 0173/7675524, per E-Mail: beauftragter@kreis-ploen.de