Schutzhandschuhe im Alltag?

Zum Schutz vor Infektion tragen manche Menschen zum Beispiel beim Einkaufen Handschuhe. Foto: Sabrina Böhm

Kiel. Viele Menschen fragen sich, wie sie sich in der Öffentlichkeit am besten vor einer Corona-Infektion schützen. Immer öfter sieht man Menschen mit Schutzhandschuhen aus Latex oder Nitril. Doch wie sinnvoll ist es, Einweghandschuhe im Alltag zu tragen, und was ist zu beachten?

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gibt es derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen wurde, dass sich Menschen durch Kontakt mit kontaminierten Gegenständen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Denkbar seien allerdings Schmierinfektionen, wenn ungewaschene Hände mit Schleimhäuten in Berührung kommen.

Wie lange die Coronaviren auf einer Oberfläche infektiös sind, sei von vielen Faktoren abhängig, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). In Labortests einer amerikanischen Arbeitsgruppe kamen Werte heraus, die den einen oder anderen beunruhigen könnten. Nach starker Kontamination konnten die Viren bis zu drei Stunden als Aerosol (fein verteilte Partikel in der Luft), bis zu vier Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu drei Tage auf Edelstahl und Plastik infektiös bleiben. Das RKI hält die Untersuchungen für nicht übertragbar auf den Alltag. Das ist auch die Auffassung von Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Leiter des Kieler Instituts für Infektionsmedizin: „Ich sehe da keine große Infektionsgefahr. Die Menge der Viren ist oftmals zu gering.“ Auch das Tragen von Einweghandschuhen sieht Finkenscher als unnötig an. „Die Viren werden nicht über die Haut aufgenommen, sondern über die Schleimhäute. Daher ist es das Wichtigste, sich häufig die Hände zu waschen und sich nicht ins Gesicht zu fassen.“ Coronaviren sind Viren, die von einer Fettschicht umhüllt sind, daher ist das Händewaschen mit Seife eine gute Möglichkeit, die Viren unschädlich zu machen, so das BfR.

Einweghandschuhe ersetzen nicht das Händewaschen. Denn die Tragedauer eines Paars ist begrenzt, und nicht alle Varianten lassen sich mit Desinfektionsmittel reinigen, weil sie nicht chemikalienbeständig sind. Während Einweghandschuhe aus der Drogerie oftmals nur den Schutzindex Klasse 1 haben und damit nur zehn Minuten lang äußere Verschmutzungen fernhalten, haben medizinische Untersuchungshandschuhe einen Schutzindex bis zu 480 Minuten (Klasse 6). Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention weist zudem darauf hin, dass das kontaminationsfreie Ablegen der Handschuhe eine große Rolle spielt. In jedem Fall muss im Anschluss eine Handdesinfektion durchgeführt werden.

„Sinnvoll ist das Tragen von Handschuhen eigentlich nur für das Personal an der Kasse“, so Fickenscher. Sie kommen jeden Tag mit sehr viel Geld in Berührung und das sei immer mit Krankheitserregern besiedelt. „Der beste Rat, sich vor einer Infektion zu schützen, ist, sich nicht anhusten oder anniesen zu lassen. Zudem ist regelmäßiges Händewaschen die beste Prävention.“ Schutzhandschuhe sollten dem medizinischen Fachpersonal und den Pflegern überlassen werden. saa