Rettung vor der Schrottpresse

So wie dieser Kleinwagen kommen die sichergestellten Fahrzeuge meist auf der Ladefläche eines Abschleppwagens auf das Gelände am Tonberg. Foto: kst

Stadt Kiel versteigert wieder Altautos, die am Straßenrand stehengelassen wurden

Kiel. „Ich habe aufgehört zu versuchen, alles zu verstehen“, sagt Lars Evers vom Kieler Bürger- und Ordnungsamt. Er kümmert sich um Autos, die an öffentlichen Straßen stehen und langsam Moos ansetzen, weil niemand sie mehr haben will. Oft sind solche Wagen defekt, oft auch längst abgemeldet. Lars Evers sorgt dafür, dass diese Autos aus dem öffentlichen Verkehrsraum verschwinden. Zunächst versucht er dann, die Halter zu ermitteln. Manchmal erfährt er dabei von menschlichen Schicksalen mit finanziellen Katastrophen, manchmal, dass Autos tatsächlich schlicht vergessen wurden. Doch hin und wieder erfährt er überhaupt nichts, oder die Sache bleibt so rätselhaft, wie bei der Frau, die ihr Auto voller dienstlicher Unterlagen eines Tages offenbar ganz normal parkte und dann einfach verschwand.

Um rund 200 bis 300 zurückgelassene Autos, aber auch Anhänger, Wohnwagen, Motorroller oder selten auch Motorräder kümmert sich das Kieler Ordnungsamt im Jahr, Tendenz steigend. Erste Maßnahme ist meist ein roter Zettel des Ordnungsamts an der Winschutzscheibe. Meistens meldet sich dann jemand bei Amt. „In den meisten Fällen lassen wir dann ja auch mit uns reden“, sagt Lennart Wilke, Sachbereichsleiter in der Bußgeldstelle des Ordnungsamtes. Doch in zehn bis 20 Prozent der Fälle muss das Amt die Fundfahrzeuge sicherstellen, auf Kosten der Stadt abtransportieren und zum Sicherstellungsgelände am Kieler Tonberg 15 bringen lassen. Wenn der Platz voll ist, kommen die Fahrzeuge, bei denen kein Halter ermittelt werden konnte oder deren Halter sich weigert, es abzuholen, bei einer öffentlichen Versteigerung unter den Hammer. „Mit etwas Glück bekommen wir so zumindest einen Teil unserer Kosten wieder rein“, sagt Lennart Wilke.

Weil es für die meisten Fahrzeuge weder Schlüssel noch Papiere gibt und der technische Zustand einer Wundertüte gleicht, werden viele Autos von professionellen Verwerten gekauft, die sie als Ersatzteillager ausschlachten. Doch manchmal sind auch mögliche Schätze dabei. So können die Käufer bei der nächsten Auktion am kommenden Mittwoch, 28. Oktober, auch auf ein BMW-Enduro-Motorrad in gutem Zustand bieten und auf einen wahrscheinlich mindestens 400 PS starken BMW, der mit einem ausländischen Kennzeichen ein halbes Jahr lang in Kiel am Straßenrand stand, bevor das Ordnungsamt ihn sicherstellte.

In Schleswig-Holstein ist Kiel die einzige Stadt, die solche Fahrzeuge öffentlich vor Ort versteigert. Verkauft wird bei den Auktionen alles, egal zu welchem Preis – wenn ein Wohnwagen ohne Fenster noch 10 Euro bringt und der Käufer einen Hühnerstall daraus machen will, ist das auch in Ordnung. Hauptsache, die Käufer bezahlen sofort in bar und nehmen ihr Fahrzeug ohne Probefahrt oder irgendeine Garantie gleich mit.

Bei der nächsten Auktion am 28. Oktober ab 10 Uhr kommen 35 Autos, sieben Motorroller, ein Motorrad und vier Anhänger unter den Hammer. Käufer müssen ihren Ausweis und Bargeld dabei haben. Einlass ist bereits ab 9 Uhr. kst

Wer dabei sein möchte, muss sich mit vollem Namen, Adresse und Telefonnummer noch schnell bis zum kommenden Montag, 26. Oktober, per E-Mail an AD-Bussgeldstelle@kiel.de oder unter Tel. 0431/9014225 anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.