„Refurbishing“ – Was soll das denn sein?

Im Refurbishing-Prozess der Seloca GmbH werden täglich bis über 3.000 Geräte datentechnisch gelöscht. Foto Seloca

Kieler Unternehmen Seloca bereitet elektronische Geräte wieder auf

Kiel. „Refurbishing“ heißt das Zauberwort: Hinter diesem englischen Begriff verbirgt sich das Geschäftsmodell des Green-IT-Unternehmens Seloca. Die Kieler bereiten elektronische Geräte wieder auf – kurz vor Weihnachten haben sie die Eine-Million-Geräte-Marke geknackt. Durch das Refurbishment werden nicht nur wertvolle Rohstoffe eingespart, sondern auch ein Beitrag zum Senken des CO2-Ausstoßes geleistet.

„Seloca arbeitet mit fast 50 Betreibern von Kabel- und Glasfasernetzen aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen“, erklärt Pressesprecher Thomas Fuchs. „Wir kümmern uns dabei um technische Endgeräte, die beim Kunden eingesetzt werden, wie zum Beispiel WLAN-Router wie Fritzboxen, Kabelmodems und Set-Top-Boxen. Seloca übernimmt für seine Kunden das komplette Bearbeiten von Boxen aus Kundenretouren.“ Schließlich werden immer wieder Boxen infolge von Umzug, Vertragskündigung oder anderen Gründen an die Netzbetreiber zurückgesendet. Früher wurden diese Boxen entsorgt, obwohl sie eine sehr hohe Lebensdauer haben. Dabei gingen viele wertvolle Rohstoffe wie Gold, Platin, Aluminium, Kupfer und Tantal verloren. Rohstoffe, die nur mit sehr hohem Energieaufwand und CO2-Ausstoß gefördert und verarbeitet werden können.

Unnötig, wie Thomas Fuchs sagt: „Bei rund 90 Prozent dieser Rücksendungen handelt es sich um technische Endgeräte, die bei anderen Kunden nach einer Aufbereitung wieder eingesetzt werden können.“ Wenn die Boxen in Kiel ankommen, werden sie zunächst auf Funktionsfähigkeit getestet. Bestehen sie den Test, wird die neueste Software des Netzbetreibers auf die Box aufgespielt. Äußere Gebrauchsspuren werden beseitigt, aufpoliert, und in einigen Fällen werden die Gehäuse getauscht. Die wiederaufbereiteten Boxen werden dann in umweltfreundlichen Verpackungen des Netzbetreibers beziehungsweise Herstellers an Kunden versendet.

„Aktuell werden so 400.000 Geräte pro Jahr in Kiel wiederaufbereitet“, sagt Fuchs. „Mit einem neuen Testsystem als Basis ist ab 2021 sogar die Wiederaufbereitung von weit über 500.000 Boxen in Kiel möglich.“ Pro Arbeitstag kann dann sogar rund eine halbe Tonne CO2 eingespart werden.

„Refurbishing ist 2020 zu einem der Modethemen in der IT-Branche geworden“, bilanziert Seloca-Geschäftsführer Matthias Künsken. „Dies ist sehr positiv. Denn immer mehr Betreiber von Breitbandnetzen erkennen dessen besondere Bedeutung und Umweltrelevanz für Ihr Geschäft und Ihre Kunden.“

Immer mehr Netzbetreiber beauftragen das Unternehmen mit zusätzlichen Aufgaben bis hin zum kompletten Boxenmanagement. Das umfasst die Konfiguration neuer Geräte, den Versand an Endkunden, Retouren direkt vom Endkunden sowie den Austauschservice. Auch dadurch lassen sich CO2-Ausstöße reduzieren: So werden Boxen zum Beispiel direkt an der Haustür beim Kunden getauscht und so doppelte Fahrten vermieden.

Doch Refurbishment ist nicht nur aktiver Umweltschutz, die Branche hat zudem die Systemrelevanz der Kieler erkannt, erzählt Fuchs. Wenn internationale Lieferketten für Endgeräte und Ersatzteile unterbrochen sind, wird es eng, falls beim Kunden Zuhause der Router ausfällt. Dank vorausschauender Lagerhaltung in Kiel kennen Netzpartner dieses Problem nicht.

Nachhaltigkeit und Menschlichkeit lebt Seloca auch bei den Mitarbeitern. So wurden unter anderem auch Flüchtlinge eingestellt, für die sich das Unternehmen sogar mit einem eigenen Beauftragten für Behördengänge engagiert. „Wir bieten Männern und Frauen eine Arbeitsperspektive, Beschäftigung und eine Ausbildung“, sagt Fuchs. Darüber hinaus arbeitet Seloca eng mit Behindertenwerkstätten in Neumünster zusammen. svp