Plötzlich wollen alle streamen

Für kleinere Gesprächsrunden, wie hier bei der Aufzeichnung einer Sendung für den Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, ist auch mit den nötigen Abständen noch ausreichend Platz im Fernsehstudio. Foto: Peter Willers

Kiel. Ferngesteuerte Kameras, ein ausgebuchtes Fernsehstudio und jede Menge Arbeit – auch im Offenen Kanal Schleswig-Holstein (OKSH) hat sich im Corona-Jahr 2020 einiges verändert. Viele wollen ihre sonst öffentlichen Diskussionsrunden aufzeichnen oder live online übertragen – der Offene Kanal hat genau dafür die richtige Ausstattung.

„Es macht uns riesigen Spaß, dass unser Konzept so stark nachgefragt wird“, sagt Peter Willers, Leiter vom OKSH. Im Kieler Fernsehstudio vom Offenen Kanal gebe es aktuell viel mehr zu tun als sonst, vor allem sind auch viele andere Aufgaben hinzugekommen. Bis Weihnachten sei das hauseigene Studio komplett ausgebucht. „Bereits seit dem 16. Dezember 1991 senden wir aus diesem Studio“, so Willers, „die Außenmauern sind gleich geblieben, aber hier drinnen hat sich fast alles verändert.“ Vor allem in diesem Jahr haben sie aufgrund der Abstandsregeln einiges umgebaut. So wurde vor der Corona-Zeit nur etwa der halbe Studioraum genutzt, um Gesprächsrunden wie den Kieler-Dialog oder die Kieler Rathausrunde aufzuzeichnen. Politiker und Moderatoren standen eng beieinander. Nun können im ganzen Raum bis zu acht Stehtische mit ausreichend Abstand platziert werden, die von mehreren Kameras erfasst werden. „Wir haben auch ganz neu hier ferngesteuerte Kameras angebracht, um die Mitarbeiterzahl im Studio zu reduzieren“, so Willers. Doch der OK bietet nicht nur die Technik, sondern auch das passende Know-how dazu. „Wir verstehen schon lange etwas von Streaming“, so Willers.

Im ganzen Haus wurde „eine halbe Tonne Plexiglas“ verbaut, so Willers. „Wir wollten Sicherheit für alle Kollegen und Bürger, die hier aktiv sind“, so Willers. Es entstanden neue Arbeitsbereiche, Räume wurden umfunktioniert, Engstellen entzerrt. Der Radiobereich laufe relativ autark, denn der Zugang zum Hörfunk-Studio ist möglich, ohne anderen Menschen im Haus zu begegnen. „Die Bürger sind hier auch nach wie vor aktiv dabei“, freut sich Willers. Ein weiterer Bereich des OK ist die Medienkompetenz. Hier werden unter anderem schulische Fachkräfte und Eltern im Umgang mit neuen Medien fortgebildet. Zurzeit gibt es hier nur Online-Seminare. Das sei aber kein Problem, denn bereits seit zehn Jahren werden hier Videokonferenzen genutzt. Etwas auseinandergedriftet ist aktuell der „Makerspace“, der sonst gleich im Eingangsbereich aufgebaut war, und nun auf mehrere Räume verteilt ist. Mit 3D-Drucker, Lasergravierer und weiteren Maschinen können Jugendliche und Erwachsene sich hier im Umgang mit Hard- und Software ausprobieren. Das Prinzip des Offenen Kanals lautet „Medien selbst machen“, das gelte auch für Digitales, so Willers. Wer also selbst einmal eine Veranstaltung im Fernsehstudio oder Radio machen möchte, kann sich gerne melden. saa