Nachhaltigkeit mit Häufchen am Häuschen

Roland Meingast (v.li.), Architektin Sabine Schlüter und Bastian Etter wollen mit dem Zero Waste Space für ein Umdenken im Bausektor sorgen. Foto: Thorben Bull

Prototyp stellt Konzept für weitgehend Abfallfreies Bauen und Wohnen vor

Kiel. Architektin Sabine Schlüter forscht im Fachbereich Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule nach Gestaltungslösungen für den Zero Waste Space (ZWS).

Was hinter der Idee des ZWS steckt, zeigt sie jetzt mit einem 20 Quadratmeter großen Haus aus Holz und Lehm samt eigenem Wasser- und Abwasserkreislauf, das ein nahezu abfallfreies und ressourcenschonendes Bauen und Bewohnen ermöglichen soll. Dafür fand die Kieler Architektin in den beiden Spezialisten Roland Meingast (Firma Lopas, Wien) und Bastian Etter (Firma Vuna, Zürich) kompetente Kooperationspartner. Zero Waste bedeutet hauptsächlich, möglichst wenig Energie und Ressourcen zu verbrauchen.

Wie aber wohnt es sich möglichst ressourcenschonend und müllfrei im ZWS? Den Anfang macht bereits der Bau aus Holz (wächst nach) und Lehm. „Der Lehm könnte selbst nach 100 Jahren wieder eingeweicht und erneut verwendet werden“, so Meingast. Für Dämmung sorgt eine Strohfüllung in den Wänden. Die witterungsbeständige Ostfassade wurde mit Kuhdung gebunden und verstärkt. Die Materialien sollen der Natur verlustfrei zurückgeführt werden können. Strom bezieht der ZWS durch eine Photovoltaikanlage. Eine Wärmerückgewinnungsanlage führt der einströmenden Luft rund 90 Prozent der Wärme aus der Abluft zu. 

Bastian Etter ist für das Wasser- und Abwasserkreislaufsystem verantwortlich. Das System nutzt Regenwasser als einzige Wasserquelle, filtert und reinigt es vor der Verwendung. Das Abwasser wird in eine Pflanzenkläranlage geleitet. „Das muss man sich wie einen großen Blumentopf vorstellen, in dem die Pflanzen und Bakterien in der Erde sich des Abwassers annehmen“, so Etter.

Die Notdurft wird auf einer Trockentoilette verrichtet. Via Pedalbetätigung wird der Kot per Förderband durch eine Wandöffnung auf einen Kompost geleitet. Der Urin wird in der Toilette abgetrennt. Er soll künftig in einen Dünger mit dem Namen „Aurin“ umgewandelt werden. Noch ist Aurin in Deutschland aber nicht zugelassen. Weiter lässt sich eine in der Dusche verbaute Kunststofffolie (noch) nicht vermeiden.

Der Prototyp des ZWS ist gegenwärtig noch ein Rohbau. Vier der 20 Quadratmeter Fläche fallen für den Technikraum an. Somit bleibt eine Wohnfläche von knapp 16 Quadratmetern, bestehend aus einem Wohnraum samt Küchenzeile und einem kleinen Bad. Der ZWS ist allerdings skalierbar entwickelt, es geht also auch größer.

Im Mai soll der Prototyp fertig sein und dann zunächst an verschiedenen Standorten in Schleswig-Holstein gezeigt werden, bevor er im Sommer im Wissenschaftspark in der Nähe der Kieler Universität zum Probewohnen einen Platz bekommt. Inge Schröder, Wissenschaftliche Leiterin im Muthesius Transferpark, hofft, während der Umsetzung und mit den später im Betrieb gewonnenen Forschungserkenntnissen das Umdenken im konventionellen Bausektor befördern zu können: „Das Bauwesen verursacht europaweit 60 Prozent der Abfälle. Wir wollen mit dem Zero Waste Space zeigen, dass es auch anders geht.“ tbu