Miefige Haufen mit Potential

Für ihre Idee, aus angespültem Seegras einen Werkstoff herzustellen, ist das Team von „Rematter“ mit dem Publikumspreis des Yooweedoo-Ideenwettbewerbs ausgezeichnet worden. Foto: Christina Lin

Kiel. Die Seegraswiesen im flachen Wasser zum Beispiel vor den Stränden der Ostseeküste sind ökologisch besonders wertvolle Biotope. Bei vielen Menschen weniger geschätzt sind aber die langgezogenen Haufen von alten Seegrashalmen, die zusammen mit anderem Treibgut auf den Stränden landen. Vor allem Touristen freuen sich wenig darüber, „ihren“ Badestrand mit den unangenehm riechenden Haufen teilen zu müssen. Eine Gruppe von Studierenden der „School of Sustainability“ der Kieler Uni will mit dem Projekt „Rematter“ das Image der stinkenden Seegrashaufen verbessern und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen. Beim diesjährigen Yooweedoo-Ideenwettbewerb, der von der „School of Sustainability“ und der gemeinnützigen Zukunftsmacher-Akademie veranstaltet wird, konnte „Rematter“ nicht nur eine Förderung mit 2000 Euro ergattern, sondern räumte auch noch den mit weiteren 1000 Euro dotierten Publikumspreis ab.

„Rematter“ sind Luzie Siegel, Magdalena Gerberding, Bogdan Skokovic, Helene Heinze, Christina Lin, Lena Winkelmann und Dorothee Uchtmann. „Uns verbindet die Liebe zur Natur, zum Meer und zum handwerklichen Arbeiten“, erklärt die Sprecherin der Gruppe, Christina Lin. Dass das zum überwiegenden Teil aus Seegras bestehende „Treibsel“, wie sie die Haufen nennt, vor allem früher bereits genutzt wurde, ist eine Grundlage, auf der das Start-up aufbauen kann. „Man hat schon Kissenfüllungen, Dämmmaterial und Dünger daraus gemacht, aber das ist heute wieder ein bisschen in Vergessenheit geraten“, sagt Christina Lin. Ein Unternehmen in Griechenland bietet unter anderem Handyhüllen an, die zum Teil aus Seegras bestehen. „Rematter“ will weitere Möglichkeiten zur Verwendung finden. Ein allererstes Produkt ist ein aus getrocknetem und geschreddertem Seegras geschöpftes dunkelbraunes Papier.

Mit dem Geld aus dem Yooweedoo-Wettbewerb und den Kontakten, die die Studierenden bereits zu Materialwissenschaftlern und möglichen Produktionsstätten geknüpft haben, wollen sie nun weitergehen. Innerhalb der kommenden sechs Monate will das Team aus der Kombination von Seegras und pflanzlichem Bindemittel wie Gluten, Sojaprotein oder ähnlichem verschiedene Material-Prototypen entwickeln und herstellen, die dann weiter getestet werden können.

Seegras ist von Natur aus resistent gegen Schimmel und brennt nicht. Und die von „Rematter“ angestrebten Seegras-Produkte wären zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Vor allem aber soll die Nutzung der vermeintlich nutzlosen Haufen vom Strand ein Umdenken bewirken: dass auch diese Haufen Bestandteile des Ökosystems sind, die auch noch sinnvoll verwertet werden können. kst

Infos zum Projekt gibt es in Kürze unter www.rematter.de