Mehr als nur ein Wandgemälde

Von außen ist der Iltisbunker stadtbekannt, aber auch innen hat er viel zu bieten. Foto: Christina Kröger

Bunker waren im Krieg die letzten Zufluchtsorte. Wer sie aufsuchen musste, fürchtete um sein Leben. Die Webseite www.bunker-kiel.de geht davon aus, dass es in Kiel mindestens 126 bombensichere Anlagen gab, ihre Reste sind noch heute zu finden. Einige Bunker werden wieder genutzt, teilweise als Orte zum Feiern, für Hobbys oder als spannende Lernorte. In einer kleinen, unregelmäßigen Serie stellt der Kieler Express solche Bunker vor. Heute: der Iltisbunker in Gaarden.

Kiel-Gaarden. Viel wurde über den Hochbunker in der Iltisstraße in Kiel-Gaarden berichtet. Über abblätternde Fassaden, Künstler, Wandbilder und Denkmalschutz. Wer auch nur ein bisschen in der Zeitung oder im Internet gelesen hat, der kennt den Iltisbunker – zumindest von außen. Dass es innen auch ganz spannend ist, wissen im Moment nur die Partygänger.

Gebaut in den frühen 1940er-Jahren, war der Iltisbunker früher ein Ort, in dem die Menschen aus Kiel Schutz suchten vor den Bomben im Krieg. Rund 670 Personen passten damals dort rein auf einer Gesamtfläche von 1200 Quadratmetern. Seit 2014 sieht das anders aus. Heute treffen sich hier Menschen zum Feiern, Spaß haben, zu Bandproben und für Konzerte. Auf einer Veranstaltungsfläche von 200 Quadratmetern ist Platz für 199 Personen.

Georg Sartorius ist der Besitzer des Bunkers. Richtig gelesen – der Besitzer. Wie kommt man eigentlich darauf, sich einen Bunker zu kaufen? „Ich bin bereits seit 2006 Pächter des Rathausbunkers“, erklärt Sartorius. „Und dann habe ich 2007 einfach mal einen Brief an die Stadt Kiel geschrieben.“ Er wolle den Bunker kaufen, stand darin. Ein bisschen gedauert hat das Ganze dann aber doch noch, erst 2014 war es soweit. „Eigentlich wollte ich über den Veranstaltungsräumen noch eine Wohnung einrichten“, sagt Georg Sartorius, „aber mit dem Denkmalschutz, der jetzt auf dem Gebäude liegt, darf ich ja keine Fenster mehr einbauen.“ Eine Wohnung über einem Veranstaltungsgebäude, ist das nicht ohnehin ein bisschen laut, wird sich der ein oder andere fragen. Und auch die Nachbarn, die in den Häusern direkt neben dem jetzigen Veranstaltungsgebäude wohnen, sind sicherlich nicht begeistert von acht lauten Partys im Monat. „Draußen hört man nichts“, erklärt der Besitzer jedoch, „höchstens ein kleines Dröhnen, wenn jemand den Lüftungsschlitz offengelassen hat.“ Das liegt an den massiven Betonwänden. Zum Nebengebäude sind diese immerhin 1,10 Meter dick, zur Preetzer Straße ganze 2,50 Meter, und die Decke des Bunkers ist mit drei Metern Beton sogar noch dicker.

Was früher dazu da war, den Kielern ausreichend Schutz zu bieten, ist heute also eine praktische Eigenschaft, um Lärmbelästigung zu vermeiden. „So können wir mit unseren Veranstaltungen mittendrin bei den Leuten sein“, so Sartorius.

Für alle Events verantwortlich ist seit November 2019 Tim Summer, gemeinsam mit einem 16-köpfigen Team, das hinter ihm steht, zum Beispiel, wenn es um die Renovierungsarbeiten geht, die eigentlich laufend anfallen – die Sanitäranlagen sind noch aus der Entstehungszeit des Bunkers, die Gänge sind eng. „Musikalisch möchten wir eine Ergänzung zum Rathausbunker sein“, so Summer – auch hier ist er verantwortlich für die Events. „Da im Iltisbunker auch Probenräume vermietet werden, möchten wir bei den Veranstaltungen auch auf Live-Auftritte setzen und eine Plattform für Bands sein.“

Doch mieten kann man die Räume des Hochbunkers nicht nur für Partys oder Konzerte – auch private Feiern können hier stattfinden, und das Angebot soll noch erweitert werden: „Gerade sind wir auch in Gesprächen für Poetry-Slams, und ab Februar wird es Abende mit Comedians geben“, berichtet Tim Summer. „Für das zweite Kieler-Woche-Wochenende arbeiten wir außerdem gemeinsam mit den Veranstaltern an einem Konzept.“ Im Sommer soll dann auch die Grünfläche vorm Bunker tagsüber genutzt werden, nicht zum Feiern, sondern zum gemütlichen Zusammensitzen.

Bei so viel Freude und Fröhlichkeit vergessen die Gäste bestimmt ganz schnell, wo sie da gerade feiern, oder? Transportieren Partys im Bunker eine andere Stimmung? „Das kann ich so nicht sagen“, erzählt Tim Summer, „die Stimmung deckt sich eigentlich mit der Musik, die wir spielen. Die wird auch in Berliner Clubs gespielt, die auch meist dunkel sind. Bei anderen Veranstaltungen sieht das vielleicht anders aus.“ Künstler, die häufiger im Iltisbunker ausstellen, schätzen die eher leeren Wände zum Beispiel. Außerdem haben die Verantwortlichen nicht einfach den Bunker gekauft und sofort Partys gefeiert. „Am Anfang haben wir einen Info-Tag gehabt und den Bunker für Gäste geöffnet“, berichtet Georg Sartorius. „Da waren auch viele Menschen da, die den Bunker noch aus den Kriegstagen kennen. Ein älterer Herr, der an dem Tag hier war, musste im Bunker sogar einmal Schutz vor den Bomben suchen.“

Christina Kröger

Mehr Infos zu Veranstaltungen und Vermietungen auf dem Facebook-Account „bunkerclubkiel“ oder bald auf der eigenen Internetseite www.bunker-kiel.club