Linien von innen nach außen getragen

So könnte das neue Werk von Hanna Bohnen aussehen, wenn es fertig installiert ist Der Entwurf „Liquid Lines“ zeigt eine mäandernde Linie, die aussieht wie der schleifenförmige Verlauf eines Flusses. Foto: Alex Williamson

Kiel. Kiel wird um ein vielschichtiges und spielerisches Kunstwerk im öffentlichen Raum reicher: Die Berliner Künstlerin Hanna Bohnen hat in einem Wettbewerb die Jury mit ihrem Beitrag „Liquid Lines“ überzeugt. Dieser soll nun in den kommenden Monaten am Hörnbad umgesetzt werden.

Der Kunstbeirat der Landeshauptstadt Kiel hatte im Januar diesen Wettbewerb ausgelobt und fünf Künstlerinnen und Künstler zur Teilnahme eingeladen. Ziel war es, ein Kunstwerk zu realisieren, das sich beispielsweise mit der geografischen Lage des Hörnbades zwischen West- und Ostufer, mit der Historie des Ortes oder mit der Funktion des Gebäudes befasst. Über die eingereichten Beiträge wurde Anfang April beraten, und eine Umsetzung am Hörnbad soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Jury beriet sich in einem anonymen Verfahren und wählte einstimmig den Beitrag von Hanna Bohnen aus. Damit erhält die Künstlerin 30.000 Euro Preisgeld und wird ihre Arbeit nun am Hörnbad umsetzen.

Der Entwurf „Liquid Lines“ zeigt eine mäandernde Linie, die aussieht wie der schleifenförmige Verlauf eines Flusses – aufgetragen mit Fahrbahnmarkierungsfarbe –, die sich über den gesamten Bäderboulevard vor der Architektur des Hörnbades erstreckt. Grundlage dieser Linie ist die körperliche Bewegung im Innenraum des Gebäudes. Mit Hilfe des Motion-Tracking-Verfahrens werden die dreidimensionalen Bewegungen von Schwimmern im Hörnbad aufgezeichnet, digitalisiert und in eine zweidimensionale Linie übersetzt. Die Bewegungen im Inneren des Schwimmbades werden so auf subtile Weise in den Außenraum übertragen.

Als Vorsitzender der Jury dankt Dr. Peter Kruska allen Beteiligten für die Teilnahme an dem Wettbewerb und ihre äußerst unterschiedlichen und qualitätsvollen Entwürfe. Er freut sich, dass mit Hannah Bohnen eine junge Künstlerin ausgewählt wurde, die ihr Studium in Kiel absolviert hat und für ihr bisheriges Werk mit dem jüngsten Gottfried-Brockmann-Preis ausgezeichnet wurde. Gleichzeitig sieht er die Arbeit als eine gelungene Bereicherung der Kunst im Kieler Stadtraum: „In ihrem Entwurf ‚Liquid Lines‘ ist es Hannah Bohnen gelungen, über einen minimalen Eingriff mit der dominanten Architektur des Hörnbads in Kommunikation zu treten und diese fast beiläufig und nebenbei um einen unübersehbaren, imaginären Raum zu erweitern.“

Hannah Bohnen lebt und arbeitet in Berlin. An der Kunsthochschule Weißensee begann sie 2020 ihr Meisterschüler*innen-Studium in der Klasse von Friederike Feldmann. Im selben Jahr absolvierte sie das Masterstudium im Fachbereich Bildhauerei an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel bei Elisabeth Wagner und Michael Beutler. Seit 2018 wird sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. „Ich freue mich riesig über diese wunderbare Möglichkeit. Die Gestaltung des Bäderboulevardes am Hörnbad ist für mich besonders spannend, weil ich mich persönlich sehr mit der Stadt Kiel verbunden fühle und meine Arbeit direkten Bezug auf den Ort nimmt“, so die Künstlerin.