Kunst von innen und außen

Der Künstler Ruppe Koselleck führt die Gäste der per Video durch die Fensterausstellung. Foto: Jens Rönnau

Im Flandernbunker sind „Konfliktlandschaften“ zu sehen

Kiel. „Das Leben ist wertvoll“ klingt eine Frauenstimme aus dem Flandernbunker heraus, sobald es dunkel wird. Abends ist die historisch orientierte Kunstausstellung „Konfliktlandschaften“, die aktuell im Flandernbunker zu sehen ist, in Form von Fenstervideo-Projektionen auch von draußen erlebbar.

Die Künstlerinnen und Künstler Helene Baldursson, Andreas Brenne, Sarah Büchel, Nine Gerhardt, Iwona Sasinska, Ella Malin Visse und Ruppe Koselleck haben sich mit historischen Gewaltorten und Schlachtfeldern befasst – unter anderem mit den Gedenkstätten Auschwitz, Birkenau, Krakow, Plazów und Monowitz in Polen. Die kreativ-forschenden Ergebnisse, die sie jetzt im Flandernbunker zeigen, gehen nicht nur mit originalen Objekten der Orte um, sondern auch mit persönlichen Reflexionen sowie Fragestellungen nach den Themen Erinnern und Vergessen. Filme und Tagebuchaufzeichnungen des Erlebens jener historischen Gegenden stehen wieder und wieder überschriebene Schreibmaschinentexte gegenüber. Bilder von Ella Malin Wissel, die sie mit temperaturempfindlicher schwarzer Farbe zugemalt hat, können die Besucher mit einem Föhn sichtbar machen, um symbolisch an frühere (Zeit-)Schichten zu gelangen. Die Installation von Helene Baldursson enthält kleine Steinchen aus Auschwitz und Birkenau. Die Besucher können einen nehmen, ihn sich in den Schuh tun und der Künstlerin später mitteilen, wo ihr Schuh gedrückt hat.

Mit ihren Graphic Novels illustriert Iwona Sasinkska die Berichte ihrer Großmutter, die während des Zweiten Weltkriegs in einem Dorf bei Krakau aufgewachsen ist. Und in der Installation von Nine Gerhard können die Besucher herausfinden, welche Texte sich in den verwendeten Flaschen und Weckgläsern verbergen.

Arrangiert hat die Ausstellung der Künstler Ruppe Koselleck, der unter anderem Kühlschrankmagneten mit dem Signet „Arbeit macht frei“ zeigt. In einem 15-minütigen Video-Rundgang erläutert Koselleck die Exponate der Ausstellung.

Ebenfalls sind im Flandernbunker zu sehen die Dauerausstellung zur NS- und Kriegsgeschichte, sowie die Ausstellungen zur ehemaligen Ruine des U-Bootbunkers Kilian sowie zum Thema Flucht. Noch bis Ende April läuft außerdem die Ausstellung „War mein Opa Nazi?“.

Flandernbunker, Kiellinie 249 in Kiel. Die Fenstervideos laufen täglich von 18 bis 22 Uhr. Infos zu Öffnungszeiten unter www.mahnmalkilian.de oder unter Tel. 0431/2606309.