Kunst ganz unkompliziert

Leiter, Laser, Wasserwaage und ein bisschen Mut waren nötig, um die große Ausstellungswand mit den Bildern zu bestücken, die Kaddy Saho dafür ausgewählt hat. Foto: Jan Köster

Kiel. „Bilder leihen wie Bücher“ ist das Motto der Stadtbilderei Kiel – seit mittlerweile 40 Jahren. Zu ihrem runden Geburtstag bekommt die Stadtbilderei in der Stadtgalerie Kiel 25 neue Kunstwerke, die von Sonntag, 6. September, bis zum 19. September als Teil einer neun mal siebeneinhalb Meter großen Bilderwand mit insgesamt 115 Originalbildern im Foyer der Stadtgalerie Kiel in der Andreas-Gayk-Straße 31 zu sehen sein werden. Über ein Infoblatt können Besucher der Stadtgalerie den Bildern Titel und Künstler zuordnen und auch die Neuzugänge entdecken. Die eigentlich geplante feierliche Eröffnung der Geburtstagsausstellung ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. „Die Ausstellung wird einfach ab dem 6. September zugänglich sein“, sagt Dr. Peter Kruska, Leiter der Stadtgalerie Kiel. Die Zusammenstellung der gut 60 Quadratmeter großen Geburtstagsausstellung hat FSJ-lerin Kaddy Saho übernommen – „Ich wollte eine große Bandbreite zeigen, eben das, was die Bilderei zu bieten hat“, sagt die 20-Jährige.

Genau wie in einer Bücherei können Mitglieder der Kieler Stadtbilderei sich Originalkunstwerke ausleihen, sie eine Weile zu Hause an die Wand hängen und wirken lassen und sie dann durch neue Originale ersetzen. Das simple Prinzip trägt ganz bewusst dazu bei, die Hemmschwelle vor der Auseinandersetzung mit Kunst zu senken: Während Originalkunst für manchen fast schon etwas Heiliges hat, werden die Bilder der Bilderei zu Alltagskunst: Warum sie gefallen und wo sie aufgehängt werden, ist allein Sache der Bilderei-Nutzer.

Mit inzwischen mehr als 1600 Werken der verschiedensten Stilrichtungen und Techniken ist die Stadtbilderei Kiel eine der größten Artotheken Deutschlands und die größte und älteste in Schleswig-Holstein. „Und wir sind in ganz Deutschland die einzige Artothek, die sich als Stadtbilderei bezeichnet“, sagt Bilderei-Leiter Stephan Tresp.

Angefangen hat die Bilderei 1980 mit 373 Bildern in den Räumen der Förde Sparkasse Kiel. Inzwischen ist der Bestand auf mehr als 1600 Originale angewachsen. 1989 wurde die Stadtbilderei Teil des damals neu gegründeten Kulturviertels im Sophienhof, 2000 zog sie gemeinsam mit der Stadtgalerie an den heutigen Standort in der Andreas-Gayk-Straße um.

Zwischen 200 und 250 Entleiher nutzen das Angebot jeweils, weitere rund 300 sind als „pausierend“ in der Kartei verzeichnet. „Aber es kommt immer wieder vor, dass die sich irgendwann wieder melden und wieder Bilder ausleihen wollen“, so Stephan Tresp. 16 geschäftliche Kunden nutzen das Angebot, quasi im Abo regelmäßig einen neuen Satz Bilder für ihre Praxis- oder Geschäftsräume zu bekommen.

Von Anfang an lag ein besonderer Fokus auf lokalen und regionalen Künstlern, aber vereinzelt sind auch echte „Stars“ darunter – sogar zwei Originale von Salvador Dali gibt es. Die 25 Bilder, die der Förderverein der Stadtgalerie der Bilderei jetzt zum 40. geschenkt hat, sind Vorschläge aus den acht künstlerischen „Offspaces“, die es in Kiel gibt. Der Förderverein hat sie für je 300 Euro angekauft, auch um junge Künstler zu unterstützen. kst

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 10 bis 17 Uhr, Do 10 bis 19 Uhr. Tel. 0431/9013412, www.kiel.de/stadtbilderei