Kieler Landstrom jetzt auch für Kreuzfahrtschiffe

Der Übergabewagen ist eine Art selbstfahrende XXL-Kabeltommel, mit dessen Verlängerungskabel das Schiff an die eigentliche Landsteckdose angeschlossen wird. Von dort wird es während der Liegezeit mit einer Leistung von rund 5 Megawatt mit Strom versorgt. Foto: Jan Köster

Nicht nur am Color-Line-Terminal und am Schwedenkai, sondern auch am Ostseekai können Schiffe künftig an die Steckdose

KIEL. Jetzt ist auch die Landstromanlage am Kieler Ostseekai in vollem Betrieb. Mit dem Anschluss des Kreuzfahrtschiffes „AIDAsol“ starteten Seehafenchef Dirk Claus, Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und der CEO der Costa-Gruppe Michel Thamm den Regelbetrieb der Anlage, die laut Seehafengesellschaft zu den leistungsfähigsten in Europa gehört. Der eingesetzte Strom ist laut Seehafengesellschaft Ökostrom aus Wasserkraft.

Als bisher einzige in Europa kann die neue Kieler Anlage zwei Schiffe gleichzeitig mit Strom versorgen: zum Beispiel ein Kreuzfahrtschiff am Ostseekai und zeitgleich eine Fähre der Stena-Line am Schwedenkai.  Weil Schiffe dieser Größe annähernd die Einwohnerzahl und den Energiehunger von Kleinstädten haben, leistet die Anlage Entsprechendes: pro Schiff rund 5 Megawatt, insgesamt bis zu 16 Megawatt. Die Entfernung zwischen der eigentlichen Landsteckdose und den Anschlüssen im Schiff überbrückt ein Übergabefahrzeug, im Grunde eine sehr große selbstfahrende Kabeltrommel.

Während ein Schiff angeschlossen ist, zeigt das Display auf dem Gebäude der Landstromanlage den jeweils aktuellen Stromverbrauch des Schiffes und die entsprechende CO2-Einsparung an.

Bereits seit Jahresbeginn werden die Schiffe der Stena Line täglich mit Landstrom versorgt – pro Jahr sollen am Schwedenkai durch den Landstromanschluss rund 5000 Tonnen CO2 eingespart werden. Für jedes Kreuzfahrtschiff kommt eine Einsparung von rund 45 Tonnen dazu. Die Landstromanlage am Norwegenkai, die im Mai 2019 in Betrieb genommen wurde, spart weitere rund 3000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Bei der Eröffnung der knapp 14 Millionen Euro teuren Anlage kündigte Seehafenchef Dirk Claus an, in zwei bis drei Jahren auch im Ostuferhafen eine Landstromanlage in Betrieb zu nehmen. Dann wolle man 80 Prozent CO2-Einsparung im Kieler Seehafen erreichen. Bis 2030 soll der Kieler Seehafen klimaneutral werden. kst