Jugendliche auf der Flucht

Starke Emotionen durch bewegte Bilder - beim Filmprojekt "weltwärts" vom Jugendclub des Theater Kiels haben 15 Jugendliche sich in die Lage versetzt, wie es wäre, wenn hier Krieg wäre und sie flüchten müssten. Foto: Sven Wied

„Weltwärts“ vom Theater Kiel ist ein emotionales Gedankenexperiment

Kiel. Krieg und Flucht, Abschied und Ankommen – das sind die Themen im aktuellen Filmprojekt „Weltwärts“ vom Jugendclub des Theaters Kiel. Was als Tanztheater geplant war, musste coronabedingt neu gedacht werden. Die Lösung: ein emotionsgeladener Film, der am 12. und 13. Juni im Schauspielhaus gezeigt werden soll.

Jedes Jahr kommen Jugendliche im Jugendclub des Theaters Kiel zusammen, um ein Tanztheaterstück einzustudieren. Coronabedingt wurde die Produktion aus dem Vorjahr unterbrochen. Nun wurde sie als Film weiterproduziert. Die Handlung: In Europa bricht Krieg aus, und eine Gruppe von Jugendlichen wird auf ihrer Flucht begleitet. „Die Geschichte ist sehr emotional und angespannt. Vor allem die Atmosphäre beim Abschied“, sagt die 17-jährige Jonie Wanjohi.

Die Stationen der Flucht führen von der Verabschiedung von der eigenen Heimat über den Weg zur Grenze und dem Überqueren des Wassers bis hin zum Flüchtlingslager und dem Leben im Asyl. „Sonst fühlt man sich relativ weit weg von diesen Situationen“, sagt Pia Madsen, ebenfalls 17 Jahre alt. Um sich emotional in die Rollen einzufühlen, setzte sich das 15-köpfige Jugendteam rund um Theaterpädagogin Marie Coring mit dem Text „Krieg. Stell dir vor er wäre hier.“ von Janne Teller auseinander. „Der Text diente aber nur als Ausgangspunkt für unser eigenes Gedankenexperiment“, so Coring. Weiteren Input bekamen die Jugendlichen in Interviews mit der Seebrücke und Seawatch.

Mehr als eineinhalb Jahre lang wurde an dem Stück gearbeitet, Szenen gemeinsam geschrieben und auch passende Bewegungen erforscht. Hierbei kam Choreografin Lucia Glass ins Spiel, die die Jugendlichen erst live und später online zur Probe bat.

Da eine Aufführung des Stücks auf der Bühne nicht möglich war, entschied sich das Team für eine filmische Umsetzung. Die Kameraführung übernahm Tristan Steeg, Mitglied des Schauspielensembles am Theater Kiel. „Es kamen viele Impulse aus der Gruppe“, so Steeg. Viele Ideen entstanden auch erst direkt am Drehort. Gefilmt wurde an öffentlichen Orten in Kiel, aber auch in einem Flugzeughangar auf dem MFG-5-Gelände und an vertrauten Orten wie Schulhöfen und Basketballplätzen. saa

Der Film soll, sofern es die Lage zulässt, am Sonnabend, 12. Juni, 11 und 13 Uhr, und Sonntag, 13. Juni, 11 Uhr, im Schauspielhaus gezeigt werden. Karten gibt es eine Woche vorher bei allen bekannten Ticketstellen.