Im Netz „Über Grenzen sehen“

So dicht wie hier würden Manuel Zube (v.li.), Julius Werner, Lukas Wendtland und Sönke Schaak von „Über Grenzen sehen“ im Moment natürlich nicht mehr beisammen sitzen. Dieses Foto entstand noch vor dem Beginn der Corona-Krise beim Offenen Kanal Kiel. Foto: Tim Tilger

Kiel. Wer sich auf dem Youtube-Kanal von „Über Grenzen sehen“ umsieht, der trifft auf die Rollstuhlbasketballer „Kieler Wheeler“, auf tiergestützte Fördermaßnahmen auf Hof Bullerby und auf Eindrücke aus der inklusiven Partyszene. Themen, die in unserer Gesellschaft oft mit Berührungsängsten verbunden sind. Das Team von „Über Grenzen sehen“ zeigt: Das muss nicht sein. „Unser Ziel ist es, Tabuthemen locker aufzuarbeiten, Berührungsängste abzubauen und die Gesellschaft für Inklusion zu sensibilisieren“, erzählt Julius Werner, Initiator des Projektes. „Wir verstehen uns als Sprachrohr für Menschen mit Behinderung. Wir wollen die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf das Thema Inklusion lenken und unseren Beitrag dazu leisten, dass Grenzen aufgebrochen werden.“

Die Idee zu dem Projekt entstand, als Julius Werner gemeinsam mit dem damals 26-jährigen Manuel Zube, der das Down-Syndrom hat, eine Australien-Reise unternahm, die für die fünfteilige Doku-Serie „Manuel Down Under“ auf Arte begleitet wurde. „Wir wollten so ein Projekt in kleiner Runde weiterführen“, erklärt der Erzieher. Neben Julius Werner und Manuel Zube sind noch sechs weitere Teilnehmer bei „Über Grenzen sehen“ dabei, drei mit und drei ohne Behinderung, alle zwischen 18 und 42 Jahre alt. Jeder bringt sich so ein, wie er es möchte und kann – ob bei der Ideenfindung, vor der Kamera, beim Dreh, beim Schnitt oder der Moderation.

Die Leitstelle für Menschen mit Behinderung der Stadt Kiel hat das Projekt mit 10.000 Euro gefördert. „Davon haben wir uns professionelles Equipment besorgt“, so Werner, der bedauert, dass es sonst nur wenige Projekte für Menschen mit geistiger Behinderung gibt. Als Beitrag zur Inklusion soll das Projekt daher auf jeden Fall fortgeführt werden. „Geplant ist, dass wir Einzelpersonen porträtieren, die erzählen, was sie sich bezüglich Inklusion für Kiel und die Gesellschaft wünschen, oder was sie stört. Wir sind aktuell auch auf der Suche nach Menschen mit erworbenen Behinderungen, die ihre Geschichte erzählen.“

Auch wer andere kleine oder große Geschichten zum Thema hat, kann das Team von „Über Grenzen sehen“ über Facebook oder die E-Mail-Adresse Ueber-Grenzen-Sehen@gmx.de kontaktieren.

Laut derzeitiger Planung sollen zwei der bereits fertiggestellten Beiträge am 30. Mai im Kino der Pumpe gezeigt werden, vorgesehen ist dann auch eine Diskussion über Liebe, Sex und Menschen mit Behinderung. „Aufgrund der derzeitigen Situation muss der Abend eventuell verschoben werden“, bedauert Werner. Wer sich schon jetzt die Arbeit von „Über Grenzen Sehen“ anschauen möchte, dem sei der Youtube-Kanal des inklusiven Teams ans Herz gelegt. Heute erscheint ein neuer Beitrag, diesmal zum Thema Sexualbegleitung bei Menschen mit Behinderungen. „Das ist ein besonders spannendes Thema“, lädt Julius Werner ein – und gerade am heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag vielleicht den einen oder anderen Gedanken durchaus Wert. svp

Weitere Infos gibt es auf Facebook und Instagram unter „Über Grenzen Sehen“. Das neue Video zum Thema Sexualbegleitung ist ab sofort auf Youtube zu sehen.