Ideen statt Sakkos und Hosen

Seit 2017 steht das ehemalige Ansons-Kaufhaus leer. Für die neue Nutzung wird die bisherige Fassade voraussichtlich weitgehend unverändert erhalten bleiben. Foto: Jan Köster

Das „Kieler Ding“ soll Angebote von Co-Working bis E-Sports bündeln

Kiel. Drinnen im ehemaligen Kaufhaus des Herrenausstatters Ansons in der Kieler Holstenstraße sieht es jetzt auch ohne Ware und Regale noch ziemlich nach Kaufhaus aus: Die gleichmäßig verteilten Rippen-Leuchten in der abgehängten Decke, Parkettböden, die Rolltreppen im Zentrum der leeren Etagen. Es herrscht beigefarbene Ruhe. Doch nicht mehr lange.

„Die Rolltreppen kommen auf jeden Fall raus“, sagt Jens-Michael Janssen, Geschäftsführer bei der Hamburger Imvest-Gruppe. Künftige Besucher des Hauses werden die oberen Etagen entweder barrierefrei über Aufzüge oder über „richtige“ Treppen erreichen, denn „wir werden auf jeden Fall ein sportliches Haus sein“, betont Janssen. „Kieler Ding“ soll das ehemalige Kaufhaus dann heißen, und es soll ein dynamischer moderner Ort sein, an dem Dinge passieren, Dinge erfunden werden, Dinge zusammengebracht, Dinge verbessert werden und Menschen gemeinsam bei all diesen Dingen Spaß haben. Dafür soll das „Kieler Ding“ Dinge zusammenbringen, die es so oder so ähnlich in Kiel und Umgebung durchaus schon gibt – aber eben nicht auf einem Haufen: zum Beispiel mietbare Event-Räume und Sitzungszimmer, Bars, Clubs, Co-Working-Spaces, Gründerzentren, Fitness-Center, Gastronomie und E-Sports-Angebote. Lauter solche Sachen sollen auf den insgesamt rund 5000 Quadratmetern des Gebäudes zusammentreffen und miteinander reagieren können, damit im Idealfall daraus mehr entsteht als die Summe der Zutaten.

In Hamburg hat die „United Group“, zu der auch Imvest gehört, schon das „Hamburger Ding“ nach diesem Prinzip eröffnet. Dort kann man sich ein Ein-Sessel-„Büro“ mit integrierten Laptop-Tischen, USB- und Stromanschluss, beheizter Sitzfläche und eingebauter Rückenmassagefunktion mieten, sich mit Geschäftspartnern in verschiedenen Lounges treffen und in der Pause von anstrengenden Sitzungen im hauseigenen Fitnessbereich mit Personaltrainer den Körper austoben und den Kopf wieder freibekommen. Es gibt größenmäßig anpassbare Eventbereiche, Co-Working-Spaces, die „Astra-Mikrobrauerei“ im Erdgeschoss und einen mit High-End-Technik ausgestatteten E-Sports-Bereich, in dem Mannschaften trainieren und in Turnieren gegen andere Mannschaften antreten und ihre Leistung in eigens dafür ausgestatteten Räumen anschließend analysieren können.

Das Kieler Ding soll aber keine Kopie des Hamburger Dings werden, betont Jens-Michael Janssen. Das Prinzip eines Inkubators, der durch die Vernetzung verschiedenster Gruppen Dinge ausbrütet, wird auch für Kiel gelten, doch was genau im dortigen „Ding“ passiert, wird auch davon abhängen, welche lokalen Partner sich für den Einstieg finden lassen und wie sich das ganze weiterentwickelt. Dass es auch im Kieler Ding einen großen E-Sports-Bereich geben wird, ist schon ziemlich sicher. Ebenso wie eine Gastronomie im Erdgeschoss, ein Sportbereich und verschiedenste Umgebungen, in denen sich Menschen treffen können, um gemeinsam zu denken, zu arbeiten und zu feiern. Auch kleine Einzelhandelsbereiche mit kurzzeitig mietbaren Mini-Ladenflächen sind in der Überlegung.

Das ehemalige Ansons-Gebäude selbst wird sich laut Jens-Michael Janssen von außen nur wenig verändern: Die Fassade ist gut in Schuss, nur im zweiten Obergeschoss müssen seitlich noch zusätzliche Fenster rein. Und natürlich wird innen alles neu und schick und modern. Den Bauantrag wollen die Investoren noch im Dezember stellen und dann so schnell wie möglich loslegen. Sollte alles laufen wie gewünscht, könnte das Kieler Ding irgendwann im Jahr 2022 seinen Betrieb aufnehmen. kst