Ideen für die Medizin der Zukunft

Erinnert an eine Lupe ohne Linse: Im Ringförmigen Kopf der vorgestellten Spritze sind Düsen, die den Wirkstoff auf die Haut sprühen. Foto: Muthesius Kunsthochschule

Kieler Muthesius-Studierende sind bei der “Global Grad Show” in Dubai dabei

KIEL/DUBAI. Mit einer wiederverwendbaren „Spritze“, die ohne Nadel auskommt und einer High-Tech-Weiterentwicklung des klassischen Reflexhämmerchens sind Studierende aus dem Bereich „Medical Design“ der Kieler Muthesius Kunsthochschule bei der internationalen „Global Grad Show“ in Dubai vertreten. Die „Global Grad Show“ ist das einzige Wettbewerbsformat, das Designerinnen und Designern eine weltweite Plattform bietet. Hier präsentieren Nachwuchstalente einmal im Jahr einem internationalen Publikum ihre Design- und Technikprojekte. Nach Angaben der Muthesius Kunsthochschule gingen in diesem Jahr mehr als 3000 Bewerbungen ein, unter denen die Veranstaltenden 150 Projekte aus mehr als 70 Ländern auswählten. Pandemiebedingt läuft die aktuelle Ausstellung erneut rein digital und kann unter www.globalgradshow.com besucht werden.

Julia Berg und Paul Ullrich. Fotos: Muthesius Kunsthochschule

Julia Berg und Paul Ullrich, die während des Sommersemesters im Frühjahr 2021 die Idee für ihr Impf-Projekt entwickelt haben, sagen: „Ziel unseres Projektes war es gar nicht, neue Impfmöglichkeiten für die jetzige Pandemie zu entwickeln, sondern zu überlegen, wie Impfungen im Jahr 2050 aussehen könnten. Dass unser derzeitiges Impfsystem nicht wirklich nachhaltig und auch nicht langfristig gedacht ist, haben wir während unserer Recherche schnell erkannt.“ Recherchiert haben sie in einem Impfzentrum, außerdem interviewten sie geimpfte Personen. „Besonders inspirierend für uns war zu sehen, wie früher geimpft wurde und wie Massenimpfungen zum Beispiel während der Pockenepidemie aussahen“, sagen die Studierenden. Eine wissenschaftliche Studie über neue Verabreichungsmethoden brachte sie auf die Idee, dass Impfstoffe auch per Spray oder Creme auf die Haut aufgetragen werden könnten, was das Aufkommen an Sondermüll reduzieren und viele pragmatische Vorteile mit sich bringen könnte. Ihr Applikator sprüht den Impfstoff auf die Haut. Beigemischte weitere Wirkstoffe bewirken, dass der Impfstoff durch die Haut ins Blut aufgenommen wird. Weil das langsamer passiert als mit einer herkömmlichen Spritze könnten dadurch auch Impfauswirkungen reduziert werden – so die Überlegung.

David Rieche entwickelte das Flexision-Reflex-Testgerät.

Auch das medizinische Projekt von David Rieche ist für die „Global Grad Show“ in Dubai ausgewählt worden: Er hat unter dem Titel „Flexision“ das Hämmerchen zum Messen der Reflexe zur raffinierten Sensortechnik weiterentwickelt. Kombiniert mit einer Datenbank lassen sich – so seine Idee – aus dem gemessenen Reflexbild der Patientinnen und Patienten frühzeitig neurologische Erkrankungen diagnostizieren. Wie er auf die Idee kam, den Reflexmesser neu zu denken? „Ein Arzt hatte mir den Bedarf präziserer Reflexmessung nach einem Schlaganfall geschildert, was sich dann im Laufe des Projektes zur allgemeinen, hochpräzisen Reflexmessung für die Diagnose neurologischer Störungen entwickelte“, erklärt David Rieche. Für Medizintechnik hat sich der Absolvent der Muthesius Kunsthochschule „schon immer interessiert“, wie er sagt. Heute arbeitet er in Hamburg bei einer Firma, die medizinisches Design umsetzt.