Ideen für den Distanzunterricht

Ihren eigenen Klassenraum als 360-Grad-Foto mit verlinkten Symbolen sehen die Schülerinnen und Schüler von Adrian Boldt, wenn sie im Homeschooling sitzen.Foto: Adrian Boldt

Stadt Kiel kürt die Preisträger des Schulwettbewerbs zum Thema

KIEL. Mit einer selbst entwickelten und in weiten Teilen sogar selbst programmierten Online-Lernlandschaft hat der Mathe- und Physiklehrer Hans Moormann von der Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule für seine Schule den ersten Platz beim Wettbewerb „Bildung in der digitalen Welt“ der Landeshauptstadt Kiel gewonnen. Der Preis ist mit einem 3500-Euro-Gutschein dotiert, den die Schule für die Digitalisierung verwenden kann. Moormanns Lernkarte bildet das gesamte Mathe-Schulwissen der Klassen fünf bis zehn ab. Über individuelle QR-Codes kann der Lehrer seinen Schülern jeweils gezielt die Bereiche freischalten, die für ihre jeweilige Lernsituation sinnvoll sind. Die Aufgaben hat er mit einem Belohnungssystem kombiniert, bei dem die Schülerinnen und Schüler für erledigte Bereiche Markierungen und Auszeichnungen auf ihrer Karte erhalten. Laut Hans Moormann lässt sich das System auch auf andere Schulfächer übertragen.

Dass es in Kiel einen Schulwettbewerb zur „Bildung in der digitalen Welt“ geben soll, war eigentlich schon beschlossene Sache, bevor die Themen Digitalisierung an Schulen, Homeschooling und allgemein Lernen auf Distanz die Bedeutung bekommen haben, die sie seit dem Beginn der coronabedingten Lockdowns haben. Dass sich am Wettbewerb 2021 nur vier Schulen beteiligten, ist nach Vermutung von Kiels Bürgermeisterin und Bildungsdezernentin Renate Treutel wohl auch der Pandemie geschuldet: „Vermutlich war im Moment einfach zu wenig Zeit vorhanden, um sich darauf vorzubereiten.“ Sie selbst leitete die Fachjury, die nach der Präsentation der Ideen die Platzierungen und Preise vergab. Alle vier Wettbewerbsbeiträge mussten sich bereits im Rahmen der vergangenen Homeschooling-Phasen in der Praxis erproben oder sind durch die Schulschließungen überhaupt erst angeschoben worden. Wie der Beitrag der Kieler Gelehrtenschule: Lehrer Marc Reid hatte ein Projekt zum Selbstbau von digitalen Messgeräten mit seinen Schülerinnen und Schülern fertig vorbereitet, als Corona alles ausbremste. Durch geschicktes Vernetzen vorhandener online verfügbarer Plattformen und Institutionen konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Messgeräte online betreut und untereinander vernetzt tatsächlich zu Hause bauen. Für diesen Ansatz gab es Platz drei und einen Gutschein über 1000 Euro.

Zwei zweite Plätze und je einen 2000-Euro-Gutschein erreichten die Fritz-Reuter-Schule und die Ellerbeker Schule mit Grundschule und Förderzentrum. Cay Tonner hat für die Fritz-Reuter-Schule eine umfangreiche Sammlung von Aufgaben zum Lernen, Üben und Knobeln zu verschiedenen Schulfächern zusammengetragen, übersichtlich digital aufbereitet und die Sammlung über die Homepage der Schule allen Interessierten, auch an anderen Schulen, frei zugänglich gemacht. Adrian Boldt von der Ellerbeker Schule hat für seine Klasse mit sehr unterschiedlich begabten Kindern eine inklusive Benutzeroberfläche, basierend auf einem 360-Grad-Foto des Klassenraums entwickelt. So können die Kinder auch von zu Hause in dem ihnen vertrauten Klassenraum auf dort verteilte grafische Symbole klicken und entsprechende Fenster öffnen. Alle Inhalte sind grafisch, textlich und mit Audio-Dateien so aufbereitet, dass sie verständlich sind, egal, ob ein Kind zum Beispiel lesen kann oder nicht. Weitere Infos zum Wettbewerb unter www.kiel.de/bildungdigitalewelt  kst