„Ich habe mich hier wohlgefühlt“

Pastorin Sigrun König verlässt die Kieler Heiligengeist-Kirchengemeinde

Kiel. „Meine Kinder gehen aus dem Haus, und nach meinen diversen Krankheitsfällen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um neu durchzustarten“, ist Sigrun König überzeugt. Darum verabschiedet sich die Pastorin am morgigen Sonntag, 19. Januar, von der Kieler Heiligengeist-Kirchengemeinde. In einem Gottesdienst ab 14 Uhr in der Ansgarkirche an der Holtenauer Straße in Kiel wird Pröpstin Almut Witt sie von ihren Aufgaben entpflichten. Im Anschluss können die Besucher sich bei einem kleinen Empfang persönlich von Sigrun König verabschieden.

Fast neun Jahre ist sie durch die Kirchengemeinde Heiligengeist geradelt. „Ich habe mich hier wohl gefühlt. So nah an den Menschen zu sein und auch zu spüren, welches Vertrauen sie in dich setzen“, blickt die Pastorin dankbar zurück. Eher im Hintergrund hat sie viele ihrer Gemeindemitglieder im Sterben begleitet: über Tage, Monate, mal auch über ein Jahr hinweg. Den Angehörigen hat König in ihrer Trauer beigestanden, auch weit über die Bestattung hinaus. „Das ist für mich Seelsorge“, sagt die Pastorin. Und das ist sicherlich auch eine der nachdenklichen Seiten der 50-jährigen Theologin.

Was eigentlich „krass“ ist, denn Sigrun König hat in ihrer Kirchengemeinde genauso den Ruf der „Kodderschnauze aus dem Ruhrpott“ weg. Eine, die für ihre ungewöhnlichen Gedanken von der Kanzel bekannt ist und schon mal bei der Konfirmation über Capri Sonne und Adiletten predigt. „Meine Konfis mochte ich total gerne“, strahlt die Pastorin, „die werden mir total fehlen.“

Dabei ist sie auch in Zukunft gar nicht weit von den jungen Leuten weg. Auf einer Stelle der Nordkirche kümmert sich König in den kommenden Jahren um die Nachwuchsgewinnung. „Wie können wir Jugendliche fürs Theologiestudium begeistern und dann dafür, Pastorin oder Diakon zu werden?“, fragt König. Sie möchte Kontakt zu den Schulen knüpfen, dort den jungen Leute Rede und Antwort stehen. Ein Gesicht sein für einen Beruf, den sie, wie selbst sagt, „einfach auch geil findet.“ In ihrer neuen Aufgabe konzentriert sich die Theologin auf den Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein. Beginnen wird sie in Neumünster, wo sie ihr Büro hat.

Doch zuvor möchte König ein letztes Mal mit ihrer alten Kirchengemeinde Gottesdienst feiern. Sie wird noch einmal vor die Besucher treten und ihre Arme erheben: „Das ist eines meiner Herzensstücke. Allen zuzusprechen: Gott segnet dich.“