„Ich fang’ einfach mal an“

Auch einen kleinen Mülleimer mit einem Vorrat an Hundekotbeuteln hat Gabriele Beekmann an dem kleinen Weg aufgestellt. Foto: kst

Gabriele Beekmann engagiert sich aus Überzeugung für ihr Umfeld

Kiel. Eine Initiative für die Umwelt muss nicht immer aus Hunderten oder Tausenden von Menschen bestehen. Es gibt Leute, die sammeln Müll beim Joggen. Es gibt Familien, die beim Spaziergang am See den Dreck anderer Leute in ihren mitgebrachten Müllsäcken sammeln. Und es gibt Gabriele Beekmann. Die Elmschenhagenerin kümmert sich um das Umfeld in ihrer direkten Nachbarschaft. Direkt an ihrem Garten vorbei führt ein schmaler Sandweg durch die gemütliche Reihenhaussiedlung, in der sie lebt. Viele Hundebesitzer gehen den Sandweg mit ihren Tieren entlang. Nicht alle sammeln die Haufen auf, die ihre Hunde hinterlassen. Manche Raucher drücken ihre Zigaretten auf dem Weg und dem angrenzenden kleinen Garagenhof aus und lassen sie liegen. Solche Wege und Situationen kennt vermutlich jeder, und viele finden sich damit einfach ab. Gabriele Beekmann aber brachte ein Besuch in Süddeutschland zum Umdenken. „Bei einem Spaziergang am Main dachte ich: ,Wo sind die Hundehaufen und Kippen?’ Da ging mir auf: So muss es nicht sein. Und ich dachte, ich fang’ einfach mal an.“

Als Lehrerin weiß die Kielerin genau, wie leicht man andere Leute vor den Kopf schlagen kann – genau das will sie vermeiden. Anfangs hat sie die Hundewürste mit Schildchen wie „Das ist nicht mein Schiet“ markiert oder in Gläser gefüllt und eine Zeit lang ausgestellt. „Aber das war nur als erste Maßnahme gedacht“, sagt sie. Inzwischen setzt sie vielmehr auf ein pädagogisches Konzept mit Anregungen, Wiederholungen, einer gewissen Hartnäckigkeit und vor allem: konstruktiven Angeboten. Inzwischen greift sie selbst regelmäßig zur Harke, um die Ränder des Sandwegs zu harken und anfallenden Müll einzusammeln. Sie hat einen dekorativen Holzstuhl an den Anfang des Weges gestellt und ihn mit Blumen geschmückt. Eine blühende Staude im Topf und ein kleiner Mülleimer mit einem Vorrat an Hundekot-Beuteln machen das Arrangement komplett. Der kleine Sandweg sieht in diesem Bereich hübsch und gepflegt aus. Auf dem Garagenhof hat sie mit Kreide ein Quadrat markiert und die Bitte hinein geschrieben, Kippen dort abzulegen, damit sie sie einsammeln und entsorgen kann. Das mit dem Kippen-Quadrat funktioniert noch nicht so richtig, aber die Hundebeutel und der Mülleimer werden angenommen. „Ich kümmere mich auch darum und entleere den Mülleimer regelmäßig“, sagt Gabriele Beekmann.

Ihre Ein-Frau-Umweltinitiative hat zumindnest schon geistige Unterstützer gefunden: Ein anonymer Spender hat den Blumen auf dem Stuhl nämlich kleine Porzellanengel hinzugefügt, und hin und wieder gehen Leute auf dem Weg vorbei, lächeln und zeigen Gabriele Beekmann einen Daumen nach oben. Grund genug für die Elmschenhagenerin, auf jeden Fall weiter zu machen. kst