Gut und rechtssicher beraten

Bei der „Studentischen Rechtsberatung” arbeiten Studierende und Anwälte zusammen. Marlena Bult (v.li.), Anwalt Ulf Schönenberg-Wessel, Lena Weisphal, Michel Seer und Johanna Marek vor dem Juridicum. Foto: Sabrina Böhm

Kieler Jurastudierende bieten kostenlose Rechtsberatung an

KIEL. Für Streitfälle bis zu 1000 Euro bietet der gemeinnützige Verein „Studentische Rechtsberatung Kiel“ eine Ersteinschätzung an – komplett kostenfrei.

Im vergangenen Jahr gründeten Studierende der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Christian-Albrechts-Universität den Verein „Studentische Rechtsberatung“. Ihr Angebot: rechtliche Beratung für alle Kieler und Kielerinnen bei Streitfällen bis zu 1000 Euro. „Wir bearbeiten alle Rechtsgebiete außer Straf- und Asylrecht“, sagt Vorsitzender Michel Seer. Jeder könne ganz einfach über die Webseite www.kieler-rechtsberatung.com eine Beratungsanfrage stellen. Der Vorstand des Vereins prüft die Anfragen und leitet sie dann an einzelne Beratungsgruppen aus den 40 Mitgliedern weiter. „In Gruppen von zwei bis drei Personen bearbeiten wir dann die Fälle“, so Jurastudentin Marlena Bult. Im Studium werden auch Fälle bearbeitet, aber da liegen die Informationen meistens alle vor. „Bei den Beratungen müssen wir selbst herausfinden, welche Informationen wir brauchen, was wir hinterfragen müssen und worum es eigentlich geht“, so Jurastudentin Johanna Marek. Bei Rückfragen werden die Mandanten und Mandantinnen per E-Mail, Telefon oder Videokonferenz kontaktiert. Ist das Beratungsteam fertig, wird ihr Gutachten an einen der kooperierenden Volljuristen zur Prüfung weitergeleitet. Nach ein bis zwei Tagen gibt der Anwalt oder die Anwältin eine Rückmeldung und das Gutachten wird an den Mandanten verschickt. „Der Sinn und Zweck des Vereins liegt darin, dass die Studierenden früh an die praktische Arbeit herangeführt werden“, sagt Rechtsanwalt und Notar Ulf Schönenberg-Wessel. Er hätte sich zu seiner Studienzeit diese Möglichkeit für praktische Erfahrungen gewünscht. Denn in der Beratung sind nicht nur die Fälle echt, sondern auch Mandantenx Fristen. Praktika sind im Studium zwar vorgeschrieben, diese seien aber oft fremdbestimmt. Eigenverantwortung lernen die Studierenden in dieser Beratungsdienstleistung viel eher.

18 Beratungen hat das Team aus Studierenden und Anwälten zusammen bereits erledigt, im Schnitt brauchen sie zwei Wochen für die Bearbeitung. Der Verein macht aber noch mehr als nur Rechtsberatung. „Wir organisieren Workshops zu Themen wie Datenschutz oder Arbeitsrecht“, sagt Jurastudentin Lena Weisphal, die auch fürs Marketing im Verein zuständig ist. Außerdem organisieren die Mitglieder Moot Courts, simulierte Gerichtsverhandlungen, um einen Einblick in die Praxis eines Volljuristen zu bekommen. saa