Gut für Körper und Natur

Selbstversuch: Joggen und Müllsammeln mit der Trendsportart Plogging

KIEL. Warum „nur“ Joggen, wenn man nebenbei noch etwas Gutes für die Umwelt tun kann? Das dachte sich wohl der Schwede Erik Ahlström, als er – genervt von den vermüllten Parks in Stockholm – mit einer Mülltüte Joggen ging und so den Trend „Plogging“ ins Leben rief. Das war vor vier Jahren. Inzwischen hat sich die Sportart mit dem trendigen Namen, der sich aus dem schwedischen „plocka upp“ (aufheben) und eben Joggen zusammensetzt, um die halbe Welt verbreitet. Doch was ist dran an der Trendsportart? Wir haben es ausprobiert.

Plogging an sich ist einfach. Lauf-Outfit an, feste Handschuhe, zum Beispiel Gartenhandschuhe, und eine Mülltüte einpacken – und los geht’s. Auf dem Weg wird aufgesammelt, was andere weggeworfen haben oder was aus vollen Mülleimern weggeweht wurde. Anschließend wird der gesammelte Müll fachgerecht entsorgt. Die Handschuhe sind zum einen aus Hygiene-Gründen wichtig, andererseits, weil sie vor Verletzungen von Glasscherben oder dornigen Büschen schützen.

Für den Selbstversuch haben wir uns eine ruhige Stelle am Hasseldieksdammer Weg gesucht. Schon der erste Blick zeigt: Müll gibt es hier genug. Ob To-Go-Becher, Masken oder undefinierbare Papier- und Plastikschnipsel: Der Grünstreifen rund um die Bushaltestelle und der Waldweg bieten einen unschönen Anblick.  Also krempeln wir die Ärmel hoch und legen los.

Zugegeben: Am Anfang kostet es ein wenig Überwindung, den Müll einzusammeln, gerade, wenn sich nicht genau erkennen lässt, was genau da eigentlich auf dem Boden liegt. Aber als wir erst einmal angefangen haben, können wir nicht mehr aufhören. Alle paar Meter halten wir an und sammeln Plastik, Papierschnipsel oder Kronkorken ein. Das Gefühl, die Natur wenigstens ein Stück weit von Müll zu befreien, ist wirklich befriedigend.

Zum guten Gefühl kommt natürlich ganz nebenbei der Trainingseffekt. Denn Plogging soll deutlich effektiver sein als „reines“ Laufen. Denn durch das Bücken, Aufheben, Aufrichten und Weiterlaufen werden mehr Muskeln zum Beispiel an den Oberschenkeln, an Rücken, Bauch, Po und Armen, beansprucht. Hinzu kommt der Intervall-Effekt, auf den viele Sportler schwören. Wer noch motivierter ist, hebt den Müll nicht einfach nur auf, sondern baut Dehnübungen oder Kniebeugen ein.

Nach kurzer Zeit haben wir zwei Müllsäcke vollgesammelt – ein wirklich gutes Gefühl. Skeptische Blicke haben wir auch nicht geerntet, stattdessen Anerkennung und ein Kompliment. Fazit: Plogging lohnt sich – für den Körper und die Umwelt.

Übrigens: Wer nicht joggen möchte, kann auch auf „Pliking“ (Wandern), Plalking (Walken) oder Plycling (Fahrradfahren) zurückgreifen.

Auch in Kiel ist die Plogging-Bewegung angekommen: Ocean Summit beispielsweise hat Anfang Juni ein Plogging-Event veranstaltet, bei dem 30 bis 50 Personen teilgenommen haben, die über zehn Müllsäcke mit je 85 Litern Müll gesammelt haben. Im August soll das Event wiederholt werden – und dann hofft Ocean Summit auf noch mehr Teilnehmer. svp