Feier-Nächte und sehr viel Müll

304 Tonnen zeigten die Müllmenge, die die Kieler Müllwerker im Moment an einem Wochenende allein auf der Reventlouwiese und im Schrevenpark entsorgen. Foto: Jan Köster

ABK kämpft gegen bisher ungekannte Abfallmassen auf öffentlichen Wiesen

KIEL. Wegen Corona sind die Clubs sind schon lange dicht, gefeiert wird darum draußen, gerne auf den netten öffentlichen Grünflächen, in Kiel zum Beispiel im Schrevenpark oder an der Kieler Förde mit Blick aufs Wasser. Spätestens seitdem das Wetter gut und die Nächte warm geworden sind, ist das aber mit einem heftigen Müllproblem verbunden. Vor der frühmorgendlichen Reinigung durch die Teams des Abfallwirtschaftsbetriebs Kiel (ABK) sehe es zum Beispiel auf der Reventlouwiese neben dem Camp 24/7 direkt an der Kieler Förde aus wie auf einem „Abfall-Schlachtfeld“, so eine Mitteilung der Stadt Kiel. Längst hat der ABK jede Menge zusätzliche Mülltonnen aufgestellt, ABK-Mitarbeiter machen freiwillig Nachtdienst, um zwischen den Feiernden Abfall einzusammeln und in die vorhandenen Tonnen zu werfen, trotzdem sind die Müllberge kaum zu bewältigen, und die ABK-Mitarbeiter, die nachts Müll sammeln, mussten sich schon jede Menge blöde Sprüche und sogar Pöbeleien anhören – „scheinbar stören wir die beim Feiern“, sagt einer von ihnen.

„Das treibt uns die Sorgenfalten ins Gesicht, weil wir so ein Verhalten nicht kennen“, sagte ABK-Werkleiter Christian Schmitt bei einem Pressetermin auf der Reventlouwiese. 304 orangefarbene Kieler-Woche-Mülltonnen hatten seine Leute dort aufgebaut – das entspricht der Menge Abfall, die aktuell an einem Wochenende nur auf der Reventlouwiese und im Schrevenpark entsorgt werden muss. Vor Corona reichten für eine Wochenendnacht zum Beispiel auf der Reventlouwiese die standardmäßig an den Rändern aufgestellten 80-Liter-Metall-Papierkörbe aus. Jetzt hat das ABK nur dort bereits zusätzlich 30 Kieler-Woche-Mülltonnen mit je 120 Litern Fassungsvermögen direkt auf der Wiese und 25 zusätzliche Behälter an den Rändern aufgestellt. „Und es reicht immer noch nicht“, sagt Christian Schmitt. Das Thema Müllvermeidung scheint unter den Feiernden keine Rolle zu spielen, die Müllentsorgung ist vielen offenbar völlig egal. Häufig landet der Müll nicht einmal in einer Tonne, sondern bleibt einfach an Ort und Stelle liegen, darunter auch Kronkorken und Glasscherben, an denen sich spätere Wiesen-Nutzer verletzen können, und jede Menge umweltschädigende Zigarettenkippen.

Die rücksichtslosen Feiernden machen es dem ABK schwer, die öffentlichen Grünflächen so zu erhalten, dass sie außerhalb der Wochenendnächte auch noch für alle anderen Menschen schön und nutzbar sind. Zusammen mit einer Agentur hat der ABK inzwischen die Deckel einiger Tonnen und zwei 2,5-Kubikmeter-Container in einem Müllmonster-Design gestalten lassen, um es so vielleicht attraktiver zu machen, die Tonnen auch zu benutzen.

Ohne etwas mehr Bewusstsein für andere Menschen in den Köpfen der Feiernden wird es aber wohl nicht gehen. Ein Anfang wäre es, den einfachen Appell von Christian Schmitt umzusetzen: „Bitte nutzt die Tonnen!“ kst