Eine logistische Meisterleistung

Das Eventareal in Schilksee soll in diesem Jahr größer werden als während der vergangenen Kieler Woche – von der Normalität wie auf diesem Bild ist es leider trotzdem noch ein wenig entfernt. Foto: LH Kiel / Jan Konitzki

Point of Sailing sorgt dafür, dass in Schilksee alles glatt läuft

KIEL. Das Segeln steht bei der diesjährigen Kieler Woche im Fokus – und damit das Eventareal am Olympiazentrum Schilksee. Sven Christensen, Geschäftsführer von Point of Sailing, und sein fünfköpfiges Team organisieren Veranstaltungen an Land und zu Wasser – und haben damit alle Hände voll zu tun.

Die Kieler Woche ist mit Abstand das größte Event im Portfolio von Point of Sailing, einer 100-prozentigen Tochter des Kieler Yacht Clubs. „Wir bespielen mehr oder weniger das gesamte Eventareal in Schilksee“, sagt Sven Christensen. Dieses Jahr zwar weniger als in einem „normalen“ Jahr, aber dennoch mehr als während der letzten Corona-KiWo, wo die Fläche von mannshohen Absperrgittern und Einlasskontrollen geprägt war. So wird beispielsweise die Sponsorenmeile wieder stattfinden, auch Gastroflächen gibt es wieder. „Wir werden allerdings weniger Stände haben als normalerweise und dafür die Flächen zum Hinsetzen doppelt so groß gestalten, damit die Gäste Abstand halten können“, erklärt der Geschäftsführer.

Nicht nur die Veranstaltungen an Land, auch die Regatten leiden unter der Pandemie. „Die Teilnehmerzahlen sind weit, weit unter den üblichen“, bedauert Sven Christensen. Die Terminverschiebungen aus dem letzten Jahr haben die Kalender vieler Segler ordentlich durcheinandergewirbelt. „Und dann haben in diesem Frühjahr wieder alle angefangen, die Regatten zu verschieben. Dadurch kam es zu vielen Terminkollisionen“, erklärt Christensen. Viele Klassen wurden deshalb gar nicht erst ausgeschrieben. „Wir haben in diesem Jahr beispielsweise nur eine einzige olympische Klasse – sonst schreiben wir immer alle olympischen Bootsklassen aus. Außerdem sind Sportler aus nur 27 Ländern zu Gast, sonst sind es 60.“ Ein Grund: die Quarantäne-Regeln. Viele der Sportler legen sich eine Route fest, segeln zum Beispiel erst in Kiel, dann in Skandinavien oder Südeuropa. Eine eventuell notwendige Quarantäne bei jeder Einreise bringt da einiges durcheinander. „Dazu kommt, dass die Sportler in normalen Jahren die Regatten für die Olympia-Qualifikation brauchen. Das ist in diesem Jahr nicht so. Zwar sind noch immer viele hochkarätige Kadersegler dabei, die auf Punkte angewiesen sind, aber ob gerade die ausländischen Teilnehmer eine eventuell erforderliche Quarantäne auf sich nehmen, ist fraglich“, sagt Christensen. Doch Hoffnung besteht, schließlich hat die Kieler Woche sportlich einen enorm hohen Stellenwert. „Hier segeln Weltmeister, Europameister und Medaillengewinner der letzten beiden olympischen Spiele. Und wer die KiWo gewinnt, hat sie alle geschlagen“, erklärt der Geschäftsführer.

Doch auch bei geringerer Teilnehmerzahl ist die Kieler Woche eine enorme logistische Herausforderung. Dafür, dass auf dem Wasser alles glatt geht, sorgen die Point-of-Sailing-Mitarbeiter im Regattasekretariat. Sie  kümmern sich vorab darum, dass Material, Verpflegung, Bekleidung, Räume, Liegeplätze und vieles mehr zur Verfügung stehen und sorgen während des Events im Lagezentrum gemeinsam mit den Wettfahrtleiter und -leiterinnen und dem Principal Race Officer dafür, dass jeder Segler zur richtigen Zeit auf der richtigen Bahn ist. Unterstützung bekommen sie von 400 Ehrenamtlern, die je nach ihrem Verantwortungsbereich eingeteilt sind. Das heißt: 15 bis 20 Freiwillige pro Team – plus je ein Verantwortlicher – sind für die verschiedenen Bereiche wie Wettfahrtleitung, Check-In, Jury oder das Ein- und Auslaufen der Segler verantwortlich.

„Das Ein- und Auslaufen ist die größte logistische Herausforderung – neben der An- und Abreise der Teilnehmer“, sagt Christensen. Wenigstens in „normalen“ Jahren. Denn dann reisen an einem einzigen Tag in der Mitte der Kieler Woche alle Segler ab – und die „Neuen“ zeitgleich an. „Das ist ein riesiger logistischer Aufwand, hat aber immer gut funktioniert. Nun haben wir einen Wechseltag, damit die Segler sich nicht begegnen. Wir möchten so wenig Kontakt wie möglich zwischen den beiden Gruppen.“

Trotz des hohen Arbeitsaufwandes – in einem normalen Jahr ist Sven Christensen zehn Tage lang von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr abends vor Ort – und den vielen coronabedingten Veränderungen freut der Geschäftsführer sich sehr auf die Kieler Woche. „Schon im letzten Jahr war die Kieler Woche sportlich und auch für die Veranstalter ein Highlight, weil es weltweit die einzige Veranstaltung in diesem Format war“, sagt er. „Und dieses positive Feedback ist ein ganz großer Teil der Entlohnung. Es geht darum, Teil von etwas zu sein, etwas geschaffen zu haben.“ Und darum, den Ehrenamtlern Wertschätzung entgegenzubringen. Schließlich opfern viele der Freiwilligen ihren Urlaub. „Wir möchten, dass sie zufrieden rausgehen. Wenn alle glücklich sind, gibt das Energie, weiterzumachen.“

So soll es auch in diesem Jahr werden. „Am Ende der KiWo, wenn alles geklappt hat, ist das immer der größte Gänsehautmoment“, sagt Sven Christensen. „Alle stehen zusammen und trinken noch gemeinsam ein Bierchen. Dann am nächsten Tag der Abbau, zwei bis drei Wochen Nachbereitung – und alles geht von vorne los.“ svp